William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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LXXIX

Da ich allein dich rief als Muse an,
zehrt' ich allein von deiner Anmut Gnade.
Doch ist nun bald mein Liederschatz vertan,
und andre schreiten schon auf meinem Pfade.

Ich weiß, Geliebter, wohl: dein holdes Bild
ist wert, daß beßre Dichter von ihm singen;
doch was den Sänger je vor dir erfüllt,
er stahl es dir, um dir's zurückzubringen.

Pries deine Tugend er, nahm er den Preis
von deiner Art; der deine Schönheit sang,
fand sie auf deinem Antlitz, und er weiß,
daß jedes Wort aus deinem Wert entsprang.

Drum dank ihm nicht, bezahl nicht Huld mit Huld;
du hast geschenkt – er bleibt in deiner Schuld.


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