William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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LX

Wie Wellen an dem Kieselstrand verrauschen,
so fluten die Minuten hin zum End,
und immer naht die nächste, um zu tauschen
mit der, die eben schwand im Element.

Gebornes, ganz vom Meer des Lichts umflutet,
erwächst zur Höhe; wenn sie kaum erklommen,
droht Dunkel, und bald sieht man, wie sich sputet
die Zeit, die, was sie gab, schon hat genommen.

Man sieht, wie sie verheert das junge Grün
und wie sie Furchen gräbt in schöne Flächen;
nichts ist in der Natur zum Glanz gediehn,
das man nicht sieht an ihrer Sichel brechen.

Und doch, wie immer sie der Schöpfung droht,
mein Lied, es trotzt der grimmen Zeit Gebot.


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