William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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CXXII

Das Tagebuch, von dir mir einst geschenkt,
lebt dort mir, wo ich es beständig trage:
im Geist, der länger als Papier gedenkt
und alle Tage wahrt für alle Tage.

So lange wenigstens, als Herz und Hirn
naturgemäß zum Leben sich verbinden,
so lang', bis ihr Vergessen dein Gestirn
verlöscht, soll mir dein Bildnis nicht entschwinden!

So viel vermag ein Merkbuch nicht zu fassen,
und daß ich dich mir merke, brauch ich's nicht;
drum gab ich's weg, um ganz zu überlassen
dem innern Buch den besseren Bericht.

Gedenken, dir von außen zugemessen:
der Vorwurf wär's, ich hätte dich vergessen.


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