William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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CXIV

Ist's so, daß den mit dir gekrönten Geist
das Fürstengift der Schmeichelei betört?
Ist's anders? So, daß sich als treu erweist
mein Aug, dem solchen Zauber Liebe lehrt,

daß es aus Mißgeburt und Schreckgesicht
macht Cherubim von deiner holden Art,
der schlechtste Stoff erblüht ihm zum Gedicht,
sobald sein Strahlenblick ihn nur gewahrt?

Nicht so ist's! Schmeichelei erfüllt dies Auge,
nach Fürstenweis' schlürft sie mein hoher Mut:
das Auge kennt den Trank, der dazu tauge,
und seinen Trinker kennt es ganz so gut.

Entschuldigt sei, wenn Gift in solchen Tränken:
das Auge liebt, zuerst sich einzuschenken.


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