William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

 << zurück weiter >> 

XX

Ein Fraungesicht hat dir Natur geschenkt,
du Herr zugleich und Herrin meiner Seele;
ein Frauenherz, das doch nicht treulos denkt,
wie es dem Wechsel stets nur sich vermähle;

ein lockend Aug und dennoch nicht belügend,
verklärend jedes Ding, das es bestrahlt,
und über beiden Wesens Reiz verfügend,
ein Doppelbild, von der Natur gemalt.

Als sie zum Weib dich schuf und selbst entbrannte
für dich, ergänzte sie dich gleich zum Mann:
was meiner Hoffnung den Besitz entwandte
durch Überfluß, den ich nicht brauchen kann.

So ausgestattet, Frauen zu erlaben –
laß mir die Liebe, wenn die Lust sie haben!


 << zurück weiter >>