William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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XXIV

Mein Aug ist Maler, der mir an die Wand
von meinem Herzen dein Gemälde schafft.
In meines Körpers Rahmen eingespannt,
bewährt es sich mit aller Täuschungskraft.

Die Stelle, wo dein wahres Bild zu finden,
wird durch die Kunst des Malers dir erhellt;
du schaust es in des Herzens Hintergründen,
auf die das Licht aus deinem Auge fällt.

Sieh, wie das Aug dem Auge Wonne bringt:
das meine hat gemalt, es ward das deine
ein Fenster meiner Brust, durch welches dringt
die Sonne, daß sie froh dein Bild bescheine.

Nur eines kann die Kunst nicht: für das Bild
hat sie bloß Form – das Herz bleibt ihr verhüllt.


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