William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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LXXXIX

Gib meinem Fehler Schuld, und ich will schnell
entschuld'gen mich, weil du mir brachst die Treu;
sag, ich sei lahm: ich hinke auf der Stell,
damit mein Gang dich nicht der Lüge zeih'.

Du kannst, mein Lieb, nicht halb so tief mich beugen,
den Wandel deiner Neigung zu verhüllen,
als ich mich selbst: ich will mich kalt dir zeigen
und durch Entfremdung achten deinen Willen.

Ich geh dir aus dem Weg; ich bin entschlossen,
selbst deinen holden Namen nicht zu nennen,
daß nicht entehrt den einstigen Genossen
des Glücks ein Wort durch törichtes Bekennen.

Nur Selbsthaß läßt die Liebe mir am Schluß,
weil den, den du nicht liebst, ich hassen muß.


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