William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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LVI

O süße Liebe, deine Macht verstärke,
daß nicht die schale Welt sie wollte messen
am Hunger, der schon morgen greift zum Werke,
nachdem er heute erst sich satt gegessen.

So tu desgleichen: daß dein gierig Auge
sich heut am Hochgenuß der Schönheit freue,
doch mach, daß morgen wieder sie ihm tauge,
gewähre niemals, daß dein Geist bereue.

Wie Meeresflut ist triste Zwischenzeit:
zwei Küsten und zwei Liebende getrennt;
die täglich Wartenden verbindet Leid,
worin die Glut des Wiederfindens brennt.

Dazwischen ist auch Winter, der nur währt,
daß man den Sommer sehnlicher begehrt.


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