William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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CVIII

Was blieb dem Hirn in Lettern zu ersinnen,
womit dich Treue nicht schon hätt' erfreut?
Was wär' an neuem Preise zu gewinnen
für meine Liebe, deine Kostbarkeit?

Nichts, süßer Knabe! Doch wie im Gebete,
wo ich das Alte täglich neu bekenne:
»Du mein, ich dein«, ist es der gleiche, stete
Gedanke, seit ich deinen Namen nenne.

Der jung erhaltnen Liebe freies Walten
fragt nicht besorgt nach Alters Last und Leid;
sie läßt sich nicht gefallen seine Falten,
macht zum Vasallen die Vergänglichkeit.

Sie fühlt sich wie am ersten Tage neu,
brach sichtbar jene ihr auch schon die Treu.


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