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Der Teufel geht um –

Der goldne herbstliche Vollmond schien
In die Fenster der alten Burg zu Wien,
Und blickte durch die Gardinen versteckt,
Dahinter sich zwei auf das Lager gestreckt:
Der Erzherzog Joseph und sein Gast,
Prinz August von Sachsen, hielten hier Rast.
Schon ging es stark auf die Mitternacht,
Sie schwatzten noch eins – und Joseph lacht:
»Weißt' schon, in der Burg geht der Teufel um?«

»»Der Teufel? – Ei, Bruder, säh' ich ihn doch!«« –
»Sei still, August, – 's ist die Stunde noch,
Wo er in der höllischen Majestät
Die Gemächer durchirrt, bis der Hahn gekräht.
Schon mancher sah ihn – und die ihn sahn,
Denen hat er irgend ein Leids gethan.
Die Schildwachen kehren sich ab im Nu,
Bekreuzen sich, kneifen die Augen zu –
Sie wissen zu gut, der Teufel geht um!«

»»Wie sieht der Schurk' aus,«« ruft August laut,
»»Mir rieselte gern einmal auch die Haut!«« –
»Nun weißt du, – man hat mir's halt so erzählt, –
Er trüg' wie ein Cavalier sich, gewählt.
Er kommt als hagere lange Gestalt,
Von einem feurigen Mantel umwallt;
Eine Hahnenfeder nickt von dem Barett –
He! August, hörst du? – Hüll' tief dich ins Bett
Mir wars, als ging er eben hier um!«

Geräuschlos öffnet's die Thür und sacht,
Ein Lispeln nur, wie's der Zugwind macht,
Wenn leis er eine Gardine streift,
Daß knitternd sie hin und wieder schweift.
Der Geist huscht ein – kein Laut – kein Tritt –
Es schließt sich die Thür hinter seinem Schritt.
Jetzt hält er – es zittert des Mondes Schein
Wie auf ein regloses Bild von Stein –
In dem alten Schloß geht der Teufel um!

Jetzt kehrt' er der andern Thüre sich nach,
Zum Flügel der Burg, wo der Frauen Gemach.
Prinz Joseph drückt den Kopf an die Wand;
Doch August hält forschenden Blickes Stand,
Er sieht die hagere, lange Gestalt,
Vom feuerfarbenem Mantel umwallt,
Eine Hahnenfeder nickt von dem Barett –
»Wer bist du armselig feiges Skelett?
Gehst du als Teufel etwa hier um?« –

Prinz August rufts – und in plötzlicher Hatz
Springt er mit einem gewaltigen Satz
Aus dem Bett heraus, und klaftert und packt
Den Geist um den Leib, daß die Hüft' ihm knackt,
Schleppt ihn zum Fenster und öffnet es schnell:
»An die Luft mit dir, du luft'ger Gesell!« –
Er schleudert hinaus ihn – ein Schwung – ein Krach –
Vom Graben herauf tönt ein seufzendes »Ach!« –
In der alten Burg geht kein Teufel mehr um!



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