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Kurfürst August I.
auf dem Winterberg.

Sechs Jahre nach dieser Begebenheit (d. 10. Jan. 1564) sprach Kaiser Max II. in Dresden ein. Während der Tafel wandte sich das Gespräch auf die Entschlossenheit des Kurfürsten bei jenem Jagdabenteuer. Das einstimmige Lob weckte in Prinz Christian den Gedanken jene That durch ein Denkmal zu verewigen und sogleich gab er den Befehl zum Bau des Winterhäuschens auf dem kleinen Winterberg.

(1558)

Von König Ferdinands Krönung in Prag
Zog Kurfürst August mit frühem Tag.

Schon hat er die heimischen Grenzen erreicht,
Als ein Gelüsten das Herz ihm beschleicht.

Die Nähe des Bergwalds, das Wetter so klar
Lockt ihn zur Jagd mit der Reiterschaar.

Dem Prinzen Christian drückt er die Hand:
»Heut halt' ich dem weißen Hirsche Stand!

»Dem rastlosen Flüchtling sprech' heut ich Hohn!«
Er ruft's und entschwindet im Dickicht schon.

Nicht lang – so fliegt mit stolzem Geweih
Der weiße Hirsch aus den Tannen vorbei.

Der Kurfürst nach, – über Stein und Dorn
Folgt zu Fuß er hinauf zum Felsenhorn.

Schon legt er die Büchs an – am Felsen gelehnt,
Vor dem ein graunvoller Abgrund gähnt.

Den schroffsten Vorsprung erklimmt das Thier,
Keine höhere Zinke trägt's weiter von hier.

Ein Sprung nur zurück auf die Felsenwand,
Wo der Kurfürst auf schmaler Platte stand –

Ein Sprung nur zurück gibt Rettung noch –
Was zittert der Hirsch, was zaudert er doch!

Setzt an er behend, so ist er frei
Und der Kurfürst stürzt von der Felsbastei!

Der trotzige Jäger ermißt die Gefahr,
»Ich oder du!« so spricht's in ihm klar.

Losdrückt er mit fester, mit sicherer Hand –
Und der Hirsch fliegt hinunter die Felsenwand.

Gott dankbar preisend für Gnad' und Glück
Kehrt langsam der Fürst zu den Seinen zurück.



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