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Die armen Mönche.

Elisabeth ging zur Abendstund'
Im kiefernduftgen Thalesgrund:
Ihr frommer Sinn gedacht' des Herrn
In grüner Einsamkeit so gern.
Da führt der Weg sie lieblich frei
An einem Kloster dicht vorbei.
Bedürftge Mönche stehn am Thor
Und strecken rasch die Händ' empor:
»Gebt uns zu Brode, schöne Frau!
Gott segn' es euch mit Himmelsthau!« –

Elisabeth fragt in mildem Harm:
»Ist euer Kloster denn so arm,
Daß ihr müßt schnöden Hunger leiden,
Kaum mögt die nackte Schulter kleiden?« –

Der Eine drauf: »'s ist wie ich sag',
Wir fristen uns von Tag zu Tag;
Almosen nur und Christi Ruhm
Sind unser ganzes Eigenthum!«

Ins Kloster tritt Elisabeth
Und forscht und sieht, wie's geht und steht.
Von einer Zelle zu der andern
Läßt sie der kundge Prior wandern;
Zeigt ihr drauf in der Sakristei
Reliquien gar mancherlei,
Zuletzt am hohen Altarplatz
Der Heilgenbilder bunten Schatz,
Darstellend christliche Legenden
Von Märtyrern und Wunderspenden.
Ein jeglich Bild von Elfenbein
Umblitzen Gold und Edelstein.

Elisabeth sieht flüchtig hin,
Unwillig wird darob ihr Sinn,
Und ernsten Tones spricht ihr Wort:
»Was speichert ihr den goldnen Hort?
Viel besser frommt euch Geld und Gut,
Das todt in diesen Bildern ruht,
Wenn ihr's zu edlem Zweck gespendet,
Zu Brod und Kleidung recht verwendet.
Den hohen Sinn, des Glaubens Licht,
All, was aus frommen Seelen spricht:
Das könnt in Gold ihr nimmer schlagen,
Das müßt ihr tief im Herzen tragen.«



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