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Friedrich der Großmüthige im Gefängniß.

(1550)

Als früh sich der erlauchte Fürst
Vom harten Bett erhob,
Schreckt ihn des Spaniers lauter Ruf,
Der außen Wache hielt.

Weit öffnet sich des Kerkers Thür,
Eintritt der Kardinal,
Entbietend dem Gefangenen
Den Gruß der Majestät.

Er legt des Glaubens Interim,
Zur Unterschrift ihm vor,
Doch Friedrich blickt Granvella scharf
In's Pfaffenaug' und spricht:

»Die Wahrheit, die ich jung verfocht,
Verleugn' ich nicht als Greis,
Verrathe für die Freiheit selbst
Die gute Sache nicht.

»Die gute Sach', um die ich litt,
Und gern noch leiden will,
Sie gibt mir des Gewissens Ruh
Und edler Männer Preis.

» Wie's Gott gefällt, gefällt mir's auch!
Ob ihr die Diener all,
Ob ihr den Trost der Freunde mir,
Der Bücher Trost versagt!

»Und nehmt ihr selbst die heil'ge Schrift,
Mein höchstes Gut, hinweg,
Ihr reißt doch, was ich draus gelernt,
Nie aus dem Herzen los!« –

Die Achseln zuckt der Kardinal,
Und ohne Wort und Gruß
Geht er verbißner Rache voll
Von dem Gefangnen fort. –

Drei Tage drauf klopft's an die Thür,
Ein Pred'ger tritt herein,
Getrübten Auges neigt er sich
Dem schwergeprüften Herrn:

»Euer Gnaden helft! des Kaisers Zorn
Verbietet uns das Reich,
Des Evangeliums Priester sind
Obdach- und heimatlos!«

Der Kurfürst kehrt bewegt sich ab,
Und weint so bitterlich,
Daß ihm der Thränen heller Strom
Heiß auf die Wange fließt.

Dann wendet er sich wiederum
Zum Geistlichen und fragt:
»Verbot denn euch des Kaisers Zorn
Den Himmel auch?« – »»O, Nein!««

»Ei!« ruft der Kurfürst drauf gefaßt,
Emporgeschlagnen Blicks,
»Dann hat's auch keine Noth! Getrost,
Der Himmel bleibt uns ja!

»Gott zeigt euch wol ein Land, wo ihr
Dürft pred'gen laut sein Wort!« –
Er spricht's und zieht aus seinem Wams
Ein Ledersäcklein vor:

»Hierin ist all' mein Hab' und Gut,
Was mir auf Erden blieb,
Zur Zehrung nehmt die Münze hin,
Theilt mit den Brüdern sie.

»Wiewol ich auch ein armer Fürst
Und ein Gefangner bin,
So hoff' ich doch, daß mir mein Gott
Wol wieder was bescheert.«



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