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Hengst und Horsa.

(449)

Von Roma's Schutzhand
Hochaufgethürmt läuft
Quer durch Britania's
Eiland der Steinwall,
Abwehr dem ruhlos
Hadernden Bergvolk.

Aber Granit bannt
Nimmer das Luchsaug',
Nimmer den Brandpfeil
Dräuender Kriegslist!

Gleich Scorpionen
Peinigten Caledon's
Feindliche Speere,
Jagten das Britenvolk
Fernhin zur Meerflut,
Die in's barbarische
Joch sie zurücktrieb.

Was frommt Britania's
Krone dir, Vortiger,
Ob auch der Freiheit
Eichlaub geschmückt sie,
Da Rom's Honorius
Abzog die Stahlfaust? –

»Wehe! das Meer schlingt,
Was nicht der Scote würgt!«
Also erklang der Schrei,
Hilfe beschwörend,
Zu der seekundigen
Sachsen und Angeln
Sieghaftem Stammvolk.

Wild klopfte das Herz, heißlechzend nach Ruhm
Den Sachsen vor Wonn' in der Brust gleich;
Aufbrachen sie rings; die Nordsee entlang
Erdröhnt' der gewaltige Heerbann!
Das Tauwerk schnurrt, das Segel es bauscht,
Hinfliegt der gewappnete Schiffszug:
Wie erglänzte so schwarz das springende Roß
Im Wappen der flatternden Banner;
Wie rauschte der Sang, überbrausend den Lärm
Der hochaufschäumenden Meerflut!

Im vordersten Schiff am bewimpelten Mast
Ragt mannhaft stolz auf die Schwerter gestützt
Ein heroisches Paar:
Ob Brüder sie schon durch die Bande des Bluts,
Doch verbrüderte mehr sie der Adel des Sinns
Und das Wohl ihres Volks; es spiegelt der Held,
Der Hengst sich im Ruhme des Horsa.

Kaum leuchtete jetzt an dem Inselgestad'
Das erlauchte Gestirn aus dem Kriegergewölk,
Als Vortiger's Mund, als Vortiger's Hand
Den Willkomm bot den Beherzten.
Die fragten nicht lang nach dem britischen Heer,
Die Begierde nach Kampf trieb vor sie in's Land:
»Bist du Picte, so komm! Bist du Scote, so ficht!«
Erscholl es vom Munde der Sachsen.

Wehklagen erhob der Sohn des Gebirgs,
Denn es sauste das Schwert manch schneidendes Lied;
Rechts schlug Horsa, links Hengst den Tact
Auf den blutenden Leibern der Scoten.
Ein Angriff noch – ein gewaltiger Schlag –
Aufging dem Lande die Sonne des Siegs,
Als die himmlische taucht' in die Fluten.

Und Vortiger schritt zu den Helden des Ruhms:
»Wie lohn' ich dir Hengst, wie Horsa dir
Mit Gaben, die würdig des Königs?«

Horsa schwieg ernst, doch Hengst trat vor,
Er stampfte sein Banner, das springende Roß,
In den Boden und sprach: »Mein König und Herr,
Dies Land hat Trift, – hier findet der Hengst
Behagliches Futter zum Weiden!«



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