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Die Jagd bei Weißenburg.

(1065)

Graf Ludwig sprach zu seinem Knecht:
»Sattle mir mein bestes Roß,
Wir wollen hinauf nach Weißenburg
In Pfalzgraf Friedrichs Schloß!« –

Und als sie kamen vor Weißenburg
Schwenkt Ludwig seinen Hut:
»Ich grüß' dich wunderholde Frau,
Dir treu mit Gut und Blut!«

Vom Fenster eilt Frau Adelheid
Hinab des Schlosses Pfad:
»Willkommen süßer Buhle mein,
Der Pfalzgraf ist im Bad!« –

»»Und stärkt der Pfalzgraf sich im Bad,
Nicht fürcht' ich seine Kraft!
Es fällt so gern ein Edelwild
Mein blanker Jägerschaft!««

Graf Ludwig küßt die schöne Frau
Und neigt sich liebestolz.
Die Meute bellt, das Hüfthorn schallt,
Es rauscht durchs grüne Holz.

Graf Ludwig küßt die schöne Frau:
»Muß es jetzt geschieden sein,
Erjag' ich doch zu guter Stund'
Mir heut das Herze dein!« –

Der Jagdlärm dringt hinauf in's Schloß,
Zum Herrn tritt Adelheid:
»Auf Friedrich! tausch' dein Badehemd
Stracks mit dem Waffenkleid!

»Im Forst gellt fremde Meute keck,
Verspottet all dein Recht;
Nimm Schwert und Speer und züchtige den,
Der sich des Raubs erfrecht!«

Der Pfalzgraf wirft sich auf sein Roß,
Sprengt durch der Brücke Thor;
Und wie er unter die Linden kommt,
Tritt Ludwig stolz hervor:

»Pfalzgraf von Sachsen, treff' ich euch?
Guten Tag und guten Weg!«
Der ruft ergrimmt: »Was schafft ihr hier
Im fremden Jagdgeheg?«

Der Andre spitz: »Beruhigt euch,
Schnallt fester euern Helm!«
Doch Jener: »Wer fremd Gut nicht ehrt,
Ist ärger denn ein Schelm!«

Drauf Ludwig: »Spritzt die Kröte Gift,
Hilft ein erprobtes Erz!«
Er sprichts und bohrt mit grimmer Wuth
Den Speer in Friedrichs Herz.

Dann gibt dem Roß er flugs den Sporn,
Und lenkt zurück aufs Schloß,
Wo wonnig ihn mit weißem Arm
Das sündige Weib umschloß.

»So Aug' in Aug' und Herz an Herz!
O! überselige Stund'!«
Die Gräfin küßt das süße Wort
Vom fluchbeladnen Mund.

»O Adelheid! – am kühlen Born
Unter Linden ruht er tief!« –
»»Weh mir,«« schreit wild die Gräfin auf,
Mein edler Herr entschlief!««

Sie ringt die weichen Hände wund,
Zerrauft ihr goldnes Haar,
An der verstellten Wimper hing
Manch falsche Thräne klar:

»Ihr Diener eilt, im grünen Hag
Liegt todt mein Ehgemahl! –
Mir bricht das Herz – nach Gosegk tragt
Ins Kloster ihn zu Thal!« –

Leis flüsterts auf der Weißenburg
In heimlicher Abendstund;
Der schnöden Wittwe Lippen küßt
Wild Ludwigs heißer Mund:

»Nun bist du mein mit Seel und Leib!
»Der uns getrennt – ist todt:
Nimm hin geliebtes schönes Weib,
Nimm hin dies Ringlein roth!«



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