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Die Hunnenschlacht bei Merseburg.

(933)

Heuschreckenwolken gleich,
Furchtbar gewaltig
Nahte die Heerflut
Blutlechzender Hunnen
Deutschlands Gefilden.
Von schnaubenden Hengsten
Schwirrten sie Pfeile;
Hui! hui! erbrauste
Dämonisch ihr Schlachtruf.
In Moor und Geklüfte
Flüchtete Hermanns
Bedrängtes Geschlecht sich.

Auf Leichen Erschlagener
Lagerte grinsend
Der ungrische Vampyr:
Wild kreiste der Becher
Rothschäumenden Blutes.

Weiber und Jungfraun
Knebelt die Mordfaust,
Bindet am wallenden
Blonden Gelock sie
Paarweis zusammen,
Würgt die erzitternden
Schuldlosen Kinder,
Zerschellt sie an Steinen.

Wie Heinrich der Kaiser
Mit ehernem Arme
Mannhaft dem Feind stand,
Wie Deutsche dem Hunnen
Tribut auch bewilligt:
Hohnfletschend doch kehrte
Nach Jahren der Wilde
Mit neuem Verderben.

Indessen erbaute
Gewaltige Wälle,
Heertrotzende Dämme
Der städtebegründende
Sorgende Kaiser.

Als drauf die Barbaren
Sich wiederum stellten,
Aufs neu den bedungenen
Schmachzins erheischten,
Aufstemmte sich Heinrich
Mit flammendem Blicke:
»Tribut wollt ihr Hunde?
So nehmt denn den alten,
Den räudigen Hund euch,
Bringt eurem Herrscher
Als Gruß ihn der Deutschen!«
Auflohte die Fackel
Unhemmbaren Krieges.

Anstürmten die Hunnen:
Von schnaubenden Hengsten
Schwirrten sie Pfeile;
Hui! hui! erbrauste
Dämonisch ihr Schlachtruf!
Doch stutzte der Führer
Gekniffenes Auge,
Als plötzlich gelenkig
Auf flüchtigem Streitroß
Der Sachse daherschoß
Und wuchtig sein Beil schwang!

O ungrische Woge,
Du brichst deine Sturmkraft
An felsigen Mauern!

Am Saalfluß bei Keuschberg
Klirrten des Blutkampfs
Eherne Würfel.
Im Lager der Deutschen
Erbrauste das alte
Tröstende Schlachtgebet
Von den unzählbar
Gerotteten Kriegern:

»Die weite Welt zu Land und Meer
Herzog Michael!
Kennt deine Schlachten hoch und hehr,
Herzog Michael!
So steh uns zur Seite,
So hilf uns im Streite
Herzog Michael!« –

Mitten ins brünstige
Christliche Beten
Mischt sich von drüben
Das wüste Gefluche
Heidnischer Kehlen.

Rings in der Runde
Flammende Klöster und
Rauchende Dörfer,
Lüsternen Hunnenvolks
Nächtige Fackeln.
Unmenschlicher Thaten
Furchtbares Würgen
Folgt auf der Ferse
Todathmender Feinde.

Schon weichen dem Ungar
Im hitzigen Treffen
Die Baiern und Franken –
Da flattert ein Helmbusch,
Weiß wie der Engel
Beschirmender Fittich,
Hoch durch die Schaaren,
Da blitzet ein Schwertstrahl
Muth in die Herzen;
Heinrich der Sachse
Führt seine Sachsen:
»Herr Gott! erbarm' dich,
Erbarme dich unser!«

Im Rücken umzingelt
Den jubelnden Feind er,
Zersprengt seine Flanken,
Jagt jach seine Reihen
Dem Tod in die Arme.
Wirr flüchten die Hunnen,
Sie lassen das Lager, –
Vom Sachsen getrieben
Löscht sich im Saalfluß
Ihr dürstender Haß.

Die Sonne geht nieder,
Und krönet mit siegreichem
Golde die Locken
Geretteter Deutschen!

Die Glocken des christlichen
Merseburgs rufen
Die jauchzenden Krieger
Zum schallenden Dom.
Wonneverkündend
Braust von dem Chore
»Herr Gott dich loben wir!«
Dankbar hernieder.

Am heiligen Altar
Kniete der Kaiser,
Glänzenden Auges
Blickt er zum Himmel:

»Gott! ich erkenne dich!
Läßt deine Deutschen
Nimmer und nimmer
Schmählich verderben.
Te deum laudamus!«



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