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Karl der Große und die Sachsen.

(772)

Verloren war den deutschen Stämmen der Freiheit wonnevolles Gut,
Der Sachse nur stand für ihr Banner bis auf den letzten Tropfen Blut:
Dem Franken trotzt er übermüthig, ob er ihm Wund' auf Wunde schlug,
Bis jener Riesengeist im Westen sich rüstete zum Rachezug.
Der Sachsen, der Westphalen Wälder durchbrüllte der gereizte Leu,
Vor keiner Felsburg faßt ihn Beben, vor keinem Heidengotte Scheu:
Das Schwert von Karl dem Großen siegte, hinstürzte, was sich ihm empört;
Die Eresburg zerfiel in Trümmer, die Irmensäule ward zerstört.

Noch trat der Held mit ehr'nem Fuße die Freiheit in Westphalens Gau'n,
Da rief der Longobarden Frevel ergrimmt ihn nach Italiens Au'n.
Auflohten rasch die Sachsenherzen wie Flammen, frisch genährt vom Wind,
Drein goß das Wunderöl des Muthes der Sachsenherzog Wittekind.
Karl kehrte flugs und schlug drei Schläge – gesprengt war das geschloßne Band:
Der Engern und Ostphalen Nacken beugt' sich vor seiner Eisenhand.
Nur Wittekind entrann dem Sieger, er flüchtete nach Dänemark, –
Neukräftig durch Normannenschwerter zog er zur Heimat hoffnungstark.

Und wieder kam's zu wilden Zügen, und wieder kam's zu blut'ger Schlacht,
Und wieder siegte Karl gewaltig und stürzte seines Feindes Macht.
Gehorsam schwur das Land der Weser nach manch verlornem Kampf und Streich,
Zu Lippspring saß der große Kaiser – und stille ward's im Sachsenreich.



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