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Friedrich des Streitbaren Ende.

(1428)

Als schwach der Kurfürst auf dem Lager lag
Und fühlte, daß sein Stündlein sei gekommen,
Berief er seine Kinder und empfahl
Zur treuen Obhut seinen Räthen sie;
Dann wandt' er sich den beiden Prinzen zu
Und sprach des Abschieds väterliche Worte:

»Geliebte Söhne, zu erhöhtem Leben
Geh aus der morschen Sterblichkeit ich bald.
Der schweren Zeit mit schwerem Herzen Euch
Jetzt überlassend, preis' ich dennoch Gott,
Denn Alles, was der Herr beschließt, ist gut.
Der Sorgen erste sei, dem Vaterland
Des goldnen Friedens Segen zu erhalten;
Und dazu frommt als Sonn' Euch Gottesfurcht,
Der brüderlichen Eintracht Hand und Herz
Und Eures wachen Aug's umsichtger Blick
Für's Wohl des Volks. –
Des Glaubens ernster Streit,
Den Böhmen's trotzige Hussiten drohn,
Erheischt erprobter Männer Wahl und Rath.
Hört Solche nicht, die ihre Seele feil
Mißgünst'gen Eigennutzes Geist erschließen,
Ihr Ohr der Ehrsucht Schmeichelstimme leihn.
Des Adels Willen fesselt Euch durch Huld.
Mit Bürden überlastet nicht das Volk,
Der Niedern Druck sei nicht des Zepters Stütze.
Der übeln That folg' ihr gerechter Lohn;
Doch wo das Grün der Beßrung schimmert, laßt
Der Gnade Wohlthat lenken Euern Sinn;
Nicht maßlos dauern soll der Fürsten Zorn.
Prüft mit dem Aug', eh Eure Hand sich eilt;
Befehle, trugbegünstigend, zeugen Fluch.
Greift zu den Waffen nicht bevor es Noth.
Seid Väter, nicht Tyrannen Eurem Volk,
Ein Wüthrich ist der Abscheu der Natur.

Gedenkt an Markgraf Friedrich, Euern Ahn,
Der mit drei Kaisern zwar in Fehde lag,
Doch nur um Land und Leute zu beschützen.
Wie viel auch unser Fürstenstamm geführt
Gezwungne Kriege, wenig frommten sie!
Doch wie muthwillig Kriegsgelüst sich rächt,
Hat Landgraf Albrecht warnend offenbart.

Drum nochmals mahn' ich Euch: In Eintracht lebt,
Seid Brüder Euch, nachgiebig und vergebend.
Und lauert Eurer schon der Feind – getrost!
Vereint steht Ihr ein ehern Bollwerk ihm.
Mein Friedrich! trage stets die erbende
Kurwürde so, daß werth Du bleibst dem Reich.
Du aber, Wilhelm, ehr' den ältern Bruder,
Das Ehren Seiner wird zur Ehre Dir.
Dies zu vollziehn, versprecht in meine Hand!« –

Der Kurfürst sprach's – die beiden Prinzen reichten
Mit Thränen ihre Hand dem Sterbenden. –
Die Thränen gingen auf als blutge Saat,
Was sie gelobt, zerstob wie Spreu im Wind:
Zwietracht zertrat des Vaters frommen Wunsch.



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