Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Heinrich in Versuchung.

(1539)

Es neigte Herzog Heinrichs frommer Sinn
Sich unverblümt zu Luthers Lehre hin,
Und offen sprach sein unbestochner Mund,
Er halt' es treu mit dem Schmalkaldner Bund.
Darob ihm oft Georg der Bärtge grollt,
Doch taubem Ohr nur seine Warnung zollt.

Bald fühlt Georg sein Lebensende nahn,
Und meint, er hab' im Glauben nichts gethan,
Wenn er des Bruders Seele nicht errettet,
Der Kirche Roms sie wieder fest verkettet.
Er sendet drum mit letztem Mahnungswort
Gesandte rasch an seinen Bruder fort,
Und daß der Blitzstrahl endlich möge zünden,
Läßt drohend er sein Testament ihm künden.

Kaum nähern sich Mitweida die Gesandten,
Als sie den Herzog auf der Straß' erkannten;
Im schlichten Wolfspelz mit gemessnem Gang
Lustwandelt er die grüne Flur entlang.
Kaum sieht er ihr bekanntes Hofgesicht,
So winkt er sie an seine Seite dicht:

»Wollt ihr zum Heinz, ihr Herrn? – er steht bereit,
Doch macht's hübsch kurz, denn kostbar ist die Zeit!«
Der Abgesandten Einer tritt hervor:
»Herzog Georg wünscht ein geneigtes Ohr!
Entworfen hat er jüngst sein Testament,
Drin er als einz'gen Erben euch ernennt:
Falls ihr nichts ändern wollt in Kirch' und Glauben,
Durch Neurung nicht das Glück des Volkes rauben.
Mit all den Schätzen, die sein Fleiß gespeichert,
Sei euer Haus und euer Stamm bereichert.
Wollt ihr dies nicht, so fällt des Herzogs Land
Samt Hab' und Gut an König Ferdinand.
Ist die Bedingung euch genehm, so sprecht,
Der Antwort harr' ich unterthänger Knecht!«

Der Herzog zieht die Stirn in Falten kraus,
Und streckt die rechte Hand abwendend aus:
»Ihr macht's ja wie der Teufel, der voll Schmach
Christo jedwedes Reich der Welt versprach,
Wann er sich beugt' und ihn anbeten würde –
Wißt denn ihr Herrn, Reichthum ist eine Bürde!
Ich achte deß nicht sehr; ihn zu erfassen
Nie würd' ich von erkannter Wahrheit lassen.
Geh lieber neben meiner Katharine
Aus diesem Lande mit zufriedner Miene,
Sei's auch im ärmsten Kleid, auf nackten Sohlen, –
Dies mein Bescheid und damit Gott befohlen!« –

Indeß sie feilschten um das Testament,
Verschied zu Dresden plötzlich der Regent.
Ganz unverkürzt in seinen Rechten stand
Heinrich der Herrscher nun im Sachsenland;
Der ließ, der neuen Lehre frommer Hort,
In allen Kirchen pred'gen Luthers Wort.



 << zurück weiter >>