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Friedrich der Weise,
erwählter deutscher Kaiser.

(1519)

Kaum ruht' im Sarge Kaiser Max,
So warben fremde Kronen stracks
Um Deutschlands Kaiserkrone:
Die Lilie Frankreichs strebt bedacht,
Hier Spaniens Karl, dort Englands Macht
Wetteifernd nach dem Throne.

Zu Frankfurt doch im hohen Saal
Verlacht der deutschen Fürsten Wahl
Die Stämme fremdgewachsen:
Von Mund zu Munde ging's und lief's
Und wie aus einem Herzen rief's:
»Die Krone sei dem Sachsen!« –

Friedrich der Weise hört das Wort,
Das ihn ernennt zum deutschen Hort,
Zum Herrn der höchsten Weihe;
Ehrwürde, Lieb' im Angesicht
Steht er vom Sessel auf und spricht
Zur wahlerprobten Reihe:

»Das Zepter in des Adlers Klau'n
Wollt ihr hochherzig mir vertraun,
Habt Dank für diese Würde:
Schwach ist mein Haupt, ergraut mein Haar,
Die Krone wäre mir fürwahr
Nur eine goldne Bürde!

»Ihr Fürsten! seid den Bienen gleich,
Wählt den zum Kaiser für das Reich,
Der sorgt und schafft ohn' Ende;
Ihm widmet dankbar sonder Ruhn,
Wie's Bienen ihrem Weisel thun,
Herzinnig Haupt und Hände!

»Ein feurig Herz, ein frischer Blick
Lenkt unverzagt des Reichs Geschick,
Läßt nicht vom Blitz sich blenden;
Den jungen Aar aus Oestreichs Haus,
Den Karl von Spanien wählet aus,
Ihm wollt die Krone spenden!« –

Stumm sahn die Fürsten lang sich an,
Dann brach der Beifallsturm sich Bahn
Und freudig scholl's im Kreise:
»Der Herrscher an dem deutschen Rhein,
Der fünfte Karl soll Kaiser sein,
Ein Friedrich will's, der Weise



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