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Der Adelacker bei Freiburg.

Gepanzert in Stahl bis ans bärtige Kinn
Sitzt Ludwig streng zu Gerichte,
Er weiß nur zu gut, wie den Bürger bedrängt
Der Hochmuth adliger Wichte.

Er weiß nur zu gut, wie im innersten Mark
Der Bauer vom Adel geknechtet,
Wie ihn selber verhöhnt die entsittete Schaar,
Als er drohend mit ihnen gerechtet.

Vorlud er drum heut ins freiburger Schloß
Die Horde der trotzigen Ritter;
Wild funkelt sein Aug', es donnert sein Mund
Herzzündender Worte Gewitter:

»Blutahndung verdient euer schimpfliches Thun,
Ich ließ' euch enthaupten zur Stunde,
Doch würde vielleicht mir der Vorwurf im Reich,
Mein Herzblatt richt' ich zu Grunde.

»Bestraft' ich mit Geld, so mahnt mich der Stolz,
Habsüchtig wär's und gemein nur;
Doch ließ' ich euch ziehn, vermeintet ihr wol,
Ich zürnt' euch für heute zum Schein nur.

»Demüthig im Schweiß bereut denn die Schmach,
Ist sonst euer Sinn noch erweichbar,
Behaglich nicht ist und süß nicht der Lohn,
Doch euern Verbrechen vergleichbar!« –

Der Landgraf sprachs und führte die Herrn
Hinaus auf verwilderten Acker,
Dort spannt er am Pflug sie im leinenen Hemd:
»Nun vorwärts und ritterlich wacker!«

Der Landgraf trieb sie die Furchen entlang
Mit der wuchtigen Peitsche zu Paaren,
Sie ächzten im Joch, wund knickten sie ein,
Schweißtriefend an Schultern und Haaren.

»Nun merkt euch, ihr Herrn, das freiburger Feld,
Beschimpft nicht den Bauer mit Hohne;
Denn Ludwig der Knab' ist ein eiserner Mann,
Er peitscht euch zu blutiger Frohne!«



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