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Ballast

Leute, die prüfen müssen, sind immer klüger als der Mann, von dem diese Geschichte handelt; sie geben solchen Leuten den Vorzug, die den größten Sack auf ihrem Rücken schleppen.

Es war nämlich einmal ein Mensch, der wollte einen jungen Burschen für sich auf eine weite Wanderung schicken. Da meldeten sich ihrer zwei.

Da sagte der Mann: »Einen brauche ich nur, nun laßt schauen, wer von euch der beste ist.«

Flugs drängte sich der eine vor und rief: »Herr, nimm mich! Ich trage einen großen Sack, darin ist alles, wonach Hunger und Durst verlangen, dazu noch ein Zelt und vielfache Kleidung und Waffen gegen alle Gefahren des Lebens.«

»Du scheinst gut vorgesorgt zu haben, das ist wirklich ein ganzer Haufen,« meinte der Mann. »Aber wo hast du deinen Sack?« wandte er sich an den zweiten.

»Solches Gepäck habe ich nicht,« erwiderte dieser mit heiterm Lächeln, »aber ich möchte dich bitten, einmal Bein und Brust, Herz und Auge zu prüfen.«

Das tat der Mann, und siehe! die Beine zeigten eiserne Muskeln, die Lungen hatten die Brust kräftig herausgewölbt, das Herz pochte feurig und rasch, und das Auge besaß den Blick des Falken.

»Das ist alles vortrefflich,« sprach der Mann, »aber wovon willst du denn unterwegs leben?«

»Das wird sich finden!« rief der Jüngling, »ich denke, das Wasser ist nicht selten auf der Erde, und an manchen Orten wird auch Brot gebacken.«

Da verglich der Mann noch einmal die beiden miteinander, und als er sah, wie der erste von seiner schweren Bürde beinahe zu Boden gedrückt ward, entschied er sich für den, der gar keinen Ballast trug. Plötzlich schoß ihm aber noch eins durch den Sinn.

»Guter Freund,« fragte er, »was wirst du aber tun, wenn du unterwegs durch eine Wüste mußt?«

Da bekam er zur Antwort: »Muß ich durch eine Wüste, dann gibt es ganz sicher auch ein Kamel, das mir hindurchhelfen wird.«

*


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