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Ein guter Helfer

Es hatte sich einer vorgenommen, den Drachen der Finsternis zu erschlagen. Der ist schon oft erlegt worden; aber von Zeit zu Zeit erzeugt er sich neu aus einer Saat, die wird nicht vom bösen Feind ausgestreut, sondern von solchen, die sich vom Licht der Welt erleuchtet glauben.

Sorgsam hatte sich der junge Streiter gerüstet, und nun verließ er sein Haus, um in den Kampf zu ziehen. Gedanken umbrandeten seine Seele. Da sah er auf einer Säule in der Vorhalle den Kopf des Mannes mit der Dornenkrone, und vor dem Sockel standen die Worte: »Ich will dein Helfer sein.« Als der Jüngling das las, überflog ein bitteres Lächeln sein Antlitz, und mit gewappneter Faust stieß er das Marmorbild herunter, daß es schallend auf dem Estrich zerbarst.

Dann suchte er den Drachen der Finsternis auf. Er lockte ihn aus seiner Höhle hervor, und es begann ein gewaltiges Ringen. Mit Zähnen und Klauen wollte das Untier ihn verderben, und dazu peitschte sein Schweif die Erde, daß der Staub aufstieg und ihm den Blick benahm. Auch er hatte dem Drachen durch die harte Haut hindurch manche Wunde geschlagen; aber zuletzt zerbrach sein Schwert, und der Schild ward ihm aus der Hand gerissen. Entsetzen faßte sein Herz, und jählings rief er: »Weh mir, ich verderbe!«

Und da kam es wie ein Wunder. Plötzlich stand ein starker Kämpe an seiner Seite, der war in graues Erz gehüllt. Sein Helmsturz war heruntergelassen; er brauchte keinen Schild, an der Seite trug er ein Schwert und in der rechten Hand einen wuchtigen Speer.

»Fasse mein Gewaffen,« sprach er mit ruhiger Stimme zu dem Jüngling, und nun führten die beiden vereint den Spieß gegen den Drachen der Finsternis und trafen ihn mitten ins Herz.«

Da atmete der müde Kämpfer tief auf; er reichte dem andern die Hand und sprach: »Habe Dank, mein Retter!«

Aber dieser erwiderte: »Ich brauche keinen Dank. Es war auch mein Beruf, gegen den Drachen der Finsternis zu kämpfen.«

Nun wollte der Jüngling wissen, wer sein Helfer sei, und bat ihn, den Helm zu öffnen, und bat so lange, bis er es tat. Da sah er in ein Antlitz, das war ruhig wie der Himmel, wenn die Sonne längst hinabgegangen ist, und hatte Augen so leuchtend wie die Sterne darin.

Der Jüngling sank in seine Knie und rief: »Du, du bist es, der mir geholfen hat?«

»Warum nicht?« sagte der andre, »ich brauchte nicht nur die Geißel, sondern auch das Schwert.«

Und damit war er verschwunden.

Der Jüngling eilte nach Hause, und sein Herz bebte ihm, als er die Vorhalle betrat. Er blickte nach der Säule, brennende Scham auf den Wangen, aber siehe da! das Gebilde stand wieder oben, und es war kein Riß daran zu entdecken.

*


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