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532. Die Prinzessin im Nobiskruger Holze.

Schlüsselbund: Nr. 538. Auch mitten im Grünholzer Holz in Schwansen hat vorzeiten ein großes Schloß gestanden; es ist im Moor versunken, wo noch »de depe Slunk« ist. Abends haben alte Leute dort oft eine Dame in schwarzem Kleide wandeln sehen. (Mündlich.) Vgl. Frahm 72 ff. – Zur Anm. Die Stelle aus Herrn Jürgens Predigt genauer Zs. f. schl.-holst. Gesch. 12, 170 f. (statt »mit Köhlen«: »mit Stöhlen«).

Jedermann, der einmal von Kiel nach Rendsburg gefahren ist, kennt den Nobiskrug, das letzte Wirtshaus vor der Festung. Da liegen zwei Gehölze dicht beieinander, eine Wiese trennt sie. Hier stand vor alten Zeiten ein großes Schloß, man will noch Spuren finden. Es versank endlich und sitzt jetzt unten im Grunde. In gewissen Nächten aber steigt daraus die Prinzessin hervor, angetan mit einem grünen Jagdkleide, ein großes Bund Schlüssel an der Seite. Sie wandelt dann über die Koppeln bis zu dem wilden Apfelbaum, der neben der Landstraße steht: in den setzt sie sich und klagt, weint und jammert. Manche haben sie da gesehen, aber niemand weiß, was ihr fehlt. Der Apfelbaum ist oft umgehauen, doch immer schlägt die Wurzel schnell wieder aus und jeden Sommer steht er voll Blüte, aber niemals trug er noch Früchte.

Man meint, die Prinzessin habe schon mehrere Male Leute mit in ihr Schloß genommen; sie sind niemals wiedergekommen; daher warnt man in Rendsburg gerne jeden, der zum Nobiskrug hinausspaziert, er möge auf seiner Hut sein, die Prinzessin möchte ihn einschließen.

Mündlich. – Über Nobis- oder Obiskrug (von abyssus, Abgrund, Hölle) Mythol. S. 953 f. Vgl. Kuhn, Märk. Sagen Nr. 19. 62. 110. Haupts Zeitschr. IV, 387. Am Nobistor, bei Altona an der Elbe auf Hamburger Gebiet, aber gerade an der Grenze, lag früher ein Nobiskrug. Schütze, Idiotik. III, 150. In der eben zu Nr. 499 angeführten Predigt heißt es von Jägern: »Nu vor wem scheten se und jagen se? Vör den översten. Wol is de överste? Dat is de Düwel selvest, de to Flensborg up dat Schlot ligt; vör ehm rittstu, vör ehm rennsttu, mit ehm fahrstu von hier bet na Nobis Krog, dar sik de witte Engel in kohlschwart verwandelt.« Die andre Abschrist hat: »Dar de Engelen mit Köhlen danzen, dar du denn ut Fründlichkeit dat Schrien nicht warst laten.« – Ein andrer verwandter, früher bei uns gebräuchlicher Ausdruck: »Na Hekelvelde varen«, d. h. zum Teufel, zum Blocksberg, ist Mythol. a. a. O. besprochen. Ebendaselbst auch (vgl. S. 1231) der Name Övelgönne. So heißt bei uns in Holstein ein adliges Gut bei Neustadt an der Ostsee, ein Ort bei Ottensen an der Elbe, mehrere Wiesen nördlich von Meldorf. Die Aussprache schwankt zwischen Övel und Övergünnen. Daher mag das Övergönne bei Cismar und das der süderdithmarschen Außendeiche hierher gezogen werden, obgleich andre Auffassung zulässig ist. Övelgönde (Evelgunde) heißt auch ein Meierhof auf Alfen.

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