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123. Die Romöer.

Die Romöer sind just nicht die Klügsten und man weiß allerlei von ihnen zu erzählen.

Einmal war's auf Röm Mode geworden, rote Jacken zu tragen. Nur ein Mann, ein armer Robbenschläger und Transchlucker, Paul Moders, hatte keine rote Jacke; er war aber ein Philosophus, und wenn einer ihn wegen seiner grauen Jacke fragte, so sagte er, daß er keine andre haben wolle. Aber die Nachbarn neckten ihn dann und meinten, er könne nur keine rote bekommen.

Nun kam in der Zeit den Romöern der Gedanke, ihre Kirche um zwei Ellen wenigstens zu versetzen. Das ganze Land nahm natürlich die Angelegenheit in Erwägung, weil sie da nur eine Kirche haben, und man stritt lange und heftig auf dem Thing. Da trat Paul Moders vor und sagte, die Kirche sei ja nur von wenigen Leuten gebaut; viele müßten sie also leicht von der Stelle bringen können. Alle Mann sollten sich also gegen die Nordseite stemmen, auf die Südseite aber zwei Ellen von der Mauer eine rote Jacke hinlegen, damit man nachher wüßte, ob die Kirche auch so weit geschoben sei. Allgemein billigte man den Vorschlag des Robbenklopfers, und alle Leute auf der Insel eilten an die Nordseite und schoben. Nicht lange, so kam Paul Moders um die Ecke und meldete, daß die Kirche stünde, wo sie stehen sollte und daß von der Jacke nichts mehr zu sehen wäre. Damit waren die Romöer wohl zufrieden und freuten sich, mit der schweren Arbeit so bald zu Ende zu sein; konnten es aber doch am nächsten Sonntage gar nicht recht begreifen, wie Paul Moders zu einer roten Jacke gekommen sei.

Durch Herrn Hansen auf Sylt.

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