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332. Von der Frau, die's Raten lernte.

Zs. f. s.-h. Gesch. 11, 233.

Ein reicher Mann hatte eine Frau lange bei sich in Arbeit. Da sie nun alt und schwach ward und nichts mehr verdienen konnte, riet er ihr einmal scherzweise sich aufs Raten zu legen. Sie antworte, das verstünde sie nicht. »Ei«, sagte der Herr, »sie kann ja nur sagen:

Hislepis,
Wenn't nich bêter ward. So blifft as't is.

Dabei muß sie Feuer schlagen und immer pusten.« Die Frau folgte dem Rate, und wenn jemand sich den Fuß verbrannt oder die Rose hatte oder ein böses Auge, ging sie hin und

Hislepis,
Wenn't nich bêter ward,
So blifft as't is,

half einmal, zweimal, dreimal und die Frau kam in Ruf. – Nun traf es sich, daß dem reichen Manne beim Fischessen eine Gräte einmal im Halse stecken blieb und auf keine Weise heraus zu bringen war. Da riet man ihm, doch die kluge Frau kommen zu lassen. Sie kam. Als sie aber hörte, was sie sollte, sagte sie: »Ach Gott, ich kann ja nichts weiter, als was der Herr selber mich gelehret hat.« Das hatte dieser längst vergessen und fragte, was es denn sei? »Ja«, antwortete sie, er wisse wohl: »Hislepis, wenn't nich bêter ward, so blifft as't is.« Darüber mußte der Herr heftig lachen und die Gräte flog ihm aus dem Hals.

Herr Dr. Klander in Plön.

*

 


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