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August Schnezler (1809–1853)

Schlanke Marie

Daß die Welt gar traurig bliebe ohne Liebe, das ist wahr,
Doch man war auch dann geborgen vor viel Sorgen, das ist klar!
Schlanke Marie, Schlange Marie, kaum daß ich dich nur erblickt,
Hast du böslich, unauflöslich mir das arme Herz umstrickt.

Äuglein hast du, schon von ferne wie zwei Sterne, wunderbar,
Doch ihr Scheinen bringt die meinen in die schrecklichste Gefahr.
Locken hast du wie von Sonnengold gesponnen offenbar;
Nach so goldnem Vliese führe gern die Argonautenschar.

Doch,wer glaubt es? Unter diesem goldnen Stirnenbaldachin
Tanzen Launen und Kaprizen unermüdlich her und hin.
Zünglein hast du, einem Pfeile gleich an Eile, das ist wahr,
Doch es sticht, und daß die Wunde nimmer heile, droht Gefahr;

Brüstlein gleich den Pfirsichblüten von dem feinsten Rot und Weiß,
Doch wers kann, der mag sich hüten, denn das Herzchen ist von Eis.
Schlanke Marie, Schlange Marie, die mein Herz nicht läßt mehr los –
Ach, daß Noah solche Boa einst in seinen Kasten schloß!


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