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Ida Roland

I.

1908. 17. März. »Mit dem Feuer spielen« von Strindberg  … Die Stärkste war ein schmächtiges Mädchen: Fräulein Ida Roland. Ganz eine junge Frau; mit allen subtilisierten seelischen Spinnfäden einer … halb sehnsüchtigen, halb süchtigen Konstitution, die in Wallung ist, ohne recht zufrieden zu sein … Alles leis; und noch in der Erregung wie tupfend, irrend. Ein Vordringen – und ein Zurückziehen schon im Vorstoß. Überraschend fein dargestellte Halbgefühle.

Sie macht sie teils mit den Händen (an einer Armlehne), teils mit der Stimme (durch Smorzando, Rallentando; vorzüglich; ungezwungen).

II.

Einmal dann, als die Möwe, von Tschechoff, gespielt wird:

Ida Roland fordert ein Verweilen; wegen der Schwierigkeit ihres Falls. Man dürfte bei einer häßlichen Person darüber nicht reden: wie häßlich sie auf dem Theater aussieht. Bei einer hübschen darf man es. Also: das liegt nicht bloß an der Beleuchtung. Es liegt auch am Gesichterschneiden. Ein höchst merkwürdiges Phänomen: die Dame sieht jetzt wie ein köstliches junges Mädchen aus, in der nächsten Minute wie ein vereidigter Makler.

Sie muß ihr Gesicht im Zaum halten.

Sie bleibt das stärkste Talent vom Nachwuchs dieser Jahre. Doch sie ist geschaffen … nicht für Pflanzenhaftes: sondern für Dialektik und Akzente.

Die Schwierigkeit des Falls ruht nur darin, daß sie trotzdem verhuschende Augenblicke von pflanzenhafter Art hat …

Wodurch dieser Mißstand zu heben ist, steht nicht fest. Fest steht nur ihre große Begabung. (1909. 15. April.)


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