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Johanne Dybwad

(Norwegerin)

I.

Ich mache nicht geographische Kritik; nicht völkische Kritik; nicht vetterliche Kritik.

Der Frau Dybwad ging es nicht gut. Mit Recht. Ich versuche darum nicht, eine Macherin, die schrecklich gern auf dem Theater blitzen möchte, sich danach abrackert und es durchaus nicht kann, hochzuheucheln. Mag sie schon fünfmal aus Nordland kommen. Das ist mir Wurscht. Nein. Entschuldigen Sie. Ich mache keine geographische Kritik; sondern irdische.

II.

Weil Fräulein Dybwad aus Norwegen kommt und nicht Theater spielen kann, darum das Nichtkönnen als ein Verdienst hinzustellen: es will mir nicht ein. Nicht ein will es mir. Und wenn sie nun doch mit aller Gewalt Theater spielen will, krampfig gern sprühen und leuchten will und das an ihrer parvenühaften Hölzernheit scheitert; ja, wenn sie nicht einmal versucht, »Tiefsinn« hinzulegen, was gewiß das Leichteste ist, so jemandem der Spiritus, der Atem auszugehn begonnen hat: item, so sag' ich vor einer Wenigkönnerin, sie könne wenig. Vor falschen Tönen, es seien falsche Töne. Vor etwas Verstellungsartigem, verstellungsartig sei es … Und stammte sie aus Island selber, man wär' kapabel und äußerte dies.

Soviel über jemanden, der nichts geleistet hat, als aus Norwegen zu sein.

III.

Die reine Freude an Frau Dybwad
Entzieht sich mir – ich hab' sie nicht.
Ich lauerte: Johanne, gib wat!
Doch allzu vieles gab sie nicht.

O schwer erlernte, kalte Sache.
Dickdeutlich, laut und wahrheitsfern.
Orchesterposen. Ein Gemache.
Ich-kann-es-nicht – und Möchte-gern.

Nur: um die Nase dämmert listig
Und wüst ein Zauber, schneeumtost.
Ihr Hauptfeld ist die Charaktristik
Des Schrecklichen  … Allein sie post.

Kalt schläfernd fällt mir auf die Nerven
Der Frost. Weiß nicht, wie mir geschah.
Ich muß erst einen Südwein schlärfen,
Um zu vergessen was ich sah.

1907. 5. Oktober.


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