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Kapitel 235

Robert zaudert. Helenas aneifernde Rede und nennt den Namen »Blum«. Erregung in der Truppe, der löst den Bann bei Robert; seine Rede an dieselben über sich und seine Mörder. Der Offizier berichtet eine Blumsage. Robert erzählt seine Erfahrungen im Jenseits und fordert sie zur Ablegung der Waffen auf

1 Robert etwas betroffen über solche Meine Zurechtweisung dankt Mir zwar recht inbrünstig dafür; aber er hat dennoch keinen rechten Mut, eher mit den vor uns stehenden Soldaten ein Gespräch anzuknüpfen, als bis sie ihm dazu einen Anlaß geben würden. Die Soldaten aber merken das, denn sie haben Meine Worte vernommen, die ihnen gefielen, und sind darum stille und warten, bis Robert sie angehen würde, und so schaut nun Robert die Soldaten an, und die Soldaten den Robert; kein Teil will die Offensive ergreifen.

2 Nach einer Weile tritt die schöne Helena, die stets voll der innigsten Liebe zu Mir ist, hervor und sagt zum Robert: »Aber lieber Robert! bist du ein Hasenfuß oder bist du keiner? Wie könnte ich aber auch nur eine Sekunde es auf den Vollzug des Willens des Herrn anstehen lassen? Schau, hätte der Herr mir so einen Auftrag gegeben, ich wäre damit schon lange zu Ende; du aber bringst erst eine lange Wurst von eitlen Entschuldigungen vor, obschon du weißt, daß der Herr niemals mit Sich handeln läßt und lassen kann, denn Sein mildestes Wort geht allezeit aus Seiner liebweisesten Ordnung hervor und muß erfüllt werden, ohne welche Erfüllung unmöglich je an ein Heil zu denken ist, wie es dir soeben der allgütigste Herr und Vater nur zu klar gezeigt hat. So du aber das aus dem Munde Gottes Selbst vernimmst, was zauderst du denn hernach, den allerheiligsten Willen in den Vollzug zu bringen? Rühre dich doch, daß die achtbare Truppe es merke, daß du ein Leben hast! Es wäre mir sonst wirklich zum Ärger, so einen Mann zu haben; denke bei solchen Gelegenheiten an den mutigsten Kado zurück, der selbst dem Satan seine Courage ganz kurios abgekauft hat. Damals hast du schon den schönen Dienst eines Schutzgeistes versehen, und nun hast du eine Trema (Zagen) vor dieser kaum hundert Mann zählenden Truppe! O das ziert den großen Namen Robert Blum wohl gar nicht.«

3 Als die Truppe den Namen »Blum« vernimmt, da tritt sie uns näher und sagt und fragt ganz barsch: »Was ist das für ein Blum? Doch nicht der große Staatsverbrecher, den der Fürst General von Windischgrätz hat erschießen lassen?«

4 Diese Frage entzündet den Robert, und er tritt sogleich ganz keck vor die Truppe hin und sagt mit einer sehr lauten Stimme: »Ja, derselbe Blum steht vor euch; aber nicht mehr sterblich, sondern ewig unsterblich! Robert Blum aber war nie ein Staatsverbrecher; das Zeugnis gibt mir der Herr, und das ganze Königreich Sachsen, und das ganze bessere Deutschland. Aber der General, der mich hier in Wien hat erschießen lassen, in seinem übertriebenen Hochmutseifer, ist wohl gar nicht lange darauf zu einem wirklichen Staatsverbrecher geworden. Nur sein alter hoher Adel und einige patriotische Vortaten haben ihn vor dem Kerker verwahrt. Wäre er nun kein Fürst Windischgrätz, so hätte er sein Vergehen in Ungarn gewiß auf eine härtere Art zu sühnen bekommen, als so. Tausende hier in Wien können mir das Zeugnis geben, daß ich am Ende, als Wien ohnehin schon so gut wie verloren war, allen abgeraten habe, sich fernerhin über die nur zu sichtliche Übermacht zu erheben; aber man schalt mich dafür einen Feigling; da ergriff ich wieder das Schwert und sprach: So ziehe denn mit mir, wer den sichern Tod nicht scheut. Ist das bei euch ein Staatsverbrechen? Redet und glaubet nicht, daß Robert Blum je ein Feigling war!«

5 Auf diese scharfe Rede Blums tritt der Offizier zu ihm hin, und sagt: »Mein Freund! es hat sich zu der Zeit des Jahres 1848 die Sage verbreitet, daß er nicht erschossen, sondern vom Fürsten heimlich in die Freiheit gesetzt wurde, und ein anderer Verbrecher in seinen Kleidern erschossen worden sei unter dem Namen Blum; er aber sei dann in fremden Kleidern mit strengster Weisung über Berlin und Hamburg für ewige Zeiten nach Amerika unter einem fremden Namen und zugleich rasiert und geschoren transportiert worden. Sein Wiedererscheinen in dieser Stadt gibt für mich der Vermutung Raum, daß an dieser Mythe etwas Wahres sei. Sage er mir genau, getreu und wahr wie sich sein wirkliches, unverkennbares Wiedererscheinen in dieser Stadt mit der ihm nun kund gegebenen Mythe verhält. Rede er mir aber die reine Wahrheit, sonst . . . . !«

6 Spricht Robert: »Freund! diese Mythe ist nichts als ein leeres Geplausch alter müßiger Weiber, besonders in Sachsen und Preußen. Ich bin so gut wie tausend andere im Angesichte von vielen Zuschauern, die mich gar wohl kannten, erschossen worden, worüber hoffentlich auch in ganz Europa und Amerika kein Zweifel mehr obwaltet. Das, was du nun aber hier vor dir siehst, ist kein irdisch Fleisch und Blut mehr, sondern das ist Robert Blums ewig lebender Geist, hier dazu von Gott dem Herrn berufen, wie du es ehedem selbst vernommen haben wirst, euch dahin zu belehren, daß auch ihr alle das seid, was ich nun bin, nämlich bloß unsterbliche Geister im großen Reiche der Ewigkeit.

7 Ich selbst konnte nach dem mir gewaltsam entrissenen Leibe lange nicht inne werden, ob ich wohl gestorben sei oder nicht. Lange umgab mich eine dichteste Finsternis; ich erinnere mich ihrer noch stets mit einem nicht unbedeutenden Grauen. Nur Gottes Allgüte und Erbarmung führte mich aus solcher Nacht zum heiligen Lichte alles Lebens empor, und ich ward erst in solchem Lichte inne, daß und wie so ganz eigentlich und sicherlichst ich gestorben bin.

8 Derselbe Herr und Gott ist seit derselben Zeit noch immer beinahe unverwandt bei mir; mehrere tausend von der Erde abgeschiedene Geister haben bei dieser meiner Gelegenheit und unter diesem heiligsten Panier die vollste Freiheit des ewigen Lebens erreicht. Viele bewohnen schon die allerfreiesten Staaten der Himmel Gottes, die wahrlich keine Chimäre sind, wie wir es auf der Erde leider gedacht und am Ende für wahr gehalten haben. Nur eine geringste Anzahl in der beständigen Gegenwart Gottes des Herrn ist vor dem vollen Eingange in die freiesten Himmel hierher nachgekommen, um allen Guten die Erlösung zu bringen und zu geben.

9 Die keineswegs geringe Gesellschaft, die ihr hier erschauet, sind schon lauter Erlöste dieser Stadt, in der manche, noch von irdischem Wahne belebt, schon einige hunderte von Jahren traurig und elend genug zugebracht haben. Durch die alles durchleuchtende Kraft des göttlichen Wortes sind sie ihres Irrwahnes inne geworden, haben das wahre Licht des Lebens erkannt und sind dann freiwillig durch ihre eigene Überzeugung gedrungen Dem gefolgt, Der allein ein Herr alles Lebens ist von Ewigkeit.

10 Tuet ihr desgleichen; denn auf der Erde, die ihr noch zu bewohnen wähnet, ist ewig kein Heil mehr für euch. Glaubet es mir; ich würde es euch sicher nicht sagen, wenn es nicht also wäre. Leget ab eure Waffen! Ihr werdet in der Art keine mehr gebrauchen, denn in alle ewigen Zukünfte wird allein des Herrn Name euere mächtigste Waffe sein. Brüder! bedenket euch kurz und folget mir! ich habe euch die vollste Wahrheit gezeigt.«


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