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Des Ritters von Gerhausen Schwur.

1828

Der Ritter von Gerhausen
Liegt unter einem Stein,
Ein Meister hieb mit Grausen
Darauf sein Bildnis ein.
Von Ottern und von Schlangen
Zeigt es den Leib umstrickt,
Ganz mit Gewürm behangen,
Wie man ihn einst erblickt.

Ihm folgte solche Strafe
Hinab ins finstre Grab,
Weil er dem ew'gen Schlafe
Sich nicht in Gott ergab.
Sonst dämpft die letzte Stunde
Den kecksten Übermut,
Ihm tobt im innern Grunde
Die wilde Lebenswut.

Als vor sein Lager tretend
Der Priester sich geneigt,
Dem Sterbenden leis betend
Sein Kruzifix gezeigt:
Den Herrn, der auferstanden,
Betrachtet er mit Neid,
Er schrie: »Aus Todes Banden
Hast du dich selbst befreit!

»Mich lässest du verderben
Und spottest meiner Not?
Ich will, ich will nicht sterben,
Ich streite mit dem Tod!
Und wenn sie mich getragen
Hinaus zur schnöden Ruh':
Ich schwör's, in dreien Tagen
Da steh' ich auf, wie du!«

Und kaum ließ er ihn tönen,
Den lästerlichen Schwur,
Als schon mit kurzem Stöhnen
Die grimme Seel' entfuhr.
Da konnte keiner weinen,
Sie rüsteten die Gruft,
Es senkten ihn die Seinen
Hinab in Moderluft.

Doch sieh, am dritten Tage
Da schwankt der Kirche Rund,
Mit einem Donnerschlage
Fährt nieder es zum Grund,
Es hüllt in Qualm und Brodem
Der Chor sich plötzlich ein,
Und wie von Gottes Odem
Wälzt sich vom Grab der Stein.

Hat er den Tod geschlagen,
Kommt atmend aus dem Grab?
Es schaut das Volk mit Zagen
In seinen Schlund hinab.
O schrecklich Wunderzeichen,
O Leichnam, drin es gärt!
Leib, mehr denn andre Leichen
Vom Tod halbaufgezehrt!

An dem Gerippe hingen
Die Schlangen wie am Nest,
Und hielten, als mit Schlingen,
Es an die Grube fest.
Der wird nicht auferstehen,
Am jüngsten Tage nicht!
Der wird zu Staub verwehen –
So' hält der Herr Gericht.

Mit Mühe schnell sie huben,
Auf legten sie den Stein,
Was sie geschauet, gruben
Sie zum Gedächtnis ein.
Noch sieht man drauf mit Grausen
Des Leichenbildes Spur:
Den Ritter von Gerhausen,
Der zu erstehen schwur.


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