Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Lied in der Mark.

1815

Schad ist's um den blauen Himmel,
Schad ist's um den Sonnenschein,
Schad ums lustige Gewimmel
Wohnungsloser Vögelein!
Sonn und Luft hat kein Ergötzen,
Scheint und weht auf öden Sand,
Vogel kann sich nirgends setzen,
Weil kein Schattenbaum im Land!

Nur um eines ist's nicht schade,
Eines mag ich gerne sehn:
Wenn behend auf Sandespfade
Zwei der zärtsten Füßchen gehn;
Wenn begrüßen mich zwei Augen,
Rein und hell, nordhimmelblau,
Draus sich läßt mehr Wonne saugen
Als aus Wald und Blumenau.

Wunderschöne nordsche Blume,
Aus der kalten Mark erblüht,
Dir allein zu Trost und Ruhme
Sonne noch und Himmel glüht;
Auf das öde Land zu blicken
Kann sie nimmermehr gereun,
Darf nur sie dir Lichter schicken,
Darf nur er dir Lüfte weihn.

Möge dir der Herr behüten
Deines Hauptes Lockenlaub,
Deiner Wang und Augen Blüten,
Deiner Wimpern Blumenstaub,
Deiner Lippen süße Früchte,
Deinen Wuchs, du schlankes Reis!
Wenn ich von dir sing und dichte,
Grünt der Sand und blüht das Eis.


 << zurück weiter >>