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Der Burgbau.

1827

»Auf, Meister, auf und baue mir
Ein festes, hohes Haus;
Nicht braucht's zu sein des Landes Zier,
Es sei des Landes Graus!

Wo an der Wanderstraße hart
Ein Hügel heimlich lauscht,
Von finsterem Gebüsch umstarrt,
Vom trüben Bach umrauscht:

Dort tret' es vor des Fremdlings Blick
Wie ein Gespenst hervor,
Und keinen send' es mehr zurück,
Den je verschlang sein Thor.

Aus kleinen Augen tückisch soll
Es spähen in das Thal,
Rundum ein Graben, Wassers voll,
Und Brück' und Thüre schmal.

Und Türme hoch und Mauern dicht,
Und Scheun' und Keller weit;
Man stürm' es nicht, man zwing' es nicht,
Es trotze Welt und Zeit!

Und weh des Maules stillem Zug
Den Bergespfad hinan,
Und weh dem Knechte hinterm Pflug
Und seiner Stiere Bahn!

Und weh dem Wild, und weh dem Holz
In meines Nächsten Wald! –
Sprich, willst du bau'n ein Haus so stolz,
So gräßlich von Gestalt?«

Mit Schweigen hört der Meister zu
Und spricht: »Ich führ's hinaus,
Ich bau' es fest, habt gute Ruh!
Doch sagt, wie heißt das Haus?«

Da lacht der Ritter grimm und reckt
Die Hand aus übers Land:
»Mein Haus, das alles zwingt und schreckt,
Schadburg es sei genannt!«

Und wie der Greis das Wort vernahm,
Er rief: »Daß Gott erbarm!«
Der Zorn ihm in das Auge kam
Und in den alten Arm;

Und schwingt sein Beil und fährt herein
Dem Herrn durch Helm und Haupt:
»Geleget ist der erste Stein,
Jetzt schadet, mordet, raubt!«

Das war des ersten Zwingherrn Tod
Im edlen Schweizerland;
Seit half ihm Gott aus aller Not
Durch seiner Männer Hand.


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