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Romanzen, Balladen, Legenden.


Der Todesklang.

1814

Es steht an Finnlands Grenzen
Ein festes Schloß erbaut,
Das in des Mondes Glänzen
Weit über die Lande schaut.

Zu Füßen ihm in Eile
Schießt bodenlos ein Fluß,
Mau hört auf eine Meile
Fernher den rauschenden Gruß.

Dort ist seit alten Tagen
Oft schon in stiller Nacht
Ein Klingen, ein süßes Klagen
Hellmahnend aufgewacht.

Wem gilt es wieder heute?
Es ist ein mächtiger Troß,
Der Hauptmann und seine Leute,
Gekommen als Wach' aufs Schloß.

Der Hauptmann in dem Saale
Liegt schon im halben Schlaf,
Geküßt vom Mondenstrahle,
Ein schöner, schwedischer Graf.

»Wer drunten musizieret
Und spielt so schöne Stück'?
Wer mir zu Ehren rühret
So holde Feldmusik?«

Die Tön', ach! die dich laden,
Spielt einer, den du nicht kennst:
Ich seh's wohl tauchen und baden
Im Flusse, das Gespenst.

»Es tragen mich die Laute
Auf Flügeln ins Schwedenland,
Dort sitzt die Liebe, die Traute,
Was stützt sie sich auf die Hand?«

Sie möchte wohl sitzen in Thränen,
Wär ihr dein Los bekannt;
Du fliegest auf diesen Tönen
In ein gar ander Land!

Im Schlafe schon spricht der Knabe:
»Nun, glaub ich, schlummr' ich ein.
Mir träumt, ich läg im Grabe,
Ich zög in Himmel ein!«

Ach Träumen ist es nimmer,
Du junger Schwedengraf!
Dein Haupt im Mondenschimmer
Neigt sich zum ewigen Schlaf.

Der Geist taucht unter in Schweigen,
Er hat sein Werk vollbracht;
Die Wellen fallen und steigen,
Der Fluß rauscht durch die Nacht.


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