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Mit Flemmings Gedichten.

An einen Kritiker.

1820

Sollt es auch kein Dichter sein,
Ist's doch eine Sängerkehle,
Die aus frischer, voller Seele
Sang ein Lied, nicht ohne Fehle,
Doch vom Staub der Erde rein.

Was die Welt noch Ewges hegt:
Freundschaft, steter Treue Siegel,
Liebe, bessrer Zukunft Spiegel,
Mannes Pfad durch Haft und Riegel –
Davon ist sein Herz bewegt.

Wandernd in das ferne Land,
Konnt er singen, immer singen,
Ließ durch kalte Steppen dringen,
Ließ in dumpfer Hitze klingen
Jeden Trost, den er empfand.

Schüttelt uns das Leben kalt,
Drückt es uns mit seinen Gluten,
Will uns langer Pfad entmuten,
Alt und neue Wunde bluten:
Hier ist Balsam mannigfalt.

Lust im Glück und Heil im Schmerz!
Solch ein Sang ist nie verloren;
Sprödes Kosten laß den Thoren,
Saug ihn ein mit offnen Ohren,
Laß ihn strömen in das Herz!


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