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Der Gefangene.

Der Schauplatz des Gedichts ist die Burg Freienstein in der ehemaligen Grafschaft Kyburg (Kanton Zürich), die Zeit das Jahr 1443.

1827

»Es gilt dem armen, gefangnen Mann!
Wir helfen ihm aus Fessel und Bann!«
So ruft vor dem getürmten Schloß
Des hellen, wilden Haufens Troß.

Sie werfen den Feuerbrand ins Haus,
Sie treiben den alten Ritter aus,
Sie hauen zusammen Herrn und Gesind
Und brechen in Küch' und Keller geschwind.

Sie halten unter die Fässer den Mund
Und trinken sie aus bis auf den Grund,
Und schnarchen über dem Herrentisch;
Am dritten Morgen erstehen sie frisch.

»Wo ist der arme, gefangne Mann,
Daß er sich mit uns freuen kann!
Hervor, du guter Bruder, hervor;
Wir sprengen dir dein Eisenthor.«

Da lag er drunten längst erstickt
Vom Feuer, dran sie sich erquickt;
Verschmachtet lag er in Schutt und Rauch,
Es leckt' an ihm der Flamme Hauch.

Sie aber schickten sich zu ziehn,
Sie ließen liegen und modern ihn.
Laut sangen die satten, trunkenen Knecht':
»Wir haben den armen Mann gerächt!«


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