Arno Holz
Dafnis
Arno Holz

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Er singt ihr ein Morgen-
Ständgen.

Ode Jambica.

       

Vorüber ist die schwartze Nacht /
die bundte Flora wihder lacht /
der Döbber lokkt sein Weibgen;
schon schafft sich mancher Schmetterling
an manchem süssen Bluhmen-Ding
ein loses Zeit-verdreibgen.
Cupido badet / auch schon wach /
im silbernen Forellen-Bach
sein Kugel-rundes Leibgen.

Von zahrtem Kummer hold geblagt /
hab ich gewartet / biß es dagt /
zu dir bün ich geschlichen;
ümbsonst so such ich / wehrtes Kind /
bey dihsem frühen Morgen-Wind
nach Rohsen / die dir glichen.
Aurora / die den Tau gesprängkt /
der noch an allen Püschen hängkt /
ist lengst im Ost verblichen.

Du warst die gantze letzte Zeit
voll ohngemeiner Härtigkeit /
trutz deiner siebzehn Jährgen.
Noch niemahls hieltestu mir Stich /
drey Dage fast schon qwähl ich mich /
waß wären wir for Pärgen!
Ich gläub / der Lemmel / der Markolff /
der nechst dir übern Zaun verholff /
der draut mir nicht ein Härgen! –

Verschlossen schweigt dein Kabinett /
drin ligstu still-vergnügt im Bett /
derweil ich mich hihr harme.
Ach / künt ich doch itzt mit dir sehn
der beyden Hügel stultzes Blehn /
darzu die blancken Arme!
Es ist fast würklich hihr noch kalt /
drümb offne mir den Fenster-Spalt /
darmit ich mich erwarme!


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