Arno Holz
Dafnis
Arno Holz

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Er belauscht die Venerem
mitsambt däme
Matrio.

Ode Jambo-Trochaica.

                 

Wie so lihb ists auff der Welt
unter einem Baum-Gezelt /
wenn man wihder sich entpeltzt
mitten unter Bluhmen weltzt!

Horch / wie sich die kleinen Bihnen
embsig ihrer Zeit bedihnen!
Ihr klug sechs-geekktes Hauß
somsen sie so eyn-wie auß.

Der bemooste Sommer-Wald
kraust sich wihder wohl-gestalt /
Wikken wrikken kwer-feldeyn /
reuch blohß / wie sie lihblich seyn!

Schwanck auff wanckem / ranckem Reisgen
bluhstert sich ein kekkes Zeisgen;
wie seyn Schäbelgen ihm blizzt /
daß es schon zum Pfeiffen spizzt!

Zweene / so sich itzt derwischen /
wollen sich durchauß vermischen /
Gänßgens zuppt der Gänserich /
alles lihbt und duppelt sich.

Wo die rosa Pfirsche stehn /
lässt sich Venus nakklicht sehn.
Amor / das vertrakkte Schizzgen /
zihlt ihr grad ins Pudel-Mizzgen!

Bäkkgens / Oehrgens / Kinn und Mund /
alles glützt an ihr wie rund /
ihre Schultern / ihre Waden
sind mit Helffen-Bein beladen!

Ihrer Öpffel-blancken Brüste
Wunder-schönes Schau-Gerüste
hat sie sälbst und mit Bedacht
sich auß Liljen-Milch gemacht!

Ihre glatt-gewölbten Weichen
lassen sich mit nichts vorgleichen!
Ach / und wie erst füllt mit Glükk
vollends dich ihr Achter-Stück!

Mars / der ohngeschlachte Hund /
naht sich ihr vom Hindter-Grund;
schreyend hupfft so auff alß nihder
das verbuhlte Lufft-Gefihder!

Ihre himmlisch bralle Brust
bebt und zittret schon für Lust /
süsser Schrekkniß steht sie voll /
waß mit ihr geschehen soll!

Himlich pflökkt er und verholen
Tulpen / Jeßmen und Violen;
gleichsamb seyner sälbst beraubt
zirkelt er sie ihr ümbs Haupt!

Ihre Wundrens-würdge Länge
bringt ihn selig ins Gedränge!
Wie sie kikkert! Wie sie lacht!
Wie sie ihm Karäßgens macht!

Ihre Bietzgins / ihr Bopo /
alles an ihr macht ihn fro /
blinckert / flinckert her- und hin /
ach / ihr lihben Eugelchin!

Himmel / nein! wie er sich zihrt /
gantz in sie veramoriert!
Weyl schon alles bey ihm stimmt!
Weyl ihm schon das Pfeiffgen glimmt!

Fäßt verstrikkt in ihre Haare /
ihre mehr alß göldne Waare /
wird er bey-nah fast zu kühn;
ihrer Beyder Bakken blühn!

Huy / nuhn hat er was entdekkt /
waß ihm mehr wie Zokker schmekkt!
Huy / nun helt ihm seyne Hand
den gelihbten Gegenstand!

Kaum so kann sie sich noch wehren /
kann das Fleisch das Fleisch entpehren?
Kaum so stößt sie noch zurükk
jen so offt besungnes Glükk! –

Mein Gott / waß ist denn daß?
Blumps / bortzelt sie ins Graß!
Itzt hat er waß ersehn!
Es ist ümb ihn geschehn!

Schon schlingt sich Bein ümb Bein /
o angenähme Pein!
Zwey rohte Wollust-Rohsen
erschließen ihm ihr Gosen!

Ümb ihre Wollen-weichen Flancken
siht man verlihbt den Lemmel rancken /
und unterdessen grahst seyn Gaul
durch Finger-Huht und Löwen-Maul!

Fast steht man wie betäubt /
ist sowaß hihr verläubt?
Sie läßt ihn nicht mehr lohß
auß ihrem Rohsen-Schooß!

Sie schluchzt / ach du / ach du /
sie lässt ihm alles zu /
sie haucht / mon cher enfant /
j'espère / vous êtes content
?

In solchen Pärlin-Ketten /
wer möchte sich nicht betten?
O Zokker-sühßer Tod /
wann endet deine Noht?

Der Meißgens Zizizi /
der Lärchen Dirili /
der Döbber Hin- und Her /
sie höhren gahrnichts mehr!

Ihr Sinn ist ohne Sinn /
sie kälbren / dalbren / dahlen;
Apell / wirff deinen Pinsel hin
und wegre dich / es ab-zumahlen!


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