Arno Holz
Dafnis
Arno Holz

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Sein Qwodlibet geföllt
ihr so außdermahßen / daß er ihr
sofort noch-eins drillert.

Qwodlibet.

       

Neptun / den grünen Greiß /
ümbzwänckt sein Hauß auß Eyß /
itzt sizzt es sich so rächt geheuer
ümb unser lihbes Schornstein-Feuer!
Durch den nichts alß blancken Frost
klirrt der Eurische Nord-Ost /
in den krauß befrohrnen Scheiben
siht man kleine Blühmckens kleiben.

Mars / der nicht mehr drummt und pfeifft /
durch den dikken Dannicht streifft /
Hirsche / Wölffe / Bären / Lüxe /
knallt sich seine Kugel-Büxe.
Venus / mit bereifften Hahren /
sinnt itzt nur auffs Schlitten-Fahren.
Kömbt er Abends froh nach Hauß /
ziht sie ihm den Harnisch auß /
Hasel-Hühner / Löffel-Kraut
stehn schon vor ihn auff-gebaut
und zu einem Gläsgen Wein
Sauer-Kohl mit Pflükk-Hächt dreyn.
Beyde Brüste nakkt und blohß /
sizzt sie sich auff seinen Schooß;
alles ist ihm frey gestellt /
sälbst ihr göldnes Rohsen-Zelt!

Volcan / vergnügt in seinem Rauch /
läßt sich die beyden lihben
und stopfft sich seinen schwartzen Bauch
fäst voll Gänse-Grihben.
Saturnus / der Kalender-Macher /
saufft sihben Eymer Bacharacher.
Drauff so rukken beyde dicht
in das göldne Lampen-Licht
und zu einer Pfeiff Thobakk
spihlen sie dan Dikke-Dakk.

Unterdeß pfaucht immer gröber
Eolus / der alte Schufft /
durch die dikk begraute Lufft
zirculirt ein Schnee-Gestöber.
Puh Teuffel / fegt das kolt!
Ich acht / ein guht Glaß Wein
sampt einer Braht-Worst sollt
ihm angenehm itzt seyn!
Mercur in seinem Laden
verkäufft blohß Honig-Fladen.
Mit Hertzgens gantz auß Kuchen
macht er die Kindgens juchen /
mit Prillekens und Prindten
stopfft er sie voll biß Hindten.
Mit Obst und Confectüren
kan er sie durchauß rühren;
Knakk-Mandeln und Morsöllen –
er weiß schon / waß sie wöllen!
heimlich streichen zu ihm hin
auch die kleinen Jüngffrichin.
Sie sind for Feffergens und Würtzgens /
sie knuppen gerne Nonnen-Fürtzgens /
sie sind mit wenig Worten
for angemachte Torten.
Pallas / das gelährte Kind /
drükkt die Ofen-Banck und spinnt.
Jeden Morgen kombt sie nider /
denn sie tichtet – Mayen-Lider!

Bringstu mir schon Späkk und Worst /
bringstu mir schon Schincken?
Mein / waß blagt mich for ein Dorst /
schaff mir auch zu drincken!
Lilgen / Tulipen und Klee
däkkt jetzt Elen-tieffer Schnee /
darbey ohne Warm-Bier seyn
wäre for mir Hellen-Pein!

Bachus / du in deinem Flauß
sihst wie ein Zintz-Hahn auß /
weil deine Nase itzt
nichts als Rubinen schwizzt!
Erst itzt erfreut dich gantz
die lihbe Nohä-Pflantz /
in deinem Sauff-Hauß sizztu da /
ronda di nellula! –
Nirgends mehr ein Weg hingeht /
alles ist fästzu geweht /
und man hört für seinem Singen
kaum noch / wie die Schlittgens klingen.

Juhch Hoscha Holl /
itzt bün ich voll!
Itzt kan ich kaum von deinen Knieen
die schwache Hand zurukk mehr zihen!
Deine außerlesne Jugend /
deine ohngemeine Dugend /
dein wie Spihgel-glattes Kinn
nehmen mich mir sälbst dahin!

Schon so sizzen wir verschränckt /
in einander ein-gehänckt /
schon so bün ich gantz vergnügt /
weil dein Mund sich meinem fügt.
Kleine / schnell versezzte Küsse
sind die schönsten Pompernüsse;
nicht zu wenig / nicht zu vihl /
Lihben ist kein Poppcken-Spihl.
Dihser war dir ein Genuß /
bitte nun den Gegen-Kuß.
Ey / botz Klekk / war daß ein Schmäzzgen!
Du verlihbtes Löffel-Käzzgen!

Dorillgen / laß itzt das Spinett /
uns wird zu wohl / wir gehn zu Bett.


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