Arno Holz
Dafnis
Arno Holz

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Er durchsaufft mit seinen
Gesöllen die gantze Nacht
im blauen Oriflanten.

Qwodlibet.

         

Printz Hesper kam gegangen /
sein Silber spihlt im Kolck;
lengst traumt auff seinen Stangen
das prawe Hühner-Volck.
In den geschwärtzten Gassen
geht Licht an Lichtgen auff;
daß Zweene sich ümbfassen /
ist itzt der Welt ihr Lauff.
Das faule Fiamettgen
begibt sich schon zur Ruh /
erst kükkt es unters Bettgen /
dan mümmelt es sich zu.
Nur wir / die gantz Entbrannten /
sind noch so ranck wie risch /
im blauen Oriflanten
dröhnt unser Runda-Disch!

Bachus / wer sich dir verpflicht /
blazzt nicht an der Wasser-Gicht!
Lüderlich mit Espagnol
stopfft er sich die Nase voll /
Schwamm und Schimmel Finger-dikk
zihren ihm sein Bücher-Rikk!
Dein Burdeau
mach uns froh!
Soll er dir verkellern?
Blizzen laß
Glaß an Glaß
zwischen Kuchen-Dellern!
Fast so sind uns deine Weine
Bläncker alß Cytherens Beine!
Wer sich deiner nie beflissen /
wird bespukkt und rauß geschmissen!

Pallas / altes Schrekk-Gestell /
du ligst uns im Magen!
Dein mit Staub bepudert Fell
schafft uns nicht Behagen!
Dein Kleid auß violettem Dafft
ist würcklich schon waß mangel-hafft!
Zwar deinem Scheddel fehlts an Grüzze /
doch däkkt ihn eine Zobel-Müzze /
darfor so hänckt dir ohngelogen
dein Rükken wie ein Fidel-Bogen!
Alles schlampt dir schon verqwarckt –
sizz dich auff den Kräutter-Marckt!

Titan bläst auff seinem Rohr
blohß noch denen Lämmgens vor /
weil sein Hertz zu jeder Zeit
Dafne / Dafne / Dafne schreyt!
Nichts vergleicht er an Gewalt
ihrer himmlischen Gestalt;
gleich so ist er hin für Glükk /
siht er blohß ihr Achter-Stück!
Lengst verdreusst uns sein Gebrülle
über ihre Busen-Fülle;
for die Waden vihl zu kortz
ist ihr kleiner Schäffer-Schortz!
Ob sie / wan sie an ihn dänckt /
würcklich ihm ein Zährgen schänckt?
Schafft ein Zwiebelgen uns ran /
daß man ihn beweinen kan!

Mars / der vor blohß Kugeln spieh /
ward zum Alamodo-Vieh.
Seine Zokker-Zunge schläkkt
nur noch waß nach Franckreich schmäkkt!
Die Stieffelgens auß feinstem Jochten /
die Hahre durch und durch verflochten /
das Mäntelgen auß steiffstem Sammt –
kaum Troja sälbst hat so geflammt!
Morgends schon um halber Vier
sizzt der Lemmel beym Bolbier /
dan so sucht er nachts biß speht /
wo der Weg durch Mäntschen geht.
Basilille / alte Kuh /
plinck ihm nicht verstohlen zu!
Sein Fläschgen ist schon fast wie leer
und die Dinte fleusst kaum mehr!

Volcan / rauch an Hahren /
läßt donndrend einen fahren;
er blihb / zu sehr gesund /
der alte grohbe Hund!
Den lezzten Deut verkehrt der Zwikkel
zu Mett-Worst und zu Bompour-nikkel
und stellt for Malvasir
ein sehr gutt Zerbster-Bier!
Blanck bezihren hundret Reste
seine Uhr-Großvatter Weste /
darzu so speyt er Thobakks-Safft /
solches ist jo ekkel-hafft!

Venus / seine lihbe Frau /
kännen wir fast zu genau /
die durch alle Gassen rennt /
weil sie wie ein Stroh-Wisch brennt!
Offt schon hat sie ohngenirt
uns das Canapee bezihrt;
daß ihre Ründungen nicht treugen /
läßt sie sich jeden überzeugen.
Wie schön / daß Sowaß heut der Mann
schon for zween Gröschen haben kan!

Cupido / Vettergin /
wirff deinen Bogen hin /
weil nichts nicht dihse Nacht
uns dir zintz-bahr macht!
In kein Kleidgen ohne Schleiffen
werden wir biß morgends greiffen;
Fillis kan uns nicht bekräncken /
wenn wir unsre Gläser schwäncken!
Rhein-Wein blohß und Mosel
schleifft uns ran die Rosel /
nach der Väter Weise
drincken wir im Kreise!
Sälbst der geulste Hottendott
kippt itzt einen Bergamott /
er brächt dan / ziht er zihmlich kühn /
nicht erst den Medicum bemühn.
Friß! Schling!
Sauff! Sing!
Sizz dich zu uns / kleines Männgen /
statt deß Zolps wähl dir ein Känngen!


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