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8.

Scheidewasser.

Sie wußte nicht, wie lange sie bewußtlos dagelegen hatte. Kühles Wasser benetzte ihre Stirn und brachte die entschwundenen Sinne zurück. Als Ellen aber die Augen aufschlug, schloß sie dieselben schnell wieder, denn ihr Blick hatte ein entsetzliches, schaudererregendes Gesicht gestreift. Es gehörte dem Manne, welchen sie schon einmal in der Hütte des Fallenstellers gesehen hatte.

Ellen blieb bewegungslos liegen. Eine angenehme Schwäche hielt ihre Gedanken umfangen und hinderte sie, an ihr letztes Unglück zu denken. Soviel nur wußte sie, daß sie aus diesem Zustande der Lethargie nicht erwachen durfte, wollte sie nicht vom Wahnsinn befallen werden. Dieser Zustand ist der Trost des Kranken; er macht den Schmerz nicht fühlbar, ist aber doch von diesem erzeugt, von körperlichem oder geistigem.

Eine feuchtkalte Hand ergriff die ihrige; sie fühlte den Druck unförmlicher, geschwollener Finger. Die Berührung brachte sie zum Bewußtsein.

»Rühre mich nicht an, Ungeheuer!« schrie Ellen entsetzt, richtete sich halb auf und drückte sich in eine Ecke.

Sie sah, daß sie nicht geträumt hatte.

Vor ihr stand wirklich jene gräßliche Erscheinung mit dem haarlosen Kopfe voller Beulen, dessen Häßlichkeit der Besitzer nicht zu verdecken suchte.

Ihr Blick fiel auf die am Boden zerstreut liegenden Papierstückchen, sie erinnerte sich an das, was passiert war. Doch sie erschrak nicht mehr, entweder war der Schmerz zu groß oder die Nachricht des Geliebten, seine treulose Handlung unter dem Mantel der Liebe vermochte keinen Schreck in ihr zu erzeugen.

Jetzt fürchtete sie sich nur noch vor diesem Manne; sie beobachtete ängstlich jede seiner Bewegungen.

»Nun, Ellen, mein Täubchen!« krächzte es aus dem zahnlosen Munde. »Wie steht es? Ich komme, um dich aus dem dunklen Kerker zu holen.«

»Verlaß mich!« rief Ellen. »Mein Weg aus dieser Zelle führt in den Tod.«

»Du irrst! Ich komme nicht, um dich als Schlachtopfer auszuliefern, ich komme, dich zu befreien. Doch einige Bedingungen knüpfen sich daran.«

»Ich gehe auf nichts ein. Weiche von mir, und laß mich hier in Frieden sterben!«

»Oho,« grinsten die dicken, blauen Lippen. »Denkst du schon ans Sterben? Sieh mich an, erscheine ich dir nicht wie ein lichtstrahlender Engel, der dir, wie seiner Zeit dem gefangenen Petrus, die Pforten des Kerkers öffnet?«

»Du wagst noch, mit deinem Unglück zu spotten, Mensch? Daran erkenne ich, daß Gott dich nicht ungerecht so gestraft hat. Er hat dich gerechterweise mit Krankheit geschlagen. Geh, ich kann dich nicht bedauern, deine Seele gleicht deinem Körper.«

Der Mann zuckte mit den Fingern.

»Weißt du, wer vor dir steht?« krächzte er.

»Ein Ungeheuer an Leib und Seele.«

»Eduard Flexan.«

Ellen hatte nicht mehr die Kraft, spöttisch zu lachen. Mit starren Augen musterte sie die Erscheinung.

»Nicht möglich,« hauchte sie dann.

»Ich bin Eduard Flexan, dein Vetter.«

Ellen wandte den Kopf zur Seite.

»Wenn du nicht wahnsinnig bist, so bist du ein Lügner,« entgegnete sie. »Ich kenne Eduard Flexan und weiß auch, wo er ist. Er ist da, wo es kein Entrinnen mehr gibt.«

»Er ist tot, meinst du?« lachte er heiser. »Nein, er war auf der Felseninsel, auf welcher auch die Vestalinnen mit dir sich einige Wochen aufgehalten haben. Habt ihr die Insel nicht verlassen können? So bin auch ich von dem Eiland gekommen. In Hoffmanns Quecksilberkammer allerdings hat Eduard Flexan seine Schönheit eingebüßt.«

»So gehe hin, woher du gekommen bist! Für uns beide ist der größte Raum zu eng. Hast du mir schon früher jeden Ort durch deine Anwesenheit verleidet, selbst mein eigenes Haus, so verpestest du mir jetzt auch hier die Luft.«

Ellen zweifelte nicht mehr, daß wirklich Eduard Flexan vor ihr stand – es war alles möglich. Sie hatte dies schon oft genug erfahren.

»Du spottest über mich,« fuhr Flexan wütend auf. »Weib, ich kann dich wie eine Kröte zermalmen!«

»Tue es! Ich würde dir dankbar sein.«

»Das möchtest du wohl, doch so schnell geht das nicht. Zu meinen Füßen sollst du noch liegen, diese meine Hand lecken und mich um Erbarmen betteln.«

Jetzt mußte Ellen doch lachen.

»Du glaubst mir nicht? Ich werde es dir zeigen.«

»Nur zu.«

»Hoffst du noch auf Harrlington? O, wenn du wüßtest, wo er jetzt ist.« –

»Im Kerker, wie ich.«

»Er ist frei!«

»Ich glaub's nicht.«

»So höre denn, wo er ist: In diesem Augenblicke liegt er in Miß Morgans Armen!« rief Flexan mit teuflischer Schadenfreude. »Die, welche er schon einmal geliebt, hat er wiedergefunden. Hahaha, es wurde ihm nicht schwer, zwischen Miß Morgan und dem Feuertode zu wählen. Auf der einen Seite sah er die Pfannen mit glühenden Kohlen stehen, auf der anderen Miß Morgan. Er hat nicht lange mit seiner Wahl gezögert.«

Langsam hatte sich Ellen vom Boden erhoben, jetzt lehnte sie mit geballten Fäusten an der Wand. Stürmisch rang der Busen nach Atem; es dauerte lange, ehe sie eine Entgegnung fand.

Sie sprach erst ganz leise, aber immer mehr schwoll ihre Stimme, bis sie wie Donner in Flexans Ohren hallte:

»Meint ihr, ich würde noch länger eueren Lügen glauben? Denkst du, ich wüßte nicht, daß auch jener Brief da, der zerrissen am Boden liegt, gefälscht ist? Lord James Harrlington soll aus Furcht vor dem Tode meiner entsagen? Haha, das erzählt jemand anderem. Ich durchschaue dein und Miß Morgans Lügengewebe vollkommen. Wie kann Harrlington nur eine Sekunde zwischen mir und jener schwanken! Ebensowenig zögert er, in den Tod zu gehen, ehe er mich dadurch rettet, daß er Miß Morgan die Seine nennt. Heuchler ihr, Lügner, Schurken, die ihr nicht wert seid, daß euch die Sonne bescheint, weswegen ihr euch auch wie giftige Schlangen in finstere Winkel versteckt, aus denen hervor ihr euer Gift spritzt! Bei Gott, ekelte ich mich nicht davor, dich zu berühren, ich würde dir Verruchten eine andere Antwort geben. Doch du bist schon als Abschaum der Menschheit gekennzeichnet, ein anderes Mal in deinem Gesicht ist nicht nötig. Verlaß mich, und willst du an mir deine Rache kühlen, so tue es bald, foltere und martere mich, rufe Miß Morgan als Zuschauerin herbei, dann kann ich, während ich sterbe, ihr immer und immer wieder zurufen, daß James mir gehört, und das soll meinen Tod, selbst auf dem Scheiterhaufen, schmerzlos machen und versüßen. Höre und sage es jenem elenden Weibe: Nie wird Harrlington von mir lassen; und würden ihm, ans Kreuz geheftet, alle Schätze und Freuden der Welt geboten, er würde nicht vom Marterpfahl herabsteigen, wenn ich ihm nicht meine Arme entgegenstreckte. Und von mir, von Ellen Petersen, gilt dasselbe; er oder der Tod, eine andere Wahl gibt es nicht. Ich bin die Seine, und Feuer und Wasser, Himmel und Hölle sollen mich nicht von ihm trennen. Gehe hin, Scheusal, von Gott Verfluchter, und sage es!«

Erschöpft sank Ellen zurück. Sie hatte ebensowenig wie der vor Wut bebende Flexan gemerkt, daß sich die Tür geöffnet und eine Gestalt hereingetreten war.

»Sind das die Liebesworte, Eduard, die du mit der Sehnsucht deines Herzens wechseln wolltest?« ließ sich Miß Morgans spöttische Stimme vernehmen.

»Auch das noch!« murmelte Ellen bitter.

»Ja, auch das noch,« fuhr Sarah fort, »ich habe wohl gehört, wie freundlich Sie von mir gesprochen haben. Allein die scharfsinnige Kommandantin der ›Vesta‹ hat sich auch diesmal, wie schon so häufig, getäuscht. Lord Harrlington zieht die Freiheit und mich einer platonischen Liebe vor.«

»Weib, du lügst!« stammelte Ellen.

»Sie werden nachher aus seinem eigenen Munde, verstehen Sie mich recht, aus seinem eigenen Munde vernehmen, daß er mir die Treue, die er mir einst geschworen, zu halten gewillt ist. Haben Sie noch nie gemerkt, daß James wankelmütig ist? Sie haben ihm vorhin zwar ein sehr gutes, aber unwahres Zeugnis ausgestellt. Ich glaube gern, daß er Ihnen oftmals Liebe geschworen hat, besonders in letzter Zeit, aber ich habe ältere Ansprüche auf ihn, als Sie. Wir haben nicht nur Schwüre gewechselt und Küsse getauscht. Liebte ich ihn nicht wirklich, ich hätte doch bereits das Recht, mich Lady Harrlington zu nennen.«

»Dirne!«

»Zische nur! Dein Geifer fällt schadlos zur Erde. Mir kann er nichts anhaben.«

»Und du versuchst vergeblich, mir das Herz zu zerfleischen. Ich zweifle nicht an Lord Harrlington.«

»So? Er wird es dir dann selbst sagen.«

»Ein jedes Wort, ein jeder Hauch aus deinem Munde enthält eine Lüge.«

»Glaubst du auch ihm nicht?«

»Wenn er so zu mir spricht, so ist es nicht James, sondern ein anderer.«

»Wohl!« lachte Miß Morgan, den Sinn der Worte verdrehend. »Lord Harrlington ist durch dein kaltes Wesens deinen Hochmut abgestoßen. Hier aber schlägt ein Herz, an dem er sich erwärmen kann. Seit wir uns ausgesprochen haben, ist er allerdings ein anderer geworden. Noch vor einer Stunde hat er mir selbst gestanden, er könne nicht begreifen, wie er von deiner frostigen Kälte auch nur einen Augenblick angezogen werden konnte, und wir besiegelten unseren Bund von neuem. Ja, starre mich nur entsetzt an, Ellen! Konnte nichts dir geraubt werden, weder Geld und Gut, noch das Leben, deinen Geliebten habe ich dir doch entführt! Weine, Ellen, jammere, raufe dir das Haar! Unglückliche, ich habe den Sieg davongetragen, ich triumphiere über dich!«

Diese Worte waren mit solcher Freudigkeit und so siegesgewiß gerufen worden, daß selbst Ellen an die Wahrheit derselben zu glauben begann. Ihr Antlitz war totenbleich, ihr Körper zitterte wie Espenlaub.

Einer Antwort war sie unfähig.

Jetzt hielt Miß Morgan die Zeit für gekommen, zugunsten Flexans ein Wort zu reden. Dieser spielte eine sehr traurige Rolle, um so mehr, als Miß Morgan, um Ellen noch mehr zur Verzweiflung zu bringen, mit seiner unmenschlichen Häßlichkeit Spott trieb.

»Noch ist Ihr Schicksal nicht so schlimm, wie Sie glauben, Miß Petersen,« nahm sie in ruhigem Tone wieder das Wort. »Ich will offen mit Ihnen sprechen: Ich hasse Sie, mein höchster Wunsch ist, Sie zu töten, und es läge jetzt auch vollkommen in meiner Macht, ihn auszuführen. Ich brauchte nur einige Tage zu warten, denn der Tod ist sowieso Ihr Los. Ich könnte ihn abwenden, tue es aber nicht, weil ich nicht gegen meine Natur handeln kann. Doch hier steht ein Mann, der Ihnen schon oft seine Freundschaft angeboten hat, die Sie aber stets in beleidigender Weise zurückgewiesen haben. Jetzt kommt er noch einmal.«

»Wer ist es?« fragte Ellen.

»Er sagte Ihnen die Wahrheit, er ist Ihr Vetter Eduard Flexan, dessen Gestalt durch Hoffmanns frevelhafte Behandlung etwas gelitten hat. Diesem Teufel aber soll es vergolten werden.«

»Er hat recht gehandelt,« sagte Ellen. »Zu einer häßlichen Seele gehört auch eine abscheuliche Gestalt.«

Flexan wollte auffahren, doch Miß Morgan hielt ihn am Arme zurück.

»Sprechen Sie nicht so von ihm!« fuhr Sarah fort. »Er ist der einzige Freund, den Sie jetzt noch besitzen. Zählen Sie vor allen Dingen nicht mehr auf Lord Harrlington, er gehört mir jetzt mit Leib und Seele, er denkt bereits gar nicht mehr an Sie.«

Ellen bewegte die Lippen, schwieg aber.

»Kurz gefragt: wollen Sie Ihre Freiheit Eduard Flexan zu verdanken haben?«

Fast schien es, als ob Ellen geneigt wäre, auf den Vorschlag einzugehen, sie ließ die Blicke von einem zum andern wandern und antwortete dann:

»Unter welchen Bedingungen?«

»Sie wissen doch, daß Flexan Sie früher geliebt hat.«

»Ich weiß es.«

»Nun, er liebt Sie jetzt noch ebenso stark.«

Ellen zuckte zusammen. So kalt sich Sarah auch stellte, und so sehr sie das höhnische Lächeln verbergen wollte, ihrer Feindin entging es doch nicht.

»Reichen Sie Flexan die Hand,« sagte Miß Morgan weiter, »und er wird Sie aus diesem finsteren Kerker in die Welt, ins Sonnenlicht zurückführen. Sie brauchen kein verächtliches Gesicht zu machen, Miß Petersen; mit dem Handreichen meinte ich nicht gleich den Bund vor dem Altar, sondern nur ein Zeichen der Einwilligung. Wie Sie es später halten wollen, weiß ich nicht, das geht mich auch nichts an, ich will Sie nur für immer von meinen Kreisen fern wissen. Heiraten Sie oder heiraten Sie ihn nicht, wie Sie wollen; ich weiß nicht, wie Mister Flexan darüber denkt.«

Sarah sah den Mann an ihrer Seite an. Flexan blickte mit zusammengekniffenen Augen auf den Boden, er fühlte wohl den Spott, der in ihren Worten lag, zugleich war aber in seinem Herzen ein Hoffnungsstrahl aufgegangen.

»Ich lese aus Flexans Augen,« fuhr Sarah mit bitterer Ironie fort, »daß er anders, als Sie, denkt, und da ich nun einmal begonnen habe, für ihn die Heiratsvermittlerin zu spielen, will ich auch weiter zu seinen Gunsten sprechen. So schön, wie er früher gewesen, ist er nun freilich nicht mehr, aber immerhin ist er doch noch ein Mensch, der sich in Gesellschaft blicken lassen kann, ja, sogar Aufsehen erregen wird. Und vor allen Dingen glaube ich, daß er einen vorzüglichen Ehemann abgeben wird. Frei von Eifersucht dürfen Sie sein, Miß Petersen, es ist schwerlich –«

»Halten Sie ein mit Spott,« unterbrach Ellen die Sprecherin entrüstet, »oder meinen Sie, Sie ergötzen mich mit solchen Worten? Es sieht Ihnen allerdings vollkommen ähnlich, mit einem Unglücklichen Spott zu treiben. Ich kann wohl einen solchen Menschen verabscheuen, nicht aber über ihn spotten.«

»Hörst du, Eduard? Sie verabscheut dich,« wandte sich Miß Morgan an diesen.

»Ich weiß es,« murmelte Flexan, und laut sagte er dann: »Ellen, willst du mir folgen? Ich bringe dich in die Freiheit.«

»Und der Preis dafür?«

»Deine Liebe.«

Ellen konnte nicht anders, sie mußte lachen, aber es war das Lachen der Verzweiflung. Auf solche Weise also konnte sie sich das Leben erkaufen.

»Du lachst,« zischte Flexans heisere Stimme. »Was bleibt dir denn noch übrig? Wähle zwischen mir und dem Tode.«

»Der Tod ist mir tausendmal lieber als du, dessen Charakter noch häßlicher ist als der Körper.«

»Verfluchtes Weib,« knirschte Flexan. »Hüte dich, daß du nicht auch noch so mißgestaltet wirst, wie ich! Es könnte die Zeit kommen, daß sich Harrlington mit Grausen von dir wendet.«

»Nie!« rief Ellen. »Was mit meinem Aeußeren auch geschähe, James liebt meine Seele.«

»Er liebt deine schöne Gestalt.«

»Wohl, ich bin glücklich, daß ich ihm gefalle.«

»Sarah, das Fläschchen,« zischte Flexan, und seine ausgestreckten Hände zitterten.

Miß Morgan trat einen Schritt auf Ellen zu.

»So verschmähst du diesen Mann?«

Ellen lachte.

»Verschmähen? Soll ich ihn etwa lieben? Der barbarischste Neger, der mißgestaltetste Zwerg wäre mir lieber, wenn seine Gesinnung nur eine edle ist. Ich hasse dieses Scheusal, mehr als zuvor.«

»Das Fläschchen, Sarah, das Fläschchen,« wiederholte Flexan, der seine Wut nicht mehr bemeistern konnte.

»Hoffst du noch immer auf Harrlington, Törin?« höhnte Miß Morgan. »Laß dir's doch gesagt sein! Er denkt nicht mehr an dich, und sollten doch Erinnerungen in ihm auftauchen, so sorge ich dafür, daß sie im Keime erstickt werden. Ich gehe jetzt, doch bald komme ich wieder. Von weitem sollst du mich in seinen Armen liegen sehen. Weißt du, was er von mir denkt? Er empfing einen Brief von dir, von mir mit deiner Handschrift abgeschrieben, er glaubt, du seiest mit Scheidewasser begossen worden, ich habe es bestätigt und nicht vergessen, dein von Gift zerfressenes Gesicht recht anschaulich zu beschreiben. Er hat sich entsetzt, er will dich nicht mehr sehen, aber doch werde ich ihn dich erblicken lassen. Adieu, Ellen, mein Gemahl erwartet mich, er schmachtet nach meinen Küssen.«

Lachend wollte sich Sarah umwenden; ihr Vorrat an Gift war verspritzt, es war ihr unmöglich, Ellens Herz noch mehr zu verwunden.

Doch auch mit deren Selbstbeherrschung war es vorüber. Der Glaube an Harrlingtons Treue stand bei ihr wieder felsenfest. Unsagbare Entrüstung gegen diese Geschöpfe überkam sie.

Mit einem Sprunge stand sie vor dem Weibe.

»Elende Dirne, schamlose Lügnerin!«

Auf Sarahs Wange fiel ein klatschender Schlag, der sie an die Wand der engen Zelle warf.

Ein unartikulierter Schrei, dem Gebrüll des verwundeten Wolfes gleich, entrang sich der Kehle der Geschlagenen. Blitzschnell fuhr die Hand in die Tasche. Sie hatte ein entkorktes Fläschchen in der Hand und spritzte dessen Inhalt in Ellens Gesicht.

»Dies für den Schlag!« keuchte sie. »Bleibst du am Leben, so sollst du die Häßlichkeit selber sein. Und ich will dafür sorgen, daß du am Leben bleibst.«

Schon war die Tür auf; sie drängte Flexan hinaus, und der Kerker schloß sich wieder. Drinnen stand Ellen bewegungslos da, die Hände vor dem Gesicht.

»Es ist geschehen,« flüsterte Miß Morgan zu ihrem Begleiter. »Eduard, du bist gerächt, und ich bin die Nebenbuhlerin los, Himmel und Hölle, ich hab's getan und bereue es nicht! Blind und häßlich, von Brandwunden entstellt, hahaha, so weiß sich Sarah Morgan an ihrer Nebenbuhlerin zu rächen.«

Das Weib eilte davon, Flexan stehen lassend.

Doch schon nach wenigen Schritten hemmte sie den Fuß und legte das Ohr an die Wand. Die Mauer ließ ganz schwach den Schall von Schritten durchtönen.

Der Indianer, welcher hier wachte, glaubte, sie wolle die Tür geöffnet haben, er näherte sich ihr, doch sie schüttelte den Kopf, eilte weiter und stieg eine Treppe empor, welche sie in den nächsthöheren Korridor brachte.

An der Innenseite der Mauer befanden sich, wie schon erwähnt, große Scharten, durch welche man in die einzelnen Zellen hinunterspähen konnte. Hier befanden sich die untersten Löcher, aber sie waren noch viel zu hoch, als daß man sie von unten mit der Hand hätte erreichen können.

Durch eine dieser Scharten beugte sich Miß Morgan und blickte hinab in den schwach erleuchteten Raum.

»Lord Harrlington!«

Der unten stehende Mann hob den Kopf und sah, zwei Meter über sich, das Gesicht derer, die er einst im Drange der Leidenschaft umfangen hatte und jetzt verachtete.

Harrlingtons Züge waren ernst, aber durchaus nicht traurig. Eine unbeugsame Energie war darin zu lesen. Wären Sarahs Augen nicht von Liebe verblendet gewesen, sie hätte dies erkennen und wissen müssen, daß hier all ihr Bemühen fruchtlos bleiben würde. Aber sie wollte es nicht glauben, noch hoffte sie, Harrlington zwingen zu können, ihr wieder in Liebe zu begegnen.

»Kommen Sie, um mir neue Lügen zu erzählen? Eitle Bemühungen!« entgegnete der Lord.

»Sie glauben mir nicht, daß Ellen von ihrem alten Liebhaber mit Scheidewasser begossen wurde? Es ist doch so, so leid es mir tut. Ich habe mich eben selbst davon überzeugt. Sie sieht entsetzlich aus.«

Auf Harrlington blieben diese Worte ohne Wirkung.

»Wer war der Verruchte?«

»Der Mann, den Sie in der Hütte des Fallenstellers sahen.«

»Den Gott schon so hart gezüchtigt hat? So möge ihm seine Untat in der Ewigkeit vergolten werden; auf Erden ist er schon gestraft genug! Ein Liebhaber Ellens, sagen Sie? Sie dichten die unglaublichsten Sachen zusammen.«

»Es ist Eduard Flexan, der im Quecksilberlaboratorium von Kapitän Hoffmann Gift in den Körper aufgenommen hat.«

»So? Ich bedauere ihn nicht.«

»Lord Harrlington, Sie haben ein grausames Herz.«

»Durchaus nicht, doch meine Feinde kann ich nicht lieben.«

»So lieben Sie Ihre Freunde!«

Der Lord lachte bitter.

»Wo sind diese?«

»Hier,« sagte Sarah leise.

»Sie?« entgegnete Harrlington verächtlich. »Gerade Sie sind es ja, welche mir die Freunde und die Freude am Leben zu rauben sucht.«

»James,« fuhr Sarah mit bebender Stimme fort, »bei Gott, du irrst dich in mir. Nur aus Liebe zu dir habe ich dies alles getan. Die Liebe ist mächtiger als alle anderen Gefühle, deshalb bin ich zu entschuldigen. Gönne mir nur ein gutes Wort, und die Türen deines Kerkers öffnen sich, du bist frei.«

»Deine Liebe ist unrein, ich verschmähe sie.«

»Ich will nicht dein Weib werden, laß mich nur deine Geliebte sein! Kannst du eine größere Demütigung von mir verlangen?«

»Es gelingt dir nicht, mich zu verführen, Schlange! Ich verachte dich aus tiefstem Grunde meines Herzens.«

»Verachte mich, aber herze mich! Ich will deine Sklavin sein,« flehte Sarah.

»Nimmermehr! Ellen ist die, nach welcher ich mich sehne. Mein Herz gehört nur ihr.«

»Sie liebt dich nichts schon hat sie, um ihr Leben zu retten, sich dem Willen Flexans gefügt.«

»Du lügst! Sie liebt mich doch und stirbt lieber, als daß sie einem anderen folgt.«

»Ellen ist deiner nicht wert. Ich schwöre dir, sie hat dich verleugnet. Flexan hat sie, um sie für eine Beleidigung wegen seiner Häßlichkeit zu züchtigen, mit Scheidewasser Übergossen. Nun ist sie blind und häßlich, entsetzlich entstellt, aber Flexan hat doch sein Ziel erreicht. Ihre Kraft ist gebrochen, sie folgt Flexan, ihm an Häßlichkeit gleich.«

Harrlington stöhnte wie ein verwundetes Raubtier auf.

»Und ist Ellen blind und entstellt, meine Liebe gehört ihr doch für immer. Hörst du's, Teufelin?«

Sarahs Stimme klang nicht mehr demütig, sondern höhnisch und herausfordernd, als sie sagte:

»Du könntest Ellen auch lieben, wenn ihre Augenhöhlen ausgebrannt und ihre Züge von Säure zerfressen wären?«

»Ich würde sie nur um so mehr lieben und keine Sekunde zögern, sie zu meinem Weibe zu machen.«

»Törichter Narr!« lachte Sarah hinab.

Harrlington war klüger, als Ellen; er verschmähte, auf beleidigende Worte Antwort zu geben. Mit verschränkten Armen lehnte er an der Wand.

»Willst du deine Braut mit dem schönen Gesicht sehen?« spottete das Weib weiter.

»Nein.«

Sarah biß sich auf die Lippen. Sie war diesem Manne gegenüber machtlos. Mit Ellen hatte sie leichteres Spiel gehabt.

»James,« begann sie wieder mit schmeichelnder Stimme.

Keine Antwort.

»James, zwinge mich nicht zum Aeußersten!«

»Tue es.«

»Gönne mir ein Wort der Liebe!«

»Dirne!«

Sarah bekam dasselbe Wort zu hören, mit dem Ellen sie benannt. Ihr Blut wallte auf.

»Du verschmähst mich und meine Liebe?« zischte sie. »Wohlan, noch habe ich Mittel, dich zu zwingen! Wir sprechen uns wieder, Lord Harrlington, vergiß das nicht!«

Sarah zog sich zurück; ihr Kopf brannte in Fieberhitze, der wogende Busen wollte das enge Kleid zersprengen.

Lange stand sie so da, nach Ruhe ringend; sie drückte die Hände auf den Busen, sie konnte ihn nicht besänftigen noch Herr der Röte werden, die ihr Gesicht, Nacken und Hals überzog.

Sie hatte sich wie eine Dirne erniedrigt.

Und doch hätte sie, wenn sie gekonnt, alle Schätze der Welt dafür gegeben, um Harrlington zu gewinnen, einmal um seiner selbst willen, und dann, um Ellen demütigen zu können. Als sie dieser vorhin gesagt, sie sollte sie, Sarah, im Arme Harrlingtons sehen, hatte sie zwar nur eine Hoffnung ausgesprochen, aber diese beschäftigte sie Tag und Nacht so stark, daß sie manchmal auf die fixe Idee kam, die Hoffnung wäre schon zur Wirklichkeit geworden oder müsse es bald werden. Hoffen und Harren macht manchen zum Narren, sagt das deutsche Sprichwort.

Jetzt aber wurde es Sarah klar, daß sie nichts erreicht hatte, daß sie noch ebensoweit vom Ziele entfernt war, wie vor einem Jahre. Sie brauchte sich keinen Illusionen hinzugeben, James liebte sie nicht, ja, er verachtete sie sogar.

Sie stampfe heftig mit dem Fuße.

»Und er muß doch mein werden« knirschte sie, »und könnte ich ihn erst sterbend umarmen! Er hat die Todespein noch nicht kennen gelernt, er soll sie kosten, und,« fügte sie langsam mit teuflischem Gesichtsausdruck hinzu, »Ellen sterben sehen, durch seine Schuld. Ja,« schrie sie auf, »er selbst soll sie martern, ohne seinen Willen, aber er soll willenlos die Ursache dazu sein. O, ich kenne diese Mittel, wie man so etwas macht. Flexan, bah! Dieser lebende Tote, dem alles genommen worden ist, nur seine sinnlose Leidenschaft nicht, muß mir dazu behilflich sein.«

Sie erinnerte sich an Ellen, und wie sie die Unglückliche zugerichtet hatte. Die teuflischste Schadenfreude spiegelte sich auf ihrem Antlitz wider.

»Ich will mich wenigstens an ihrer Häßlichkeit ergötzen,« murmelte sie. »Ihr entstelltes Gesicht wird wie Balsam auf meine Wunden wirken.«

Sie eilte durch den Korridor und stieß, als sie um eine Ecke bog, mit Flexan zusammen.

»Du hier?« rief sie erzürnt. »Habe ich dir nicht streng befohlen, dich nie aus den dunklen Räumen zu entfernen, weil du den Indianern Entsetzen einflößest? Du bist daran schuld, wenn auch mir der Aufenthalt innerhalb der Ruine verboten wird.«

Doch plötzlich verstummte sie. Sie kannte Flexans entstelltes Gesicht schon zur Genüge. Dasselbe war des Ausdruckes des Schreckens nicht mehr fähig, aber es war ungeheuer verzerrt. Die blauen Lippen bewegten sich, ohne einen Laut hervorbringen zu können.

»Was gibt's?« rief Sarah besorgt. »Bringst du mir wieder eine Unglücksbotschaft?«

Sie duldete diesmal, daß die unsaubere Hand ihren Arm umfaßte und sie mit fortzog. Dem Benehmen Flexans nach mußte etwas Außergewöhnliches passiert sein, und Sarah vergaß daher den Widerwillen vor Flexan.

Schon nach wenigen Schritten blieb dieser stehen und deutete wortlos auf eine Scharte in der Mauer. Durch sie hatte man einen Einblick in die Zelle, welche Ellen einnahm.

Sarah glaubte nichts anderes, als der Verhaßten sei auf eine wunderbare Weise die Flucht gelungen. Mit angehaltenem Atem beugte sie sich vor.

Doch Ellen befand sich noch in dem Kerker. Sie hob, das Geräusch hörend, ihr Gesicht, und erschrocken fuhr Sarah zurück – Ellens Antlitz strahlte ihr in unveränderter Schönheit entgegen. Kein rotes Fleckchen verriet, daß das Scheidewasser seine Wirkung getan hätte.

Ellens Antlitz strahlte noch in unveränderter Schönheit

»Ist denn das Weib mit dem Teufel verbündet, daß ihm die Säure nichts schadet?« stammelte Sarah.

»Du hast sie nicht getroffen,« krächzte es aus Flexans Munde.

»Der ganze Inhalt traf ihr Gesicht. Ich sah die Tropfen hängen, wie sie mit den Händen nach den Augen fuhr.«

»Hast du das Fläschchen noch?«

Sarah hatte es bei sich, sie gab es Flexan. Dieser prüfte es und fand, daß es dasselbe Fläschchen war, welches er Sarah eingehändigt hatte. Sie konnte damals den Geruch nicht vertragen, so scharf war die Säure gewesen.

Flexan entfernte den Glasstöpsel und roch lange hinein. Einen immer furchtbareren Ausdruck nahmen seine Züge an.

»Weib,« brüllte er dann, »du steckst mit Ellen unter einer Decke! In diesem Glase war kein Scheidewasser.«

Er ließ den letzten Tropfen des Inhaltes auf die Hand laufen und kostete vorsichtig.

»Wasser,« murmelte er. »Sarah, du hast die Flüssigkeit vertauscht!« schrie er dann wieder und heftete die kleinen blutunterlaufenen Augen mit schrecklichem Ausdruck auf Sarah.

»Bei Gott, Flexan, ich hab's nicht getan.«

»Wer sonst? Ich etwa?«

Flexan war so außer sich über diese Täuschung, daß er Miene machte, sich auf Sarah zu stürzen. Doch schon bei der ersten, dieses Vorhaben verratenden Bewegung blitzte ihm der Lauf eines Revolvers in der Hand des Weibes entgegen.

»Keine Torheit, Flexan!«

Dieser hatte sein Leben doch noch lieb, er blieb wie angewurzelt stehen.

»Ich glaube eher, du hast mir das Fläschchen genommen, die Säure ausgegossen und Wasser hineingefüllt,« fuhr sie fort, »denn du liebtest ja Ellen um ihrer Schönheit willen.«

»Du trugst das Fläschchen bei dir!«

»So hast du es mir aus der Tasche gestohlen. Du kennst derartige Kniffe.«

»Mit diesen Fingern,« hohnlachte Flexan und streckte die geschwollenen Hände vor.

»Du bist es gewesen,« behauptete er.

»Nein, du! Du liebtest Ellen.«

»Gut denn,« sagte Flexan endlich, »ich glaube dir, daß du es nicht gewesen bist, aber auch ich trage keine Schuld daran. Weiß der Himmel, wodurch sich die Säure plötzlich in Wasser verwandelt hat! Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.«

»So ist es recht. Hast du noch mehr von diesem Stoff?« fragte Miß Morgan.

»Nein,« entgegnete Flexan, »ich dachte ...«

»Schon gut, wir können anderen bekommen und zwar sofort. Von diesem Loche aus wollen wir das Experiment erneuern, und hier können wir auch gleich die Folgen beobachten.«

»Kannst du in den Besitz von Scheidewasser kommen? Ich brenne danach, die mir im Aussehen gleichzumachen, die mich wegen meiner Häßlichkeit verspottet hat.«

»Der alte Vater hat ein Laboratorium mit allen Chemikalien. Er wird uns Säure geben.«

»Ah, vortrefflich! Schnell! Laß uns gehen!«

Sarah schritt voran, Flexan folgte ihr.

Plötzlich erscholl hinter der Voranschreitenden ein lautes, spöttisches Lachen, sie wandte sich um.

»Warum lachst du?«

»Ich lachte nicht, du warst es,« entgegnete Flexan. »Warum hast du gelacht?«

Wieder entstand ein Wortwechsel. Keins wollte gelacht haben. Sarah ging zurück und sah um die Ecke, erblickte aber keinen Menschen. Nur ein Bär kam eben dahergetrottelt.

»Ach, Mythra,« rief Sarah erschrocken. »Schnell, daß wir fortkommen! Ich bin froh, daß ich dieses Tier losgeworden bin. Es könnte wieder Geschmack an meiner Gesellschaft finden.«

Doch Mythra schien ihre Freundin vergessen zu haben, oder sie hatte etwas anderes im Sinn, sie trabte in einen Seitengang, ohne sich um die beiden zu kümmern.

»Gott sei Dank,« rief Sarah und eilte weiter.

Da plötzlich erscholl eine furchtbare Detonation. Die Luft wurde von dem Donner erschüttert. Die Mauern bebten, und der Boden zitterte unter den Füßen der Schurken.

Gleichzeitig stürzten beide zu Boden. Sie meinten nichts anderes, als das ganze Gemäuer bräche über ihren Köpfen zusammen. Sie warteten auf den zweiten Donner, aber dieser blieb aus.

Sarah war die erste, welche sich langsam aufrichtete, die Haare aus dem Gesicht strich und sich verwirrt umschaute.

»Was war das?« stammelte sie entsetzt. »Das war nicht jener künstliche Donner, den der alte Vater zu erzeugen versteht.«

»Das klang wie eine Explosion,« meinte der erschrockene Flexan, sich auch aufrichtend.

Auch die übrigen Bewohner der Ruine waren erschrocken. Trotz der dicken Mauern vernahm man ihr Schreien und hastiges Hin- und Herlaufen. Ueberall ward es lebendig, sie mußte eine Unmenge von Menschen beherbergen.

Da stürzte durch den Gang ein weißhaariger Greis im langen, schwarzen Gewand auf die beiden zu – der alte Gelehrte.

»Was ist geschehen?« rief ihm Sarah entgegen.

»Nichts von Bedeutung für euch, aber schrecklich für mich,« erwiderte der Alte, in dessen Gesicht mehr Gram als Schrecken zu lesen war. »Wo ist Arahuaskar?«

»Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich in seinen Räumen. Aber so sprechen Sie doch! Was für eine Explosion war das?«

»Mein Laboratorium ist plötzlich mit allem, was darinnen war, in die Luft geflogen. Ach, meine schönen Instrumente, meine seit Jahren gesammelten Mumien, Reliquien und Schätze – alles, alles dahin.«

Der Alte war in seinem Jammer trostlos.

»Wo ist es geschehen? Nahmen Sie ein Experiment vor?«

»Nein, nichts war vorhanden, was hätte explodieren können, wenigstens meines Wissens. Es müssen sich Gase entzündet haben.«

Dem Gelehrten traten die Tränen in die Augen.

»Alles, alles fort!« jammerte er weiter. »Die Früchte meines emsigen Fleißes von vielen langen Jahren sind dahin. Nun habe ich nichts mehr, was ich auf der Erde liebe.«

Er richtete sich mit einem Male auf, und sein sonst so freundlich blickendes Auge nahm einen unheimlichen Ausdruck an. »Nun habe ich nichts mehr auf dieser Erde zu suchen als die Rache, und die werde ich finden.«

Damit stürzte er fort.

Die beiden Zurückgebliebenen sahen sich groß an.

»Die Säure ward in Wasser verwandelt, und gerade, da wir uns andere holen wollen, fliegt das Laboratorium des alten Gelehrten in die Luft,« sagte Sarah. »Wie soll man sich das erklären?«

»Verdammt!« murmelte Flexan. »Doch bleiben uns noch andere Mittel übrig. Gegen Feuer wird Ellen wohl nicht gefeit sein.«

In einem der Nebengänge erscholl wieder jenes laute, spöttische und unheimliche Lachen.


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