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C.

Peregrine tritt als Schriftsteller auf und wird Mitglied eines Autoren-Clubs.

Nachdem er diese peinliche Erklärung gethan, begann unser junger Herr sich mit Planen zu beschäftigen, um den Ausfall seiner so furchtbar geschmolzenen jährlichen Einkünfte zu decken. Er faßte jetzt den Beschluß, seine durch Natur und Erziehung erhaltenen Talente zu benutzen. In der Zeit seines Wohllebens hatte er verschiedentlich von Schriftstellern sprechen hören, die ohne die geringsten Ansprüche auf Genie, sich dadurch ihren leidlichen Lebensunterhalt erwarben, daß sie allerlei Arbeiten für Buchhändler machten. So übernahm z. B. Einer Uebersetzungen aller Art gegen ein gewisses Honorar für den Bogen und hielt nun fünf bis sechs Handlanger, die wie die Schreiber in einem Comptoir, vollauf zu thun hatten, wodurch denn der Mann in den Stand gesetzt war, ganz gemächlich leben und mit guten Freunden sein Fläschchen Wein trinken zu können, ohne nach einem andern Ruf als den eines ehrlichen Mannes und guten Nachbars zu trachten. Ein Anderer entwarf eine Menge Plane zu Wörterbüchern aller Art, die er dann von Tagelöhnern ausarbeiten ließ; ein Dritter sammelte oder verkürzte Reisebeschreibungen und Geschichten etc. etc.

Bei der Betrachtung seiner Fähigkeiten hatte Peregrine so viel Achtung für sich selbst, daß er keinen Zweifel hegte, es würde ihm ein Leichtes seyn, diese Leute zu übertreffen, aber sein Ehrgeiz trieb ihn zu mehr; er wollte den Ruhm mit dem Vortheil vereinigen. Zu dem Ende versuchte er einige Arbeiten, die ihm zugleich Ehre vor der Welt und Vortheil bei den Buchhändlern verschaffen sollten: er rief die Musen zu Hülfe und da er wußte, daß die Zeit nur das liebte, was Laxitäten oder Satyre enthielt, so ahmte er dem Juvenal nach und geißelte in einem Gedicht mit eben so viel Wahrheit als Witz und Strenge, eine Menge bekannter und angesehener Thoren und Schurken. Obschon er seinen Namen nicht auf den Titel des Produktes setzte, so wußte er es doch so einzurichten, daß man leicht den wahren Verfasser erkannte und wirklich täuschte er sich auch nicht in seiner Erwartung eines glücklichen Erfolges; denn bald war die Auflage abgesetzt und die Broschüre der Stoff der Unterhaltung in allen Cirkeln.

Dieser glückliche Erfolg des ersten Auftrittes erwarb ihm nicht nur die Bekanntschaft der Buchhändler, die ihn jetzt an sich zu ziehen suchten, sondern auch die Aufmerksamkeit eines Clubs von Autoren, die sich selbst »eine Akademie« nannten. Sie beehrten ihn mit einer Deputation, welche ihm die Nachricht überbrachte, daß man ihn einstimmig zum Mitglied erwählt habe und derjenige, welcher hierbei das Wort führte und früher Beweise von Pickle's Großmuth erhalten hatte, ließ es sich dabei angelegen seyn, ihm zuzureden, diese Ehre nicht auszuschlagen. Zugleich beschrieb er ihm aber auch die anderen Mitglieder auf eine solche Art, daß die Neugierde unseres Helden dafür erregt ward, der nun der Deputation seinen Dank mit dem Versprechen abstattete, fernerhin sein Möglichstes zu thun, um sich einer solchen Auszeichnung würdig zu machen.

Außerdem unterrichtete ihn der Abgesandte auch noch von den Ceremonien in dieser gelehrten Gesellschaft und veranlaßte ihn, eine Ode zu verfertigen, die am Abend seiner Aufnahme vorgelesen werden sollte. Im Ganzen erfuhr Peregrine übrigens, daß die Gesellschaft aus nichts Anderem als einer Bande Schriftsteller bestand, die sich zu gegenseitiger Lobhudelei verbunden hatten, um so desto besser einer anderen ihnen feindlich gesinnten Clique die Spitze bieten zu können, weshalb sie denn auch jetzt so eifrig darnach trachteten, sich durch die Erwerbung eines Mannes, wie Peregrine wahrscheinlich war, zu verstärken.

Dieses sogenannte College bestand demnach aus nichts, als aus Autoren, und zwar von dem verschiedensten Range, von dem Liederschmied an, dessen Producte in Maribone abgesungen werden, bis zu dem dramatischen Dichter, der auf dem Kothurn einherschreitet; ja, eins von den Mitgliedern hatte sogar acht Bände eines Heldengedichtes verfertigt, zu dessen Bekanntmachung jetzt Subscribenten gesammelt wurden.

Daß ein solcher Zusammenfluß von Apollssöhnen nicht ohne Verletzung der Ordnung und des Wohlstandes einen ganzen Abend bei einander seyn konnte, ohne unter der Leitung eines Oberhauptes zu stehen, läßt sich denken. Man hatte dies auch vorausgesehen und deshalb einen Präsidenten gewählt, der die Macht hatte, Jeden, welcher die Eintracht störte, Stillschweigen aufzulegen. Derjenige, welcher jetzt diesen erhabenen Posten bekleidete, war ein Mann bei Jahren, dessen Gesicht den Stempel jenes grollsüchtigen Mißmuthes trug, welcher sich auf wiederholte Verwerfungen einzustellen pflegt. Er war mit seinen Theaterproducten außerordentlich unglücklich gewesen und hatte, um mit den Worten eines Spötters zu reden, welcher der Vorstellung seines letzten Stückes beiwohnte, eine Verdammung ohne Erlösung erfahren; dennoch trieb er sich noch immer am Fuße des Parnaß herum, indem er Classiker übersetzte und Aphorismen schrieb. Durch unerschütterliche Frechheit, übermüthigen Trotz und eine boshafte Zunge nebst einiger Menschenkenntniß, war es ihm gelungen, sich den Ruf eines gelehrten und witzigen Kopfes bei Leuten zu erwerben, die keines von beiden waren, d. h. bei der bei weitem größten Mehrzahl seiner Bekannten, und selbst in der Akademie hielten ihn Einige dafür; der größte Theil der Mitglieder derselben hatte ihm indeß nur darum seine Stimmen gegeben, weil man sich vor seiner Bosheit fürchtete oder seinen Mitbewerber, den Heldendichter, haßte.

Wie wir bereits bemerkten, so war der Hauptzweck der Gesellschaft eine gegenseitige Lobhudeltendenz. Man pries wechselseitig nicht nur in Privatunterredungen, sondern auch durch gelegentliche Kritiken und Anzeigen die Producte, welche von dem Einen oder dem Anderen ausgingen und die schöne Kunst, die man mit den Worten: Klappern gehört zum Handwerk, zu bezeichnen pflegt, ward hier in einem solchen Grade getrieben, daß oft ein Autor sein eigenes Werk durchhechelte, um dadurch das Publicum darauf aufmerksam zu machen.

Trotz der gebotenen Einigkeit in dieser ehrenwerthen Gesellschaft herrschte indeß dennoch seit einiger Zeit eine Privaterbitterung zwischen den beiden oben erwähnten Nebenbuhlern um den Präsidentenstuhl, doch äußerte sich dieser Groll nur bei den Zusammenkünften durch Versuche, einander durch beißende Einfälle und witzige Antworten zu verdunkeln, so daß allemal gegen Abend zu Nutz und Frommen der ganzen Gesellschaft und zum lehrreichen Beispiel für die jüngeren Mitglieder ein solches lockeres Gericht aufgetragen wurde, wo dann die Versammlung nicht ermangelte, sich allemal in zwei Partheien zu theilen und bald den Einen, bald den Anderen der beiden Kämpfenden durch Blicke, Worte und Geberden Beifall zuzuspenden.

Die Versammlungen dieses trefflichen Vereines wurden in dem besten Zimmer eines Alehauses gehalten, wo es denn Jedem freistand, sich nach seiner Neigung mit Wein, Bier oder Punsch zu erquicken. Hier ward nun unser Held in den Kreis von ungefähr zwanzig ihm ganz fremden Personen eingeführt, deren Anzug und Physiognomien ein sehr malerisches Bild gaben. Man empfing ihn mit großer Feierlichkeit, wies ihm zur Rechten des Präsidenten seinen Platz an und belohnte seine laut verlesene Einführungsode mit allgemeinem Beifall; hierauf aber legte man ihm den Eid vor, durch welchen er sich verpflichten mußte, das Beste der Gesellschaft stets nach Kräften zu fördern; zuletzt umschlang man sein Haupt mit einem Lorbeerkranz, der zu solchen Einweihungen heilig aufbewahrt wurde.

Nach Beendigung dieser Feierlichkeiten begann das neue Mitglied, seine Collegen schärfer ins Auge zu fassen, und entdeckte an denselben eine so höchst seltsame Sammlung voll Perrücken in Rücksicht der Farbe, der Größe und der Façon, wie ihm noch nie vorgekommen war. Die dem Präsidenten auf beiden Seiten zunächst Sitzenden unterschieden sich durch ehrwürdige Allongenperrücken, deren Toupées eine höchst bewundernswerthe Verschiedenheit boten. Einige stiegen schräg in die Höhe, wie das Glacis einer Festung, andere erhoben sich in zwei Spitzen, wie die Gipfel des Helikon und Parnaß, noch andere waren gewunden und zurückgebogen, wie die Hörner des Jupiter Ammon. Nach diesen folgten Beutel-, Stutz- und Zopfperrücken, von denen einige bloße künstlich genug von ihren Eigenthümern selbst verfertigte Succedanea waren. An dem untern Ende des Tisches dagegen ließen sich Haarmassen schauen, die in ihrer Unförmlichkeit nicht zu beschreiben sind.

Die Anzüge der Herren paßten vortrefflich zu diesen Hauptschmucken, die der Obenansitzenden waren anständig und sauber, die der zweiten Classe abgetragen und beschmutzt, und am unteren Ende des Zimmers sah man, wie sich Mehrere Mühe gaben, zerrissene Beinkleider und schmutzige Wäsche zu verbergen. Bald gelang es unserm Freunde, selbst aus den Gesichtsbildungen der Anwesenden die verschiedenen Dichtungsarten zu erkennen, denen sich Jeder ergeben hatte; er sah ganz deutlich den Ernst der Tragödie in der gravitätischen Feierlichkeit des Blickes, die Satyre aus den Runzeln des Neides und Mißvergnügens; und die Elegie aus dem blassen Leichengesichte hervorschimmern; er bemerkte, wie das Idyll in einem faden, schmachtenden Blick, die Ode in einem wahnsinnigen Starren, das Epigramm in einem muthwilligen Lächeln sich malte. Vielleicht war es aber Uebertreibung, daß er auch behauptete, außerdem noch den Zustand von eines Jeden Finanzen errathen zu können und sich anheischig machen wollte, die Summe, die Jeder gerade besäße, zu errathen, ohne über drei Farthings zu fehlen.

Die Unterredung in dieser Gesellschaft war nicht allgemein, sondern begann sich zu theilen. Dem epischen Dichter war es nämlich gelungen, die Aufmerksamkeit Mehrerer auf sich zu ziehen, dies glaubte aber nun der Präsident enden zu müssen und rief daher mit lauter Stimme: »Keine Intriguen, meine Herren! keine Geheimnisse!« – Diesen Verweis von sich abzulehnen, hielt der Andere für Schuldigkeit und erwiederte daher: »Wir haben keine Geheimnisse; wer Ohren hat zu hören, der höre.« Dieser Ausspruch ward von den Anderen als ein Wink aufgenommen, daß der gewöhnliche Kampf beginnen sollte, aber der Präsident schien dies Mal allen Streit vermeiden zu wollen und statt sein gewöhnliches Fehdegesicht anzunehmen, erwiederte er nur, – da er Master Metaphor mit den Augen einem Anderen habe zuwinken sehen, so habe er geglaubt, es sey etwas Besonderes auf dem Tapete.

Diese Antwort brachte den Heldendichter auf den Gedanken, seinem Gegner sey der Muth gesunken und sogleich beschloß er, nun hiervon Nutzen zu ziehen und so dem Neuaufgenommenen einen hohen Begriff von seinem Geiste beizubringen. Er sagte daher mit einem triumphirenden Wesen: »Also ist es einem Menschen hier nicht mehr erlaubt, eine krampfhafte Zuckung des Auges zu haben, ohne eines geheimen Verständnisses beschuldigt zu werden?« – Den Präsidenten, welcher die Absicht seines Gegners nun merkte, verdroß diese Vermessenheit; er erwiederte daher: »Nicht doch, einem kranken Kopfe sind convulvische Bewegungen wohl zu verzeihen.« – Diese Antwort veranlaßte ein Triumphgelächter von Seiten der Anhänger des Vorstehers und einer derselben machte die Bemerkung: Master Metaphor habe jetzt einen schmerzlichen Streich auf das Haupt erhalten. – »Ja,« entgegnete der Epiker, »in dieser Hinsicht hat der Herr Präsident einen Vortheil vor mir voraus, denn wäre mein Haupt mit einem Hornwerke befestigt, so würde ich ihn gewiß weniger gefühlt haben.« – Diese, eine bittere Anspielung auf die Frau des Vorstehers enthaltende Antwort klärte die etwas trübe gewordenen Gesichter der Freunde des Angreifenden wieder auf, während sie bei der andern Parthei eine entgegengesetzte Wirkung hervorbrachte, doch nahm der Anführer der Letzteren alle seine Fassungskraft zusammen und gab die volle Ladung mit der Erwiederung zurück: man bedarf keines Hornwerkes, wenn der bedeckte Weg der Vertheidigung nicht werth ist.

Eine solche an des Heldendichters Gattin, die nichts weniger, als ihrer Schönheit wegen berühmt war, genommene Repressalie verfehlte nicht, auf die Zuhörer zu wirken und Metaphor selbst war durch diese Bemerkung ein wenig erschüttert; dennoch versetzte er sogleich: »In der That, ich bin der Meinung, daß, wenn Ihr bedeckter Weg auch offen läge, dennoch wenig Leute den Sturm unternehmen dürften.« – »Gewiß nicht,« antwortete der Präsident »wenn die Batterien nicht wirksamer sind, als das Feuer Ihres Witzes.« – »O, was das anlangt,« rief der Andere, »so würden Sie nicht erst nöthig haben, Bresche zu schießen, da der Winkel von dem Bollwerke la pucelle bereits geschleift ist.« – »Und dennoch würde es über Ihren Verstand gehen,« entgegnete der Vorsteher, »den Graben auszufüllen.« – »Das läßt sich gar nicht thun,« sprach der Barde, »denn hier käm' ich auf einen hiate maxime deflendus

Dieser Wink in Gegenwart des neuen Mitgliedes erbitterte den Präsidenten ungemein; und mit Unwillen in den Blicken rief er: »Und dennoch würde man, wenn eine Compagnie Pioniere bei Ihrem Schädel angestellt wären, Wust genug finden, um alle Wasserleitungen der Stadt damit zu verstopfen.« – Die Freunde des epischen Dichters stießen bei diesem Ausdruck einen tiefen Seufzer aus, Metaphor aber nahm ganz gelassen eine Priese Tabak und sprach: »Wenn Jemand sich gezwungen sieht, zu solchen Erwiederungen seine Zuflucht zu nehmen, so halte ich das für einen unstreitigen Beweis, daß er sich überwältigt fühlt.« – »Wenn dies der Fall ist,« entgegnete der Andere, »so sind Sie der Ueberwundene; denn Sie bedienten sich zuerst persönlicher Injurien.« – »Die Anderen mögen entscheiden!« rief Metaphor. »Ihr Urtheil, meine Herren!«.

Jetzt entstand auf einmal ein lautes Geschrei und eine allgemeine Verwirrung. Jeder sprach mit seinem Nachbar über den Werth oder Unwerth der Aeußerungen; vergebens suchte der Vorsteher die Ruhe wieder herzustellen, der Lärm ward immer lauter und lauter; man begann sich zu erhitzen; die Benennungen, Dummkopf, Narr und Schuft, flogen hin und her und Peregrine, der sich nicht wenig über diesen Aufruhr erfreute, sprang nunmehr auf den Tisch und gab damit das Zeichen zum Treffen, das sogleich in zehn verschiedenen Zweikämpfen ausbrach. Man löschte die Lichter aus und hieb nun im Finstern ohne Unterschied auf einander los. Peregrine theilte dabei manchen derben Puff aus; endlich aber lockte das Getöse der Kämpfenden, das Umwerfen der Stühle und das Geschrei der Durchgebläuten, die Leute im Hause mit Licht herbei, wo dann, als die Gegenstände wieder sichtbar waren, ein höchst seltsamer Anblick sich darbot. Die Augen von Master Metaphor waren mit blauen und braunen Kreisen umgeben, der Präsident blutete aus der Nase, und einer der tragischen Autoren hatte, da er sich im Dunkeln angepackt fühlte, ein langes Messer ergriffen, welches den Käse zu schneiden auf dem Tische lag, und es seinem Gegner an die Kehle gesetzt. Zum Glück war das Instrument nicht scharf genug, um durch die Haut zu dringen, sondern hatte dieselbe nur hier und das geritzt. Ein Satyriker hatte einem Lyriker fast das Ohr abgebissen; man sah Hemden und Halsbinden zerrissen und wie Schiffstrümmer lagen die Perrücken in einem solchen traurigen Zustande umher, daß die genaueste Untersuchung den Eigenthümer einer jeden nicht mehr zu ermitteln vermochte und jetzt der größte Theil der Anwesenden sich genöthigt sah, sich seiner Schnupftücher statt der Nachtmützen zu bedienen.

Die Ankunft der Leute aus dem Hause endete indessen das Treffen; Mehrere waren einer Leibesübung herzlich müde geworden, bei welcher sie nichts als Stöße empfingen. Andere fürchteten sich vor den Drohungen des Wirthes, nach der Wache zu schicken, und noch Einige schämten sich über das Aergerniß eines so unanständigen Auftrittes; da jedoch die frühere Ordnung und Eintracht nicht wieder herzustellen war, so brach die Gesellschaft auf, nachdem der Präsident noch eine kurze, unzusammenhängende Rede an unsern Helden gehalten hatte, in welcher er den Vorfall des heutigen Abends möglichst zu entschuldigen suchte.

In der That überlegte unser Held, ob es ihm wohl sein Ruf erlaube, diese Gesellschaft öfter zu besuchen; da sich jedoch einige Männer von wirklichem Genie darunter befanden und er überdem sehr gern sich Stoff für seine Lachlust sammelte, so beschloß er, das sogenannte College doch wieder zu besuchen, wozu ihn auch noch das Verlangen bestimmte, die geheime Geschichte des Theaters näher kennen zu lernen, womit, wie er wußte, einige von den Mitgliedern sehr genau bekannt waren. Ueberdem bekam er noch vor der nächsten Zusammenkunft einen Besuch von dem, der ihn eingeführt hatte und ihn jetzt die Versicherung gab, daß noch niemals ein solcher Scandal wie an jenem Abend vorgefallen sey, zugleich ihm aber auch versprach, er solle ferner keine Ursache haben, Anstoß an ihrem Betragen zu nehmen.

Dies Alles bewog nun Pickle, sich wieder hinzubegeben und wirklich ward auch dies Mal der größte Anstand beobachtet und alle Zänkereien vermieden; man befliß sich vielmehr, den Zweck der Zusammenkunft zu erfüllen, der hauptsächlich dies Mal darin bestand, die Beschwerden einiger Mitglieder anzuhören und sie mit gutem Rathe zu unterstützen.

Der Erste, welcher auf diese Art die Hülfe der Anderen in Anspruch nahm, war ein hitzköpfiger Nordbritte, der sich in einem seltsamen Dialekte darüber beklagte, daß ihm ein Theaterdirector nach langer Verzögerung ein ihm übergebenes Lustspiel mit den Worten wieder zugestellt habe: das Product sey eben so sinnlos als schlecht stylisirt.

Diesen Ausspruch des Directors nahm der Präsident, welcher früher das Stück durchgesehen hatte, als eine ihm mit widerfahrene Beleidigung auf und erwiederte: »Was den Sinn anlangt, so will ich das Lustspiel gerade nicht vertheidigen, aber hinsichtlich des Styls kann man nichts daran tadeln. Es ist klar,« fuhr er fort, »daß der Director sich nicht die Mühe genommen hat, das Manuscript durchzulesen; er hat aus der Sprache des Autors auf die des Stücks geschlossen und nicht geahnt, daß ein englischer Gelehrter den Styl durchgesehen hat. Doch, wie dem auch sey, auf jeden Fall sind Sie ihm sehr verbunden, daß er Sie sobald abgefertigt hat und ich fange an von dem Manne jetzt eine bessere Meinung zubekommen, denn ich habe ganz andere Autoren wie Sie, Männer von Ruf und Gewicht, gekannt, die von ihm viele Jahre lang in einer schmählichen Abhängigkeit sind hingehalten worden und zuletzt dennoch ihre Hoffnungen sich nicht erfüllen sahen.«

»Sie müssen wissen, mein Herr, daß es nur zwei Arten giebt, wodurch Sie das Glück erreichen können, Ihr Stück auf die Bühne gebracht zu sehen. Die eine, gleichsam durch Zwang, ist die, daß Große sich für Sie verwenden, denen ein Mann, welcher öffentliche Privilegien genießt, nichts verweigern darf; die andere ist der Weg der Güte, oder besser gesagt, der Kriecherei. Sie müssen sich da auf jede mögliche Art bei dem Director einzuschmeicheln suchen, sich seiner Aufmerksamkeit empfehlen und seine Gunst durch die niedrigsten Lobhudeleien erkaufen. Spielt er selbst mit, so müssen Sie in ihm den ersten aller Künstler erblicken, ihn gegen jeden Tadel vertheidigen, wenn derselbe auch so klar wie der Tag wäre und überall an öffentlichen Orten und in Privatcirkeln seine Tugenden und guten Eigenschaften preisen und wenn er auch nicht eine einzige besäße.«

»Dies ist eigentlich das wirksamste Mittel, und ich rathe Ihnen , sich dessen zu bedienen, wenn ein Mann von Gewicht Sie mit dem Director bekannt gemacht hat; gelingt es Ihnen dann so durch Demuth und Beharrlichkeit, daß innerhalb drei oder vier Jahren Ihr Lustspiel eine Probe erlebt, so preisen Sie Ihr Geschick, denn wahrlich! eher darf ein armer Teufel hoffen, ohne Geld und ohne Empfehlung auf sein erstes Verlangen eine Compagnie im Heere zu erhalten, als ein Dichter ohne Unterstützung sein Stück auf der Scene zu sehen. In der That, sagen Sie selbst, weshalb sollte auch ein Theaterunternehmer ohne wichtige Beweggründe die Kosten und Mühen aufwenden, die ein neues Stück verursacht? Weshalb sollte er die Einnahme von drei Vorstellungen theilen, um damit die Eitelkeit eines Fremden zu befriedigen und dessen Tasche zu füllen?«

Diese Rede behagte dem Nordbritten sehr wenig und er suchte daher mit lautem Wortschwall sowohl den Rath, als die Bemerkungen des Vorstehers zu widerlegen, und zugleich aus Gründen der Vernunft und der Erfahrung zu beweisen, daß ein Dichter mehr Werth und Würde habe, als alle Theaterdirectoren und Schauspieler der ganzen Welt; allein ein einstimmiger Beschluß der ganzen Versammlung legte ihm gleich von vorn herein Stillschweigen auf, denn allgemein war man der Meinung, der ihm eben ertheilte Rath sey so gut als vernünftig, und es seine eigene Schuld, wenn er keinen Nutzen davon zu ziehen wisse.


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