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XCIX.

Crabtree sucht seinen Freund zu trösten und dieser ihn. Peregrine findet, daß man ihn allerliebst angeführt hat.

Dieser neue Unfall, den Peregrine mit Recht seiner Thorheit beimaß, rief seine düstere Stimmung wieder zurück, und obschon er sich die größte Mühe gab, die Sache vor Cadwallader geheim zu halten, so entging es diesem scharfen Beobachter doch nicht, daß sein Gesicht sich jetzt wieder bewölkte. Da der Projectenmacher plötzlich verschwunden war, so forschte der Menschenfeind mit so vieler List der Sache nach, daß er in wenig Tagen den ganzen Vorgang kannte. Jetzt beschloß er aber, seinen Spleen auf Kosten seines Freundes zu weiden. Er kam deshalb mit einer sehr ernsthaften Miene zu Pickle und sprach: »Einer meiner Freunde bedarf schnell tausend Pfund; da Sie nun diese Summe gerade liegen haben, so würden Sie ihn und mich sehr verbinden, wenn Sie ihm dieselbe gegen hinlängliche Sicherheit auf einige Zeit leihen wollten.«

Wäre Peregrinen der wahre Beweggrund dieses Besuches bekannt gewesen, so würde er dem Menschenhasser gewiß eine sehr unangenehme Antwort ertheilt haben; aber Crabtree machte ein so ehrliches Gesicht, daß der junge Herr unmöglich die wahre Absicht zu durchblicken vermochte. In peinlicher Verlegenheit und mit verbissenem Unwillen gab er daher dem Alten zur Antwort: sein Geld sey bereits untergebracht, dies genügte dem Andern jedoch noch nicht; unter der Maske der Freundschaft begann er sich so umständlich nach der Art und Weise, wie dieses geschehen, zu erkundigen, daß Peregrine nach unzähligen mühsam zusammengesuchten Ausflüchten seinen Verdruß endlich nicht mehr zurückzuhalten vermochte und im höchsten Zorn ausrief: »Verdammt wär't Ihr mit Eurer Zudringlichkeit! Der Teufel hat es geholt und damit Basta!«

»Eben weil das seyn kann,« versetzte der Quälgeist mit einem so fürchterlich gleichgültigen Gesicht, daß der Andere darüber hätte verzweifeln mögen, »eben darum möchte ich gern wissen, wie er es geholt hat; denn ich vermuthe, Sie werden doch einigen Vortheil aus der Compagnieschaft zu erwarten haben.«

»Mord und Tod, Sir!« rief Peregrine jetzt außer sich, »hätte ich einige Anwartschaft auf die Hölle, so würde ich mich mit Ihnen associiren, denn, bei Gott! Sie sind ein Lieblingsdiener derselben auf Erden.« Mit diesen Worten stürzte er aus dem Zimmer und ließ den Menschenhasser, sehr zufrieden über die Züchtigung, die er seinem Freunde hatte angedeihen lassen, allein.

Peregrine suchte unterdessen sein Blut auf einem einsamen Spaziergange abzukühlen. Sein Zorn verrauchte hier allmählig und er begann nun ernsthaft über seine Lage nachzudenken: dabei faßte er den Beschluß, seinem Gönner und dem Minister mehr als je seine Aufwartungen zu machen und sie zu bitten, ihn auf irgend eine Art durch eine Anstellung für die ihretwegen erlittenen Verluste zu entschädigen.

Wirklich begab er sich auch sogleich zu dem Lord und legte diesem seine Bitte mit dem Zusatze vor, daß ein neuer Verlust sowohl seiner Ehre als seines Credits wegen jetzt eine Anstellung dringend nothwendig mache. Der Gönner ermangelte nicht, ihn wegen der Aufmerksamkeit, die er jetzt auf sein Fortkommen richtete, zu loben, da dies ein Beweis sey, daß er endlich von der Unbedachtsamkeit der Jugend geheilt worden, dann versprach er ihm aber, sein Gesuch dem Minister unverzüglich mitzutheilen und es mit seinem ganzen Einflusse zu unterstützen; auch belebte er Peregrinens Hoffnungen durch die Bemerkung, daß jetzt mehrere gute Stellen erledigt und, seines Wissens, noch nicht wieder vergeben wären.

Diese Unterredung beruhigte Peregrine etwas; da er jedoch noch immer einen lebhaften Unwillen gegen den Menschenhasser empfand, so beschloß er, denselben für seine Bosheit zu züchtigen. Er wußte, daß die Einkünfte von den kleinen Ländereien des Cynikers jetzt sehr sparsam eingingen, indem sowohl der Bankerott einiger seiner Pächter, als mehrere nothwendige Reparaturen, Störungen in den Zahlungen veranlaßt hatten, so daß Crabtree, trotz seiner Sparsamkeit, Mühe hatte, seinen Credit aufrecht zu erhalten und daß dieser jetzt gänzlich von dem pünktlichen Eintreffen der eben fälligen Zinsen abhing. Da er nun von allen Umständen näher unterrichtet war, so schrieb er im Namen der Frau von Crabtree's Hauptpächter einen Brief an den Menschenhasser, in welchem er dieselbe melden ließ: daß ihr Mann kürzlich gestorben und eine Seuche den größten Theil ihres Viehes weggerafft hätte, weshalb sie denn nicht im Stande sey, die schuldige Summe zu zahlen und den Pacht ferner zu halten, wenn Crabtree ihr nicht mit einer Unterstützung unter die Arme greifen und ihr den Zins ein Jahr lang nachlassen wolle. Peregrine fand Mittel, diesen Brief durch die Post von einem Marktflecken in der Gegend des Gutes bestellen zu lassen, und da das Schreiben ganz in dem gewöhnlichen Style abgefaßt war und auch das bekannte Postzeichen auf dem Briefe stand, so konnte der Cyniker unmöglich hier einen Betrug ahnen und fühlte sich trotz seines angeblichen Stoicismus und seiner Gewöhnung an die wechselnden Ereignisse des Lebens, von einem tödtlichen Verdrusse ergriffen, als er diese Zeilen las.

Peregrine hatte unterdessen auf den Postboten gelauert und trat nun wenige Minuten nach dessen Entfernung in das Zimmer. Die Stimmung Crabtree's war deutlich auf seinem Gesichte zu lesen; er sah doppelt so finster aus wie sonst. Der junge Herr brachte sogleich das Gespräch auf seine fehlgeschlagenen Hoffnungen und sagte dann: »Es geht mir jetzt doch außerordentlich unglücklich: stellen Sie sich vor, eben erklärt mir der Intendant meines Gönners, des Lords, daß er mir das abgelaufene Quartal meiner Zinsen nicht zu zahlen vermöge. Ich bin dadurch in die größte Verlegenheit gesetzt, und komme, Sie zu bitten, mir bei dem bevorstehenden Termin mit hundert Pfund auf einige Zeit auszuhelfen.«

Diese Forderung machte den alten Mann so verlegen und ärgerlich, daß sich seine Gesichtsmuskeln auf eine höchst seltsame Art verzogen und er in diesem Augenblick Diogenes ganz nach dem Leben vorstellte. Da er wußte, daß ein offenes Bekenntniß seiner Lage den Andern zu den grausamsten Repressalien und einem boshaften Triumphe Gelegenheit geben würde, zugleich sich aber auch fürchtete, durch einen Abschlag geradezu dessen Freundschaft und Achtung zu verscherzen, so stürzte ihn die Verlegenheit, wie er sich herausreden sollte, in eine höchst peinliche Unschlüssigkeit. Peregrine stellte sich dagegen, als lege er dies Betragen anders aus, und sagte nun: »Sprechen Sie frei von Herzen weg; halten Sie mich vielleicht nicht für sicher genug, mir meine Bitte gewähren zu können, so sagen Sie mir's offen und ich will mich dann bemühen, anderwärts Rath zu schaffen.«

Diese anscheinende Mißdeutung vermehrte noch Crabtree's Qual; mit zorniger Miene rief er: »Verflucht! habe ich je etwas so Schändliches in meinem Betragen gezeigt, daß Sie mich für einen niederträchtigen Wucherer halten?« Sehr ernsthaft erwiederte Peregrine: »Diese Frage bedarf keiner Antwort: hätte ich Sie für einen Wucherer gehalten, dann würde ich sogleich ein Pfand mitgebracht haben; aber wozu die Ausflüchte? Wollen Sie mir helfen oder nicht? soll ich das Geld bekommen?«

»Ich wollt' Ihr hättet es im Leibe und ein Faß Pulver dazu!« rief der Cyniker außer sich. »Weil ich denn einmal gepeinigt werden muß, so nehmt das verfluchte Papier da und les't.... O warum gab mir die Natur nicht ein paar lange Ohren und einen Schwanz dazu, damit ich als ein vollständiger Esel auf der Gemeindetrift Disteln fressen könnte, ohne von meinen Nebengeschöpfen abzuhängen! Wäre ich ein Wurm, damit ich mich in die Erde verkriechen und meine Wohnung mit einem Strohhalme verzieren könnte! Warum bin ich nicht eine Wespe oder eine Natter geworden, damit ich der schurkischen Welt meinen Unwillen könnte fühlen lassen! Doch was spreche ich von Schurkerei? Thorheit ist die Geißel des menschlichen Lebens! Bringt mir einen ausgemachten Schuft, wenn er nur etwas Kopf hat, und ich will ihn in mein Herz schließen. Die Narren sind verderblicher, als Hunger, Krieg und Pest. Da hat nun die gänseköpfige Hexe, die diesen Brief schrieb oder schreiben ließ, mit ihrer Unvernunft und schlechten Wirtschaft ihre ganze Familie zu Grunde gerichtet und ihrem Manne das Herz gebrochen, und nun schiebt sie ihre Dummheit auf das Schicksal! Prellt mich um dreihundert Pfund, die ich größtentheils Kaufleuten schuldig bin, denen ich gerade dieses Quartal Zahlung versprach. Daß Du in der Hölle schmortest! Ich wollte, sie wäre selbst eine Kuh und die Seuche hätte sie mit ergriffen! Ist doch die alte Rabaster noch so unverschämt, mich, nachdem sie mich in diese Klemme gebracht, noch um Vorschuß anzugehen. Bei Gott! ich bin nicht übel Willens, ihr einen Strick zu schicken und mir selbst vielleicht einen zu kaufen. Doch nein! ich will den Schurken und Hasenfüßen nicht Stoff zum Gelächter geben.«

Nachdem Peregrine mit verstellter Ernsthaftigkeit den Brief gelesen und die Ergießungen des Zornes angehört hatte, sprach er endlich ganz gelassen: »Ich möchte mich in Ihre Seele schämen, daß ein Mann von Ihrem Alter und der sich so mit seiner Philosophie brüstet, durch eine solche Kleinigkeit aus seiner Fassung gebracht werden kann. Zu was nützen Ihnen nun die Widerwärtigkeiten, die Sie überstanden zu haben sich rühmen! Zu was dienen nun die scharfsinnigen Bemerkungen, die Sie über die menschliche Natur gemacht haben wollen? Wo ist jener Stoicismus, dessen Sie sich rühmen, wenn eine so kleine fehlgeschlagene Erwartung Sie so ganz außer sich zu bringen vermag? Was sind dreihundert Pfund gegen die Verluste, die ich seit zwei Jahren erlitt? Und doch wollen Sie noch den Sittenrichter machen und gegen die Unbedachtsamkeit der Jugend declamiren, als wenn Sie so sehr Herr über alle Leidenschaften geworden wären! Erst vor ein paar Tagen waren Sie so liebreich, mich in meiner Betrübniß durch Vorwürfe über meine Unbesonnenheit zu kränken; wenn ich nun jetzt den Spieß umdrehen und Sie fragen wollte: wie kann ein Mann von soviel gerühmter Einsicht sein ganzes Vermögen der Verwaltung unwissender Bauern anvertrauen? Wie kann er so blind seyn und nicht die Nothwendigkeit von Reparaturen und Verbesserungen, sowie die Gefahr von Bankerotten, Viehseuchen und Mißwachs voraussehen? Warum verwandelten Sie nicht lieber Ihr Grundeigenthum in baares Geld und kauften sich dafür, da Sie doch keine Verwandten haben, eine Leibrente, von der Sie bequem und ohne Sorge hätten leben können? Gibt es denn jetzt in dem ganzen Bündel Ihrer Philosophie nicht eine Sentenz, die Sie über solch ein alltägliches Unglück zu trösten vermöchte?«

»Verflucht und abermals verflucht sey Eure geläufige Zunge!« rief Crabtree von Galle halb erstickt. »Ich wollt' Ihr säß't in der Hölle! Ich wollt' Ihr säß't beim Teufel, damit Ihr mich nicht hier noch quälen könntet! Eine Elster würde klüger über die Sache sprechen als Ihr. Gehört denn dieser Fall in das Gebiet der Philosophie? Wäre ich an allen Gliedern verkrüppelt, plagten mich Stein und Zipperlein, hätte ich meine Freiheit, mein einziges Kind oder etwa einen theuern Freund, wie Euch zum Beispiel, verloren, so könnte die Philosophie etwas zu meinem Troste beitragen: aber kann ich mit aller Philosophie in der Weit wohl meine Schulden bezahlen oder mich von der Last der Verbindlichkeiten gegen ein Pack Lumpenkerle losmachen, die ich verachte? So redet doch!.... Heraus mit der Sprache!.... Beweist es oder der Himmel stopfe Euch den Mund auf ewig!«

»Das sind die Früchte Ihrer Menschenfeindschaft!« entgegnete ihm der junge Mann: »Ihr Beginnen, sich von allen Banden der Gesellschaft loszumachen und sich in einer höheren Sphäre als der ihrigen zu bewegen, führen dahin. Wären Sie nicht so über die Maßen weise und so geneigt gewesen, die Menschen zu verspotten, so würde eine so große Kleinigkeit Sie nicht außer Fassung bringen können; Sie würden dann leicht einen Freund gefunden haben, der Ihnen die unbedeutende Summe vorschoß; doch jetzt hat die Welt eine gute Gelegenheit, Ihnen Ihren Hohn zu vergelten; denn Sie haben sich mit ihren Bekannten auf einen so angenehmen Fuß gesetzt, daß denselben gewiß nichts ein größeres Vergnügen machen kann, als die Nachricht, Sie hätten sich mittelst einer guten Schlinge allem Verdruß über Ihre fehlgeschlagenen Erwartungen entzogen. Vergessen Sie dies nicht, ich erwähne es nicht ohne Absicht und der Umstand verdient Ueberlegung. Sollte es übrigens doch dazu kommen, so will ich indeß mein Möglichstes bei dem Leichenbesichtiger thun, daß er in seinem Berichte die Ueberschnappung nicht vergesse, damit Ihr Leichnam wenigstens ein ehrliches Begräbniß erhält.«

Mit diesen Worten verließ Peregrine, höchst zufrieden mit der genommenen Rache, den Alten, der sich in einer solchen Stimmung befand, daß er aller Wahrscheinlichkeit nach seine Zuflucht zu dem vorgeschlagenen Hülfsmittel würde genommen haben, wenn ihn nicht die ebenfalls erwähnte Betrachtung davon abgehalten hätte. Dennoch hielt ihn sein Widerwille, sich seinen Nebenmenschen zu verpflichten, davon ab, irgend einen Ausweg zu versuchen, bis ihm zum Glück durch die Post sein Irrthum wegen der Lage seiner Angelegenheiten benommen wurde.

Diese Nachricht wirkte aber so wohlthätig auf ihn, daß er nicht nur unserm Helden, den er nun sogleich als den Urheber des ihm gespielten Streiches erkannte, die List vergab, sondern ihm auch freiwillig seine Börse anbot. So kam für diesmal jetzt wieder ein freundschaftlicher Vergleich zu Stande.

Unterdessen war Peregrine nicht saumselig gewesen, den Großen seine Aufwartung zu machen. Er unterließ es nie, bei jedem Lever zu erscheinen; er gab sich Mühe, sogleich Nachricht von erledigten Stellen einzuziehen, und empfahl sich täglich dem Einflusse seines Gönners, der sich seines Besten möglichst anzunehmen schien. Alles dessen ungeachtet wollte es ihm aber doch nie gelingen; stets kam er mit seinen Gesuchen zu spät oder der Minister hatte die Stelle nicht zu vergeben.

Nach und nach flößten diese Abschläge, obwohl sie immer mit den größten Freundschaftsbetheurungen ertheilt wurden, unserm Freunde doch einigen Verdacht ein und er begann sie für nichts als Ausflüchte und Winkelzüge zu betrachten. Wirklich gab er dies auch seinem Gönner einmal ohne Umschweife zu verstehen und äußerte dabei die Absicht, seine hypothekarische Verschreibung zu verkaufen und seinen letzten Schilling daran zu wenden, um bei der ersten Parlamentswahl die Absichten des Ministers zu hintertreiben. Bei solchen Gelegenheiten pflegte es dem edeln Lord nie an schicklichen Ermahnungen zu fehlen, und da er wohl merkte, daß die alte Medicin von der Gewogenheit des Ministers durch wiederholten Gebrauch ihre Kraft verloren hatte, suchte er diesmal die Drohungen durch die Vorstellungen bekämpfen, daß die Börse des Ministers bei weitem größer sey als die von Sir Pickle; daß Letzterer folglich den Kürzeren ziehen müsse und daß er sich noch dazu zugleich mit aller Hoffnung, eine Anstellung zu erhalten, die Mittel zu seinem Unterhalte rauben würde.

Die Richtigkeit dieser Bemerkung ließ sich nicht bestreiten, doch diente sie nicht dazu, das Betragen des Ministers zu rechtfertigen. Wirklich begann Pickle jetzt an der Aufrichtigkeit seines Gönners zu zweifeln, der, wie er glaubte, nur mit ihm spiele und sogar, seiner Vermuthung nach, sich seinem Verlangen einer Privataudienz bei dem Minister widersetzt hatte. Zudem ließ sich der Lord bei weitem nicht mehr so leicht als sonst sprechen, und Peregrine hatte sich genöthigt gesehen, dessen Intendanten verschiedentlich zu mahnen, eh' er das letzte Quartal der fällig gewordenen Zinsen zu erhalten vermochte.

Durch alles dieses beunruhigt, wandte sich unser Held endlich an den Lord, dem er sich durch die Sache mit dessen Sohne verbindlich gemacht, und fragte diesen um Rath, und zu seiner unaussprechlichen Kränkung erfuhr er nun, daß der Herr, auf den er so lange sein Vertrauen gesetzt hatte, ein Mann ohne allen Einfluß sey. Der neue Rathgeber, der zwar auch ein Hofmann, aber ein Nebenbuhler von dem Andern war, gab Peregrinen zu verstehen, daß er sich zeither auf ein zerbrochenes Rohr gestützt hätte und sein vorgeblicher Patron in seinen Umständen eben so zerrüttet als ohne Einfluß sey. Ein Lächeln, ein paar Worte ins Ohr, das wäre Alles, was man für ihn thäte.

»Gern würde ich,« fuhr dieser Herr fort, »meinen Einfluß bei dem Minister dazu verwendet haben, Ihnen zu dienen; allein da Sie es für gut fanden, sich unter den Schutz eines Pairs zu begeben, dessen Interesse dem meinigen entgegenläuft, so kann ich mich jetzt Ihrer Sache nicht annehmen, ohne mir den Vorwurf zuzuziehen, als suchte ich die Clienten Anderer abspenstig zu machen. Diese Beschuldigung vermeide ich aber, meinen Grundsätzen gemäß, möglichst; doch will ich Sie mit meinem Rath unterstützen und schlage Ihnen sogleich zum Beweise vor, schlechterdings auf noch eine Unterredung mit dem Minister zu bestehen, um demselben selbst Ihre Ansprüche vorlegen zu können. Dabei würde ich mich an Ihrer Stelle dann bemühen, dem Minister auf irgend eine Art ein specielles Versprechen abzupressen, das er nicht gut unerfüllt lassen könnte, denn die bloßen allgemeinen Versicherungen sind nichts als nothwendige Waffen, welche die Staatsmänner führen müssen, um sich damit vor dem Andrang derer zu schützen, die sie weder begünstigen noch beleidigen wollen.«

Dieser Rath sagte Peregrinen so vollkommen zu, daß er die erste Gelegenheit ergriff, um eine Audienz zu verlangen, indem er dabei seinem Gönner ganz offen erklärte, daß, wenn ihm derselbe diese Gunst nicht verschaffe, so müsse er dessen Einfluß für höchst unbedeutend halten und alle seine Hoffnungen aufgeben; dann sey er aber entschlossen, seine hypothekarische Verschreibung einem Andern zu übergeben und sich eine Leibrente zu kaufen, um unabhängig zu bleiben.


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