Ludwig Preller
Römische Mythologie
Ludwig Preller

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Siebenter Abschnitt.
Unterwelt und Todtendienst.

Die Vorstellungen von der Unterwelt scheinen wie bemerkt im alten Italien denen der ältesten Griechen sehr ähnlich gewesen zu sein. Die Erde ist zugleich der Schooß der Saaten und der Verstorbenen, daher der Glaube an Unsterblichkeit und der gesammte Todtendienst sich vorzüglich in diesem Kreise, bei den Griechen in dem der chthonischen Götter entwickelt hat. In Italien sind es Tellus, Terra Mater, Ceres, Dis Pater u. A., welche deren Stelle vertreten; namentlich erscheint die Erdgöttin unter verschiedenen Gestalten als Mater Larum d. h. als die Mutter aller guten Geister, darunter auch der Manen d. h. der durch den Tod Verklärten, welche sich bei ihr befinden. Die poetische Ausmalung und Ausführung der Unterwelt mit ihren Flüssen, ihren Strafen und Beseligungen, ist ganz die der griechischen Mythologie. Desto eigenthümlicher waren in Rom die verschiedenen Gebräuche und Feste der Todtenbestattung und der Allerseelenfeier. Sie wurden um so sorgfältiger beobachtet und gehören um so mehr in unsern Kreis, weil nach dem allgemein verbreiteten Glauben der Alten solche Beobachtungen nicht blos den Verstorbenen, sondern auch den unterirdischen Göttern galten, bei denen sich jene befinden: so daß der Zustand der Seelen bei diesen Göttern unter der Erde wesentlich davon abhängt, wie diese letzteren von den Angehörigen auf der Erde verehrt werden.


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