Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Zum Jagdschluß.

(Speyer 1867).

Als ich heut früh zum Schluß der Jagd
Noch einen Gang zum Wald gemacht,
Da sah ich hinter einem Stein
Ein ganz bescheid'nes Häselein.

Da sprach ich: »Ei mein lieber Haas,
Du läufst nicht fort – wie kommt denn das?
Erkennst du denn in deinem Sinn,
Daß ich kein böser Nimrod bin?«

Er sagt: »»Ich weiß so gut wie du,
Von heut an ist die Jagd ja zu,
Ein jeder brave Hase kennt's,
Wir haben heute Conferenz.««

»So hör' – ich bin kein Jägersmann
Und hab Euch nichts zu Leid gethan,
Drum hätt' ich eine kleine Bitt',
Nimm mich zu der Versammlung mit!«

Das war ihm recht, drum schritten wir
Selbander weiter in's Revier.
Und tief in einem dichten Thal
Da war das Wild schon allzumal.

Ein alter Fuchs war Präsident,
Saß auf dem Stuhle ganz am End',
Doch heiter war er grade nicht,
An einem Laufe hatt' er Gicht.

Er sprach: »O Wild gesund und krank,
Die Jagd ist fertig, Gott sei Dank!
So reicht, ihr Thiere groß und klein,
Nun des Verlustes Listen ein!«

Da trat heraus ein alter Bock,
Der ging an einem Krückenstock,
Im Blatte saß noch etwas Blei,
Ich glaub es war von Nummro zwei.

Daneben lag ein junges Reh,
Dem gab der Bock zuweilen Thee,
Die Lauscher hat es voll Charpie
Und eine Binde um das Knie.

Da sprach der Bock: »Ihr seht uns hier,
Ein Wittwer und ein junges Thier,
Die andern all kuriren sich,
Denn der Verlust ist fürchterlich.

Doch thu' ich der Gesellschaft kund,
Daß, wenn ich wieder ganz gesund,
So zieh ich tiefer in das Thal,
Verheirath' mich zum zweitenmal!«

Alsdann erschien ein alter Haas,
Der hat ein Pflaster auf der Nas,
Und hob die Löffel seitwerths hin,
Mir schien als säßen Schrote drin.

Er sprach: »Ihr Thiere meinen Gruß,
O seht mich armen Lazarus,
Auf uns hat jeder einen Schleim
Von Waldsee bis nach Germersheim;

Ich war verlobt, wie alles weiß,
Und dachte an die Hochzeitsreis',
Da kam ein Mensch mit seinem Schrot,
Schoß mir ein Dutzend Bräute todt.

Als ich betrübt im Acker lag,
Ging dieser Mensch mir selber nach,
Da macht ich Männchen vor ihm her,
Er zielte, doch er traf nicht mehr.

Die große Schlacht bei Schifferstadt
Am meisten uns gekostet hat,
Fast alles ist noch krank, ich denk:
Die ganze Freundschaft hat die Krenk!«

Hierauf erschien noch ein Fasan,
Gab nicht sehr viel Verluste an,
Auch Wachtel, Ente, Huhn und Schnepf,
Und dann zwei Füchs, zwei schlimme Tröpf!

Zuletzt kam noch ein Keuler her,
Auch der beklagte sich recht sehr,
Der Mensch entdecke jede Spur
Der raffinirt'sten Saunatur.

Als nun das Wild am Schluß der Jagd
Die Listen alle eingebracht,
Da sprach der Fuchs: »Verfluchet sei
Das Institut der Jägerei!

Gar grausam ist der Mensch, – indeß
Ich glaube eine Dankadress'
Votiren wir dem Jäger gut,
Der uns nicht viel zu Leide thut!«

Dies Schreiben gab der Fuchs mir mit,
Ich trug es her in schnellem Schritt,
Es freut den Jäger sicherlich,
Drum wer es wünscht, der melde sich.

Doch meldet sich kein einziger Mann
Und nimmt die Dankadresse an,
Ihm hätte ich ein Hoch gebracht,
So bring ich's denn aufs Wohl der Jagd.


 << zurück weiter >>