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Theorie und Praxis.

Da bin ich in das Dorf hinein
Jüngst zum Besuch gekommen,
Und sieh! ein schönes Töchterlein
Hat mir mein Herz genommen.
Sie saß des Abends auf der Bank,
Geschäftig an dem Rocken;
Wie war sie zart, wie war sie schlank,
Mit vollen, blonden Locken;
Wie war ihr Aug' so blau und licht,
Wie rosig Mund und Wange;
Ich blickt' ihr sinnend in's Gesicht –
Es ward mir heimlich bange.
Das Rädchen schnurrt ihr so geschwind,
Es regt sich rasch ihr Händchen;
Ich aber spielte wie ein Kind
Am rothen Rockenbändchen.
Ha – wie mein Herz vor Wonne schlug,
Das Auge strahlte heller;
Der Vater holte einen Krug
Vom Besten aus dem Keller.
»O liebes Kind, so sprach ich froh,
Du Schönste auf der Erden!
Ich bin ein freier Studio,
Kann Allerlei noch werden.
Ich liebe Dich, mein Herz ist Dein
Und soll auch Dein verbleiben,
Ich will Dir aus der Heimath mein,
Manch hübsches Briefchen schreiben!«
»»Ihr seid mir, sprach sie, unbekannt –
Es darf Euch nicht verdrießen –
Drum, wie viel Morgen habt Ihr Land,
Und wie viel Morgen Wiesen?««


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