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Der Wald im Winter.

Von Henry W. Longfellow.
(Amerikanischer Dichter)

Wenn kalt einschneidet der Wintersturm,
Der Nordhauch durch den Weißdorn weht,
Betret' ich ernstgestimmt den Berg,
Der über'm stillen Thale steht.

Hin übers nackte Haideland
Und durch der Wälder Oede weit
Spielt keusch der gold'ne Sonnenstrahl –
Ein Tröster dieser Einsamkeit.

Am grauen Ahorn ab der Reif
Die Schößlinge, die zarten, knickt;
Und die Rohrdommel in das Eis
Des Bachs mit scharfem Schnabel pickt.

Wo sonst der Eiche mächt'gen Stamm
Des Sommers Rebenkranz umgab,
Und flüsternd wehte Sommerluft:
Hängt jetzt der Eiskrystall herab.

Da wo der stumme Fluß nicht mehr
Lugt unter'm Dach von Eis heraus:
Tönt jetzt des Schlittschuhs Eisenklang,
Verworr'ner Stimmen laut Gebraus.

Ach, wie so anders ist's jetzt hier,
Als wo der Vogel schmelzend sang!
Die Luft so warm, der Wald so grün!
Die Freude jauchzte Nächte lang!

Doch kahle Wälder ist von Euch
Nicht ganz noch die Musik geflohn,
Es pfeift noch im melod'schen Schilf
Der rauhe Wind in heis'rem Ton.

O kalte Luft und Wintersturm!
Gewöhnt hat sich an Euch mein Ohr!
Ihr zieht voran dem neuen Jahr –
Und Lenz schwebt meiner Seele vor!

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