Fjodor Ssologub
Der Kuß des Ungeborenen und andere Novellen
Fjodor Ssologub

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XIX.

Als die Mutter den Vierer sah, blickte sie erst Wolodja und dann wieder den Vierer verständnislos an und sagte leise:

»Wolodja!«

Wolodja stand vor ihr und wollte in die Erde versinken. Er sah auf die Falten ihres Kleides und auf ihre blassen Hände und fühlte auf seinen zitternden Augenlidern ihre bestürzten Blicke.

»Was ist denn das?« fragte die Mutter.

»Das macht doch nichts, Mutter,« sagte Wolodja plötzlich, »das ist doch der erste!«

»Der erste!«

»Nun, es kann doch einem jeden passieren. Es kam ganz zufällig.«

»Ach, Wolodja, Wolodja!«

Wolodja weinte und schmierte sich die Tränen wie ein kleines Kind mit der flachen Hand über die Wangen.

»Mutter, sei mir nicht böse!« flüsterte er.

»Das hast du von deinen Schatten!« sagte die Mutter.

Wolodja hörte in ihrer Stimme Tränen. Sein Herz krampfte sich zusammen. Er blickte die Mutter an: sie weinte. Er stürzte zu ihr hin.

»Mutter, Mutter,« wiederholte er, ihre Hände küssend, »jetzt lass´ ich sie sein! Ich lasse die Schatten sein . . .«


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