Jeremias Gotthelf
Uli der Pächter
Jeremias Gotthelf

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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Joggeli erlebt auch was und was Altes: daß was einer säet, er auch ernten muß

Joggeli ließ eines Abends Vreneli hinüberrufen. Es müsse ihm da etwas lesen, sagte er; er möge Brille nehmen, welche er wolle, so könne er nichts daraus machen, er verstehe sich gar nicht auf die neue Gschrift, welche aufkäme, man sehe es allem an, wie der Glaube abnehme und bald keiner mehr sei. Vreneli verstand sich, wie es schien, besser darauf, denn es ward blaß, las einmal, las zweimal, sagte endlich: «Das ist kaum, das kann nicht sein.» «Was nicht,» sagte Joggeli ungeduldig, «was nicht? Sage es doch und stürme nicht.» «Vetter, da steht, Ihr hättet Elisis Mann eine Gschrift gegeben, gut für fünfzehntausend Taler, die habe er eingesetzt oder versilbert und jetzt wolle man das Geld.» Joggeli begehrte mit Vreneli gräßlich auf, es könne nicht Geschriebenes lesen und wolle ihn zum Besten halten. Man ließ Uli kommen. Mit großer Not und vielem Buchstabieren brachte derselbe ungefähr das Gleiche heraus. Das sei ein abgeredet Spiel, sagte Joggeli, um solche Sachen ihm abzulesen, hätten sie nicht gebraucht zu kommen. Wie sie das hätten abreden wollen? fragte Vreneli; sie seien ja Einer nach dem Andern gekommen, Uli hätte nicht gehört, was es gelesen. Wenn sie einen Narren haben wollten, so sollten sie sich einen eisernen machen lassen; das begreife ja jedes Kind, daß sie gewußt, was im Briefe sei, sie hätten ihn sonst nicht so punktum gleich ablesen können, wenn sie ihn nicht auswendig gewußt hätten, belferte Joggeli. «Komm, Uli,» sagte Vreneli, «der Vetter ist aber so wunderlich, da ist nichts mit ihm zu machen. Morgen hat er vielleicht sich anders besonnen, daß wieder mit ihm zu reden ist.» Sie gingen und kümmerten sich, was da für ein neuer Schelmenstreich abgekartet worden, rieten, was sie machen sollten, und wurden endlich einig, nichts zu sagen, bis Joggeli wieder anfange oder die Sache sich von selbst mache. Joggeli sagte nichts mehr, sie also auch nichts.

Einige Tage darauf kam Elisi daher und zwar zu Fuß in einem schrecklichen Aufzuge, heulend und schreiend. Es suchte den Mann, der war verloren gegangen. Er hatte eine kleine Reise vorgegeben, nun war er seit vierzehn Tagen fort, niemand wußte wohin. Das Gerede schwoll an, er hätte sich mit dem Schelmen davongemacht. Dort, wohin er vorgeblich gereist, sei er nie gewesen, an einem andern Orte hätte er viel Geld auf Joggeli hin genommen und sei damit voraus, wahrscheinlich den Weg aller Spitzbuben, das heißt nach Amerika. So heulte Elisi in Absätzen und wollte seinen Mann haben, oder weil er nicht da sei, solle man ihm ihn herschaffen. Nun, der Mann war nicht da, aber ein bös Licht ging Uli und seiner Frau auf, doch enthielten sie sich, ihre Gedanken zu äußern. Sie dachten, jetzt sollte es doch dem Joggeli einfallen, was der Brief zu bedeuten hätte, es sei denn, er hätte ihn vergessen. Aber Joggeli hatte ihn nicht vergessen und sagte doch nichts. Er schweige dazu, dachte er. Wenn er nichts sage, so werden sie auch schweigen, und er wollte ein Narr sein, da Bescheid zu geben, wo er nichts schuldig sei. Wollten sie im Ernst etwas, so könnten sie ihn aufsuchen wie üblich und bräuchlich.

Da kam Johannes dahergefahren wie aus einer Kanone und blies Tabakswolken von sich, daß man von weitem hätte glauben können, sein Charabanc sei eine Höllenmaschine oder ein kleiner feuerspeiender Berg und blase Rauch von sich. Er hatte auch vernommen, der Schwager sei zum Teufel und zwar mit hunderttausend Gulden vom Vater. Man kann denken, wie der schnaubte und tobte. Joggeli wollte nichts von allem wissen, und das kam Elisi wohl. Johannes hätte es zwar nicht gefressen, aber doch halb zerrissen im ersten Zorn. Joggeli wollte auch nicht glauben, daß der Tochtermann fort sei, er werde nur dem Geheul ein wenig aus dem Wege gegangen sein; auch er hätte Lust, zu gehen, so sei es ihm erleidet, und doch hätte er es noch nicht so lange gehört. Er wollte lieber, man ließe ihn endlich ruhig und plagte ihn nicht bis auf den letzten Tag. Geplagt zu werden, werde ihm beschieden sein. Viele Jahre hätte ihn die Frau geplagt, es sei nie recht gewesen, was er gemacht, zu guter Letzt plagten ihn nun die Kinder und seien ihm immerfort vor der Türe. So kifelte Joggeli, während die Kinder heulten und tobten. Der Alte sei ein Kind, brüllte Johannes den Uli an, man könne kein vernünftig Wort mehr aus ihm herausbringen. Sie hätten besser zu ihm sehen sollen oder Bescheid machen, als sie gesehen, wie er sei, und den Schelm nicht zu ihm lassen. Wenn etwas geschehen sei, so mache er sie dafür verantwortlich. Jetzt wolle er der Sache nachfahren, bis er wisse, woran er sei, das werde nicht so schwer zu erfahren sein. Und hätte er es mal, dann schone er niemand. Da solle er machen, was er könne, sagte Uli; an Joggeli hätten sie nichts Besonderes bemerkt, ihn auch nicht zu hüten gehabt. Sie, die nächsten Verwandten, seien gekommen und gegangen, wann es ihnen gefallen; ihm und seiner Frau wäre es übel angestanden, wenn sie ihnen hätten den Zugang verwehren wollen. Er hätte es ihm doch befohlen, sagte Johannes. «Selb hast,» sagte Uli, «aber ich und die Frau dir wiederum gesagt, daß wir mit der Sache nichts zu tun haben wollen und können.» Johannes ging ab, ganze Mäuler voll Lumpen und Schelmenpack, dem er es eintreiben wolle, vor sich herstoßend.

Es war Johannes allerdings nicht wohl bei der Sache, und er hatte Ursache dazu; was der Bock an sich selbsten weiß, trauet er der Geiß. Er ließ anspannen und fuhr dem Gerücht nach. Das ist ein Ding, welches oft weit schwerer ist als das Verfolgen eines flüchtigen Hirsches durch amerikanischen Urwald. Diesmal war es Johannes viel leichter, denn das Gerücht war nicht bloß ein leises Gemurmel, sondern ein lautes Geschrei, und nicht Johannes allein, sondern gar Viele jagten ihm nach und suchten den wahren Grund. So vernahm man bald, daß der Bursche wirklich einen nicht sehr alten Paß habe, den man ihm ohne Bedenken gegeben, da er immer mit einem versehen gewesen sei, angeblich wegen Handelsgeschäften, den er regelmäßig, wenn er nach dem Gesetze ausgelaufen gewesen, mit einem neuen vertauscht habe. Man vernahm, wo er Geld aufgenommen haben solle. Johannes fuhr darauf los, dort fand er den wahren Grund und ein Papier mit seines Vaters Unterschrift, auf welchem dem Schwager fünfzehntausend Taler zugeschrieben stunden. Dem Johannes verging eine ganze Weile das Fluchen, selbst die Pfeife löschte aus. Als er wieder Atem hatte, ging es freilich wieder los, und das Versäumte hatte er bald reichlich eingeholt. Erst ging es über den Schwager los, dann über den Vater und endlich über den Herrn Handelsmann oder Banquier oder wie man ihm sage, der auf das Papier hin das Geld gegeben hätte. Dem sagte er alle Schande, drohte ihm mit Galgen und Rad, und als dies nichts half, wollte er ihn prügeln. Der aber war nicht dumm, hatte zu rechter Zeit für Hülfe gesorgt, und Johannes mußte abmarschieren, tat es aber nur unter Donner und Blitz und mit dem Drohen, wann er wieder komme, so bringe er dann Leute mit Handschellen und Stricken. Nun kam er auf die Glungge wieder gefahren, wie eine gejagte Seekuh durch den Schilf fährt. Der Vater wollte nichts unterschrieben haben, wenigstens nichts solches. Ein paarmal hätte der Tochtermann ihm Päcklein von der Post gebracht, und da hätte er die Quittung unterschrieben, sonst wisse er von nichts. Wahrscheinlich hatte ihm einmal der Spitzbube das Papier als Postschein untergeschoben, nachdem er ihn früher einige Postscheine über Päcklein, welche durch seine Vermittelung Joggeli zukamen, unterschreiben lassen. Wenigstens hatte die Schrift Ähnlichkeit mit einem solchen Postschein, und Joggeli hatte schwache Augen, einen schwachen Sinn und war sein Lebtag kein Held im Geschriebenen gewesen. Wahrscheinlich stak der sogenannte Banquier mit dem Spitzbub unter einer Decke, sonst hätte er wohl bei Joggeli selbst über den Wert des Papiers sich näher erkundigt, ehe er Geld darauf gab. Aber bei solchen Händeln ist was zu profitieren und weit mehr als bei ehrlichen; wieviel in seine Tasche floß, vernahm man nicht, auch würde es kaum in seinen Büchern zu finden gewesen sein.

Was das nun für einen fürchterlichen Spektakel auf der Glungge gab, kann man sich denken. Vreneli mußte Elisi ins Haus nehmen, um es vor Johannes und der Trinette, welche nachgefahren kam, zu sichern. Nun aber heulte Elisi drinnen das Haus voll, und Trinette heulte draußen ums Haus herum wie ein Hund unter einem Baum, auf den eine Katze sich geflüchtet. Vreneli mußte seine ganze Tapferkeit aufbieten, um vor dem Ärgsten zu sein. Es mußte für Joggeli in Riß stehen und gegen die Kinder den Vater schützen, über den das ganze Wetter losbrach, den selbst Elisi verwünschte auf eine schauerliche Weise. Vreneli war vielleicht der einzige Mensch auf der Welt, vor dem Johannes noch einigen Respekt hatte, und von Jugend auf mit ihm bekannt, kannte es auch, was auf ihn Eindruck machte. Freilich mußte es sich von ihm bittere Sachen sagen lassen, wie sie mit unter der Decke gesteckt und wie man endlich sehen werde, wie sie den Vater beschummelt und was man an ihnen verlieren müßte. Es mußte sehen, wie bei Trinette zum Zorn noch die Eifersucht kam, als sie sah, daß Vrenelis Worte Macht über Johannes hatten. «So, von der nimmst du das an, von so einer lässest du dir das sagen. So, jetzt merke ich, warum du immer hierher gefahren und mich nicht hast mitnehmen wollen. Jetzt das noch zu allem andern», und fing an zu heulen, als ob sie hundert hungrige Hyänen im Halse hätte und gute Lust, ihre Tatzen an Vreneli zu versuchen.

Dann brachte man noch Elisis Kinder samt der Nachricht, daheim hätte man ihm alles versiegelt. Johannes wollte alles mit der Peitsche fortjagen, und Trinette wollte alles, was Joggeli hatte, aufpacken und fortnehmen, und Joggeli saß da und stierte herum, wollte an nichts schuld sein, sagte, sie könnten seinethalben machen, was sie wollten. Die Frau selig habe alles auf dem Gewissen, sie hätte ihm den Spitzbub hergeschleppt, sie könne seinetwegen jetzt auch zahlen, er habe nichts mehr und werde wohl noch dem heiligen Almosen nach müssen. Er habe ihr oft gesagt, es käme so, aber sie habe es ihm nie glauben wollen.

Vreneli wußte in dem greulichen Spektakel nicht anders zu helfen, als zu Uli zu sagen: «Um Gottes willen tue mir den Gefallen, nimm das beste Roß im Stalle, fahr, so schnell du kannst, zum Bodenbauer und bringe ihn her; der alleine kann sie setzen und weiß den besten Rat, sonst gibt es wahrhaftig noch ein Unglück. Ich kann nicht allenthalben sein und alle hüten. Statt daß sie allmählich sich fassen und ergeben, werden sie nur noch zorniger, erbitterter auf einander; es ist ein greulich Dabeisein und traurig, wie ein Mensch sein Unglück sich selbst noch unerträglich machen muß. Es ist gerade, wie wenn ein Mensch, der einen Zentner Eisen tragen soll und schwer daran zu tragen hat, denselben noch glühend macht, um ja recht doppelt Qual zu leiden unter ihm.»

Uli war dieses Gedankens froh, doch bangte er um Vreneli. «Aber du bist dann alleine,» sagte er, «und selb ist nicht richtig unter solchen Menschen.» «Habe nicht Kummer,» antwortete Vreneli, «Johannes tut mir nichts und die Weibsbilder fürchte ich nicht. Aber fahre rasch, es ist mir angst um Joggeli. Wenn niemand wehrt, so plündern sie ihn vollends aus, und hintendrein, wenn die Gläubiger kommen und nichts mehr da ist, gibt es wüste Geschichten. Mit dem Johannes ist es auch nicht richtig, wie ich merken mochte, der wird auch gemacht haben, was er konnte. Die Liebe war es nicht, welche so oft ihn hergebracht.»

Uli sputete sich, schonte das Pferd nicht. «Wenn die Base das hätte erleben müssen! dachte er. Aber, dachte er wieder, wenn sie gelebt, wäre das nicht begegnet. Wie wenn man in einem Gebäude einen einzigen Stein wegnehme und dadurch dasselbe aus allen Fugen, vielleicht zum Umsturz bringen könne, so gebe es auch einzelne Personen in Familien. Auf einer einzigen Person ruhe das Ganze, sie halte es zusammen; bei ihren Lebzeiten merke man es vielleicht nicht einmal so recht, erst wenn sie gestorben sei, in Trümmer das Ganze auseinandergehe, merke man, daß sie der Eckstein gewesen. Wie man doch das Gleiche verschieden nehmen könne, dachte er, und wie man erst, wenn was zu tragen sei, merke, ob einer Kraft habe oder keine. Er wisse wohl, er sei ein armer Sünder, aber um alles in der Welt möchte er nicht an ihrer Stelle sein. Er sehe wohl ein, daß er nichts davonbringe, denn dies Unglück werde auch ihm an die Beine gehen, und jedenfalls werde ihnen noch etwas übrig bleiben, ihm aber nichts als vielleicht noch Schulden. Indessen wüßten er und Vreneli zu sparen und zu arbeiten, Angst habe er nicht, er habe sich darein ergeben, es zu nehmen, wie es komme, und damit zufrieden zu sein. Aber wie Joggelis Kinder es mit Wenigem machen würden, da es nicht mit Vielem gegangen, dazu weder arbeiten noch entbehren könnten, das begreife er nicht. Das gebe die unglücklichsten Leute, welche immer zwischen Können und Mögen hingen, an allen andern Orten den Fehler suchten, nur nicht an ihnen selbst, und daher auch so wüst täten ohne Unterlaß, sich verfeindeten allenthalben, wo sie Freunde doch so nötig hätten. Er dankte Gott nicht, daß er nicht sei wie jene, aber er fühlte sich doch glücklich, daß er nicht in ihrer Haut war, und das ist erlaubt. Dankbar soll man sein für alle Gnadengaben Gottes, und ist das nicht eine große Gabe, wenn man die Kraft empfangen hat, dem Willen Gottes sich zu unterziehen, und das Genügen, welches übrig haben und Mangel leiden kann und beides unbeschwert? Diese Gaben sind sehr zu unterscheiden von persönlichen Eigenschaften oder Vorzügen, auf die man stolz wird, um deretwillen man Andere verachtet oder verfolgt. Hier liegt eben das unterscheidende Merkmal für alle, welche auch hier den Baum nur an den Früchten zu erkennen vermögen. Wer um eigener Vorzüge willen sich erhebt und Gott ihretwegen dankbar sein zu müssen glaubt, der verachtet Andere, beneidet sie, sucht sie zu erniedrigen. Wer um Gaben Gottes willen dankbar ist, der ist demütig; er weiß, woher er das Beste hat, er bedauert von ganzem Herzen den, der es nicht hat, er würde von ganzem Herzen mitteilen von seiner Gabe, um die zu erhöhen, welche sie nicht haben.»

Daran eben dachte auch Uli. Nicht daß er glaubte, er könne da was machen, dazu war er zu bescheiden und allzu sehr auf dem bürgerlichen Standpunkte, als daß er daran nur gedacht hätte, er könne was machen. Das ist nämlich der bürgerliche Standpunkt, der im Christentum und namentlich im protestantischen eingerissen ist, weil der Staat die Alleinherrschaft usurpiert hat, daß es auf die äußere Stellung eines Menschen zu Andern ankömmt, ob Einer dem Andern eine Ermahnung geben darf oder nicht, ob die christlichste Ermahnung als anständig oder unanständig gewertet wird. Es ist in reformierten Ländern so weit gekommen, daß der würdigste Geistliche einem unbedeutenden weltlichen Beamten, zum Beispiel einem obrigkeitlichen Schaffner oder Statthalter oder gar Gerichtspräsidenten, welcher den unchristlichsten Wandel zur gröbsten Ärgernis der Gemeinde führt, nicht die geringste Vorstellung unter vier Augen machen darf, wenn er sich erstlich nicht den ärgsten Grobheiten aussetzen, zweitens als pfäffischer Zelot verschrieen und drittens obern Orts nicht als Jesuit denunziert sein will. So kam es Uli wirklich nicht in Sinn, daß er als Pächter und Schuldner da was machen könnte, aber er dachte daran, den Bodenbauer darum zu bitten, und hätte gerne ihm gesagt, wo die armen Leute am besten zu erfassen sein möchten. Aber er mochte denken, wie er wollte, er fand nirgends eine Handhabe zu einem christlichen Griff.

Seine Sendung setzte den Bodenbauer in große Verlegenheit. «Lieber nit, Uli, lieber nit. Kann ich dir was zu Gefallen tun, so soll es nicht Nein sein, aber da laß mich ruhig. Was soll ich da tun so unberufen? Wenn schon du kamest, so sandte dich nur deine Frau und ebenfalls unberufen. Sie würden mir doch da wunderliche Augen machen, wenn ich hinkäme und befehlen wollte.»

«Mußt doch gehen, Johannes,» sagte die Frau. «Brauchst ja nicht zu sagen, kommst du geheißen oder ungeheißen, brauchst auch nicht mit dem Rat ins Haus zu fallen. Du brauchst sie ja nur zu grüßen, und wollen sie nichts von dir, so kannst wieder gehen. Sieh, tue das der Base unter der Erde zulieb und denke, wenn unsere Kinder in einen solchen Fall kämen, wovor Gott sie bewahre, wir wären auch unterm Boden dankbar, wenn ein guter Freund ungeheißen käme und sich ihrer annehmen würde.»

Kurz Johannes mußte gehen, er mochte wollen oder nicht. Auf dem ganzen Wege wand er sich als einer, der Bauchweh hat. «O Uli,» sagte er, «du weißt nicht, wie mir das zuwider ist. Wenn man mit seinen eigenen Sachen fast mehr zu tun hat, als man fertigen kann, in der Gemeinde zu tun hat, daß man oft lange Zeit durch nicht zum Sitzen kommt oder tagelang sitzen muß, daß man glaubt, man sitze auf Feuer, wenn draußen die Sonne scheint und alle Hände voll zu tun sind, und dann noch die Nase unberufen in fremde Händel stecken, unberufen und ohne einmal zu wissen, was man, um bei der Wahrheit zu bleiben, für ein Fürwort brauchen soll, daß man da ist, das ist dumm. Und zu wissen, daß das noch einen langen, langen Schwanz haben kann, und es doch tun, das ist noch viel dümmer.» «Was meint Ihr?» fragte Uli, «was für einen Schwanz?» «He, was für einen?» sagte Johannes. «Wenn da so einer dazwischenkommt, so mir nichts dir nichts, so denkt man, er habe Freude an solchen Sachen und spricht ihn an, und am Ende, er mag wollen oder nicht, muß er darhalten, mitmachen, Läuf und Gänge haben und am Ende des Teufels Dank.» «Wenn Ihr das fürchtet, so habt Ihr ja eine gute Ausrede: Ihr seid mein Bürge, und leider Gott kann es beide Wege gehen, und manche Sache ist ja nicht ausgemacht. Wäre das nicht Grunds genug?» «Uli, gibst noch einen Gemeindsvater,» sagte der Bodenbauer. «Du hast recht, daß mir dies nicht einfiel! Aber die Sache ging mir zu rund und rasch im Kopf herum.»


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