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Fünfzigstes Kapitel


Catlins Rückkehr vom Coteau des Präries. – Der Schwansee. – Fangen der Moschusratte und Einsammeln des wilden Reises. – Catlin schifft sich bei Traverse des Sioux auf dem St. Petersflusse ein. – Ankunft bei dem St. Anthony-Wasserfalle. – Der Pepinsee. – Prärie du Chien. – Cashville. – Rock Island. – Sakis und Fuchsindianer. – Kih-o-kuk zu Pferde. – Der Sklaventanz. – Das Rauchen der Pferde. – Der Bettlertanz. – Das Segeln in Kanoes. – Der Entdeckungstanz. – Der Tanz für die Medizin des Tapferen. – Vertrag mit den Sakis und Fuchsindianern.


Nachdem wir unsere Wißbegier an dem Fundorte des roten Pfeifensteins hinlänglich befriedigt hatten, brachten unsere Pferde uns in fünf Tagen über die weite Ebene am Fuße des Côteau des Präries nach Traverse des Sioux am St. Petersflusse.

Unser Weg führte uns durch einige der lieblichsten Prärielandschaften, von denen ich mehrere zeichnete. Eine der anmutigsten Gegenden war der Schwansee, der mehrere englische Meilen lang und mit unzähligen kleinen, dicht bewaldeten Inseln angefüllt ist. Auf dieser Reise sahen wir Indianer mit dem Fange der Bisamratte ( Fiber zibethicus, Cuvier) beschäftigt. Diese Tiere leben in großer Menge auf den nördlichen Prärien, wo sie ihre Wohnungen in seichtem Wasser aus den Stielen des wilden Reises erbauen. Diese haben die Gestalt eines kleinen Heuhaufens, in dessen oberen Teilen sich eine trockene Abteilung befindet, worin das Tier über dem Wasser schläft; den Eingang bildet eine Öffnung unter der Oberfläche des Wassers. Die Indianer fangen diese Tiere in ungeheurer Menge und verkaufen ihre Felle, die sehr gesucht sind, an die Pelzhändler. Um sie zu fangen, waten zwei Indianer bis zu ihren Wohnungen, und während der eine mit einem Stabe an die Rückseite schlägt, tötet der andere das Tier, sobald es zu entfliehen sucht.

Der erwähnte wilde Reis ( Zizania aquatica), der in den Flüssen und Seen längs der Ufer in großer Menge wild wächst, wird von den Indianern eingesammelt und als Nahrungsmittel benutzt. Dieses Einsammeln, das den Frauen obliegt, geschieht in der Weise, daß die eine das Boot rudert, während eine andere die Reisstengel in das Kanoe hineinbiegt, sie mit einem Stabe festhält und nun mit einem zweiten Stabe daraufschlägt, wodurch der Samen ausfällt; dies wird solange fortgesetzt, bis das Kanoe gefüllt ist. Die Sioux bedienten sich hierbei der Rindenkanoes, die sie von den Tschippewäern gekauft hatten.

Während wir diese schönen Gegenden durchzogen, begegneten wir den Sioux, die uns an dem Besuche des Pfeifensteinbruches verhindern wollten, uns aber diesmal nicht weiter belästigten.

Der Dr. Jackson in Boston, ein tüchtiger Mineralog und Chemiker, dem ich einige Stücke des Pfeifensteins übersandte, sagt in Silliman's American Journal of Science, vol. XXXVII pg. 394, daß dieser kein Steatit (Speckstein) sondern ein neues Mineral sei, härter als Gips, aber weicher als Kalkspat. Er teilt an dem erwähnten Orte folgende Analyse dieses Minerals mit:

 

Wasser 8,4
Kieselerde 48,2
Tonerde 28,2
Talkerde 6,0
Kohlensaure Kalkerde 2,6
Eisen-Suboxyd 5,0
Mangan-Oxyd 0,6
  ————
    99,0
Verlust (wahrscheinlich Talkerde) 1,0
  ————
    100,0

 

In Traverse des Sioux ließen wir unsere Pferde zurück und schifften uns in einem Kanoe, das aus einem einzigen Baumstamms gezimmert war, nach dem St. Anthony-Wasserfalle ein, den wir am zweiten Tage spät abends erreichten, obgleich das Kanoe stets umzuschlagen drohte, wenn wir uns nicht ganz ruhig verhielten. Da wir kein Dampfboot vorfanden, wie wir gehofft hatten, so mußten wir unsere Reise auf dem Mississippi bis Prärie du Chien, eine Strecke von mehr als 80 Meilen, in unserem kleinen Kanoe fortsetzen.

siehe Bildunterschrift

Tafel XX. Sioux-Indianerinnen.

»Das wird eine schwere Arbeit sein in unserem kleinen Kanoe bis Prärie du Chien zu rudern, und wir können das nicht leisten, Catlin.«

»Ach, lassen Sie das gut sein, mein lieber Freund, wir müssen rudern, es bleibt uns nichts anderes übrig. Und dann bedenken Sie, welches Vergnügen eine solche Fahrt gewährt! Unsere Flinten und unsere Angeln sind in guter Ordnung und wir sind vollkommen Herren unseres Bootes – wir können nach Belieben in jede Bucht, in jeden Winkel hineinrudern, jeden Berg ersteigen und uns an den kieselreichen Gestaden des Pepinsees nach Herzenslust herumtreiben.« – »Vortrefflich! das ist gerade, was ich liebe; wir werden Vergnügen und Arbeit in Fülle haben. Lassen Sie uns sogleich aufbrechen.« – Wir nahmen daher Abschied von unseren Freunden und vertrauten uns in dem kleinen schwankenden Fahrzeuge abermals den grünen Gewässern des Mississippi an.

So ruderten wir zehn Tage lang bei gutem und schlechtem Wetter, tranken unseren Kaffee und lebten von Fischen, Geflügel, Muscheln, Schnecken, Fröschen und Klapperschlangen; letztere, gehörig zubereitet, schmeckten köstlich.

An dem östlichen Ufer des Pepinsees wurden wir durch heftige, widrige Winde drei Tage aufgehalten. Als wir endlich unsere Reise fortsetzen konnten, landeten wir am Fuße des Berges Strombolo, wie ihn die Soldaten nennen, während er eigentlich von den Franzosen La Montaigne que tromps à l'eau genannt wird. Wir erstiegen ihn ohne große Mühe und hatten von seinem Gipfel eine der herrlichsten Aussichten, die die westliche Welt zu bieten vermag. Der Berg erhebt sich in Pyramidenform 700 Fuß über dem Wasserspiegel des Flusses, der ihn auf allen Seiten umfließt, und die Gesteinschichten, aus denen er besteht, korrespondieren genau mit denen der vorspringenden Vorgebirge an beiden Ufern des Stromes.

Als wir in Prärie du Chien ankamen, fanden wir dort kein Dampfboot und ebenso erging es uns in dem sechs Meilen entfernten Cashville; wir blieben daher auf unser kleines Fahrzeug angewiesen, mit dem wir endlich auch Rock-Island (die Felseninsel) glücklich erreichten, wo die Sakis und Fuchsindianer versammelt waren, um einen Vertrag mit dem Gouverneur Dodge abzuschließen. Wir kamen noch zur rechten Zeit, um der Abschließung beizuwohnen, die mit kriegerischen Aufzügen und Tänzen gefeiert wurde. Die Sakis und Fuchsindianer hatten in der letzten Zeit so viel von ihren Ländereien verkauft, daß sie für reich gelten konnten und daher sich vor den meisten anderen halbzivilisierten und verarmten Stämmen vorteilhaft auszeichneten.

Im 46. Kapitel erwähnte ich einen Besuch, den ich in dem Dorfe Kih-o-kuks abstattete, bei welcher Gelegenheit ich ihn und mehrere andere Indianer seines Stammes malte. Kih-o-kuk (der laufende Fuchs), der Häuptling des Stammes, ist ein würdevoller, stolzer Mann, mit großen Fähigkeiten. Nach Beendigung des unheilvollen Krieges, den ein Häuptling der Sakis, der berühmte »Schwarze Falke«, im Jahre 1833 führte, wurde Kih-o-kuk, mit Zustimmung des ganzen Stammes, vom General Scott zum Häuptling der Sakis und Fuchsindianer ernannt, weil er während der Dauer des Krieges neutral geblieben und durch sein Ansehen zwei Drittel der Krieger bewogen hatte, an dem Kampfe nicht teilzunehmen. Der Schwarze Falke, seine beiden Söhne und die angesehensten seiner Ratgeber und Krieger wurden bekanntlich gefangen genommen. Kih-o-kuk ist als Redner berühmt und einer der bekanntesten Häuptlinge, da er Washington und andere atlantische Städte mehrmals besucht hat, wo er die, kraft der Verträge mit der Regierung der Vereinigten Staaten seinem Volke zustehenden Rechte vor Tausenden unerschrocken verteidigte. Ich malte seinen Lieblingssohn, den er zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, und die älteste seiner sieben Frauen, welche die Mutter jenes Knaben zu sein schien; ihr Anzug bestand zwar aus Stoffen von amerikanischer Herkunft, war aber von ihr selbst auf wahrhaft prächtige Art verziert worden.

Die Sakis und Fuchsindianer, die einst zwei besondere Stämme, jedoch mit sehr verwandter Sprache, bildeten, haben sich vor nicht sehr langer Zeit zu einem einzigen Volke vereinigt, das den Namen »Sakis und Fuchsindianer« führt. Siehe Anmerkung 38. Diese Indianer scheren und schmücken den Kopf wie die früher erwähnten Osagen und Pahnis; sie gehören zu den Stämmen, die vor kurzem ihre ausgedehnten Ländereien verkauft und sich westlich vom Mississippi angesiedelt haben. Ihre Zahl beträgt jetzt nicht über 6000 Köpfe, aber sie bilden noch immer einen kriegerischen und mächtigen Stamm.

 


Anmerkungen 38.

Die Sakis sollen sich selbst Sauki oder Sauki-uck (die aus dem Lande zogen), im Plural Saukuck nennen; in der Saki- und Fuchssprache wird im Plural die Endung uck angehängt. Die Fuchsindianer nennen sich Musquack oder Mus-quack-ki-uck (rote Erde). Von den Ojibuäs (Tschippewäern) werden die Fuchsindianer Utagamis oder Otagamis genannt.


 

Der oben erwähnte »Schwarze Falke« (Makotä-Mischokiakiah) Siehe Anmerkung 39., dessen Name überall Schrecken verbreitete, war ausgezeichneter als Redner in den Ratsversammlungen, denn als Krieger, und ich glaube, daß Nah-pope und der »Prophet« die Haupturheber und Leiter des Krieges waren. Als ich ihn malte, war er mit einem schlichten Lederanzug bekleidet, in den Ohren und um den Hals trug er Wampumschnüre und in der Hand hielt er den aus der Haut eines schwarzen Falken gemachten Medizinbeutel, von dem er seinen Namen führt und dessen Schwanz ihm als Fächer diente. Sein Sohn, Nah-se-us-kuk (der wirbelnde Donner), ist einer der schönsten Indianer, die ich je gesehen habe. Er hat eine starke Partei in dem Stamme für sich, die ihn an Kih-o-kuks Stelle zu setzen wünscht, und es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß Kih-o-kuk in kurzem aus dem Wege geschafft werden wird.

 


Anmerkungen 39.

Der Schwarze Falke, Häuptling der Sakis, war der Urenkel des »Donners«, eines berühmten Häuptlings der Illionis. Er führte fast beständig Krieg mit den Osagen (Wasaji), Tschirokis und mehreren anderen Stämmen. In dem Kriege zwischen England und den Vereinigten Staaten stand er mit einem Teil seines Stammes auf englischer Seite, während Kiokuk mit etwa zwei Dritteln der Nation sich neutral verhielt. Als im Jahre 1831 die Regierung der Vereinigten Staaten die Seminolen zur Auswanderung zu bewegen suchte, widersetzte sich der Schwarze Falke diesem Ansinnen mit bewaffneter Hand und überfiel in einem Hinterhalt eine Abteilung amerikanischer Miliz, die bis auf den letzten Mann niedergemacht wurde. Dieser erste Erfolg erhöhte seinen Mut und er setzte die Feindseligkeiten fort, bis ihm endlich das Glück den Rücken wandte. Es gelang ihm zwar anfangs, den amerikanischen Truppen zu entgehen, allein durch die Verräterei zweier Winnebagos geriet er endlich doch in Gefangenschaft.

Man führte ihn zuerst nach Washington, wo der Kriegsminister ihm vorstellte, wie unnütz es sei, sich noch länger der Mehrzahl des Stammes und der Regierung der Vereinigten Staaten zu widersetzen, die beide den Frieden wollten. Zugleich wurde ihm verkündet, daß er auf allgemeines Verlangen des Stammes seiner Häuptlingswürde entsetzt und Kihokuk zu seinem Nachfolger ernannt worden sei. Er bat, man möge ihn freilassen, als man aber auf seine veränderte Stellung zu seinem Stamme hindeutete, erklärte er mit Stolz, daß er alt sei und lieber sterben, als einem jüngeren gehorchen werde. Da man seinen Starrsinn kannte, so bewog man Kihokuk, ihm den Zutritt zu den Beratungen zu gestatten.

Bevor er zu seinem Stamme zurückkehrte, ließ man ihn im Lande herumreisen, damit er sich von der Größe der Macht überzeuge, gegen die er sich aufgelehnt hatte. Dies hatte auch den gewünschten Erfolg, denn bei dem Anblick der großen Städte, der zahlreichen Bevölkerung, der Zeughäuser und Schiffswerften erklärte er, er sehe jetzt wohl ein, daß die Wigwams der Weißen zu zahlreich und zu gut verteidigt seien, als daß sie von den roten Männern jemals zerstört werden könnten.

Am meisten setzte ihn das Aufsteigen eines Luftballons in Erstaunen; er meinte, der Luftschiffer müsse ein Geist sein, »aber«, setzte er kopfschüttelnd hinzu, »er wird nimmer wiederkehren!«

Er versöhnte sich zuletzt noch mit Kihokuk und starb im Jahre 1838 in einem Alter von 71 Jahren. Auf seinen Wunsch wurde seine Leiche in sitzender Stellung mit dem Stabe in der Hand beerdigt. Er hatte nie mehr als eine Frau.


 

Die Tänze und anderen Belustigungen dieses Stammes sind sehr unterhaltend; ich habe mehrere davon gezeichnet und will hier nur einige kurz erwähnen.

Der Sklaventanz gründet sich auf einem höchst sonderbaren Brauch. Es befindet sich nämlich in diesem Stamme ein Verein, dessen Mitglieder Sklaven genannt werden und aus jungen Männern der angesehensten Familien bestehen, die sich freiwillig dazu verstehen, zwei Jahre lang Sklaven zu sein und während dieser Zeit jede von den Häuptlingen ihnen übertragene Arbeit, mag diese auch noch so verächtlich und erniedrigend sein, zu verrichten. Sind die zwei Jahre vorüber, so sind sie für die übrige Lebenszeit, der Stamm mag sich befinden, wo er will, von allen niedrigen Beschäftigungen, wie kochen, Feuer anzünden usw. befreit. Sie wählen einen aus ihrer Mitte zu ihrem Gebieter, der die Befehle von dem Häuptlinge empfängt und ihm wird unbedingter Gehorsam geleistet. An einem bestimmten Tage haben sie ein großes Fest, dessen Einleitung der erwähnte Tanz bildet.

Ein anderer, nicht weniger sonderbarer Brauch dieses Stammes ist das sogenannte Rauchen der Pferde. Als ich mit dem General Street in Kih-o-kuks Dorfe ankam, hatten wir Gelegenheit, diesem Schauspiele beizuwohnen. Die Fuchsindianer, die einen Kriegszug gegen die Sioux unternehmen wollten, hatten Mangel an Pferden und zeigten deshalb den Sakis an, daß sie am nächsten Tage kommen würden, um zwanzig Pferde »zu rauchen«, sie möchten diese daher bereit halten. An dem bestimmten Tage fanden sich zwanzig junge Männer ein, setzten sich auf der Prärie hinter dem Dorfe auf die Erde und begannen zu rauchen. Bald darauf erschienen in der Entfernung einer halben englischen Meile zwanzig berittene junge Sakis, welche übereingekommen waren, jeder ein Pferd herzugeben. Sie galoppierten mehrmals um die Fuchsindianer herum, wobei sie sich ihnen immer mehr näherten; als sie endlich ganz nahe herangekommen waren, hieb ein jeder Reiter demjenigen, welchem er sein Pferd geben wollte, mit der Peitsche über die nackte Schulter und wiederholte dies so lange, bis das Blut herunterlief, dann stieg er ab, überreichte dem Geschlagenen den Zügel und sagte: »Du bist ein Bettler– ich schenke dir ein Pferd, aber du trägst mein Zeichen auf deiner Schulter.« Damit ist das Pferd bezahlt und der Geber hat das Recht, bei Tänzen und anderen feierlichen Gelegenheiten sich seiner Freigebigkeit zu rühmen.

Eine sehr häufig vorkommende Unterhaltung ist der Bettlertanz; sie suchen dabei durch Gesang und wunderliche Stellungen die Zuschauer zur Darreichung von Geschenken zu bewegen, indem sie versichern, daß diese die Herzen der Armen erfreuen und dem Geber Segen bringen würden.

Die Sakis und Fuchsindianer lieben es, gleich allen anderen Indianern, an den Ufern der Flüsse zu leben und sind treffliche Schwimmer und Schiffer. Ihre Kanoes bestehen aus einem ausgehöhlten Baumstamme und sind ungemein leicht. Bei günstigem Winde stellen sich die Männer in das Vorderteil des Kanoes, fassen zwei Zipfel ihrer Decke mit den Händen und befestigen die beiden anderen Zipfel an ihre Beine, oder halten sie mit den Füßen fest, und segeln aus diese Weise schnell vorwärts, während die Frau am Hinterteile des Schiffes sitzt und steuert.

Der Entdeckungstanz ist sehr komisch und sie entwickeln dabei ein bedeutendes mimisches Talent. Dieser Tanz wird nicht mit Musik, Gesang oder Geschrei begleitet und man hört nur das im Takte erfolgende Stampfen der Füße. Es tanzen je zwei oder vier auf einmal in gebückter Stellung vorwärts, schauen sich nach allen Seiten um, als ob sie ein Tier oder Feinde erspähen wollten, und wenn sie etwas entdeckt haben, so geben sie dem Leiter des Tanzes ein Zeichen.

Der Tanz für die Medizin der Tapferen verdient der Erwähnung wegen der schönen Moral, die darin liegt. Wenn die Krieger von einem Streifzuge siegreich und mit Skalpen zurückgekehrt sind, aber einen der Ihrigen verloren haben, so tanzen sie fünfzehn Tage lang täglich eine Stunde vor dem Wigwam des Gefallenen, vor dessen Tür die Witwe den Medizinbeutel ihres Mannes an einem grünen Zweige aufhängt, während sie selbst weinend und klagend in der Hütte sitzt. Die Krieger erzählen bei ihrem Tanze die Heldentaten des getöteten Waffengefährten, wobei sie zugleich Geschenke für die Witwe niederlegen, um ihr die Mittel zur Existenz zu verschaffen.

Die Sakis und Fuchsindianer bezogen bisher schon für die nächsten dreißig Jahre eine Jahresrente von 27000 Dollars, die durch den erwähnten, während meiner Anwesenheit in Rock-Island abgeschlossenen Vertrag auf 37000 Dollars erhöht wurde. Dieser Vertrag betraf die Abtretung eines am Ioway-(Aiowä-)Flusse, westlich vom Mississippi gelegenen Gebietes von etwa 340000 Morgen, das ihnen in dem Landstriche vorbehalten war, der nach Beendigung des Krieges mit den Sakis unter dem Namen »Schwarzer Falken-Ankauf« an die Regierung übergeben wurde. Der Gouverneur Dodge ergänzte den Vertrag, indem er einen Paragraphen hinzufügte, worin sich die Regierung verpflichtete, den Indianern für den Acker (1½ Morgen) 75 Cents (d. h. für das ganze abgetretene Gebiet 192000 Dollars) zu zahlen und zwar in folgender Weise: 30000 Dollars sollten im nächsten Juni an dem Orte, wo der Vertrag abgeschlossen, dann, in den nächsten zehn Jahren jährlich 10000 Dollars eben daselbst gezahlt, der Rest von 62000 Dollars aber zur Bezahlung ihrer Schulden und zu kleinen Schenkungen an Witwen und Kinder von Halbindianern verwendet werden. Die amerikanische Pelzcompagnie hatte von diesen Indianern nahe an 50000 Dollars für Waren zu fordern; es wurde daher in dem Vertrage festgesetzt, daß die eine Hälfte dieser Forderung sogleich nach der Ratifizierung des Vertrages, dann aber jährlich 5000 Dollars bis zur Tilgung der Schuld bezahlt werden sollten.

Kih-o-k trug in seiner Rede darauf an (wie es übrigens bei allen Verträgen mit den Indianern, denen ich beiwohnte, der Fall war), daß die Regierung sich in dem ersten Paragraphen verpflichte, vor allem die Summe zu zahlen, welche hinreiche, um die anwesenden Gläubiger der Indianer, deren Rechnungen vorgelegt und anerkannt worden, zu befriedigen.

Der Kaufpreis für diesen Landstrich (75 Cents für den Acre) ist verhältnismäßig bedeutend zu nennen, denn bisher wurde ein Acre der Indianerländereien gewöhnlich nur mit 1½–1¾ Cents bezahlt, während ihn die Regierung für 10 Schillinge weiter verkaufte. Früher hatten diese Indianer einen großen Teil der reichen Staaten Illinois und Missouri für den erwähnten niedrigen Preis an die Regierung verkauft; es war daher nicht mehr wie billig, daß man bei dem letzten Teile ihres Gebietes, das sie zu veräußern hatten, sich freigebiger gegen sie erwies.

Als Beweis, wie unaufhaltsam der Strom der Einwanderung in den »Fernen Westen« vorwärts dringt, möge folgender Vorfall dienen: Nachdem der Vertrag unterzeichnet war, richtete der Gouverneur Dodge einige Worte an die Häuptlinge und Krieger und forderte sie zuletzt auf, mit ihren Familien und ihrem Eigentum in einem Monat das Land zu verlassen und den Weißen Platz zu machen.

Bei diesen Worten entstand eine große Bewegung und gewaltiges Gelächter unter den Indianern, dessen Ursache einer von ihnen mit folgenden Worten angab:

»Mein Vater, wir müssen lachen – wir brauchen keine Zeit, um uns zu entfernen – wir alle haben bereits die Ländereien verlassen und schon ehe wir des Vertrags wegen hierher kamen unsere Wigwams an die Tschimokimon (Weiße Männer) verkauft – einige für hundert, andere für zweihundert Dollars. Es sind schon vierhundert Tschimokimon in dem Lande und mehrere hundert dorthin unterwegs – und drei Tage vorher, ehe wir kamen, verkaufte ein Tschimokimon seinen Wigwam an einen anderen Tschimokimon für 2000 Dollars, um eine große Stadt zu bauen.«

Auf diese Weise füllt sich dieses schöne Land bis auf mehr als hundert englische Meilen westlich vom Mississippi mit aufgeklärten und intelligenten Bewohnern aus dem Osten, deren Fleiß und Ausdauer bald alle Bequemlichkeiten und Genüsse der zivilisierten Welt dorthin verpflanzen wird.

Die Verhandlungen bei Abschließung des Vertrages boten ein höchst anziehendes Schauspiel dar. Kih-o-kuk, das anerkannte Oberhaut des Stammes, war der Hauptredner. Er ist ein schlauer, würdiger Mann und ganz dazu geeignet, das Geschick dieses Volkes zu lenken. Der alte, entthronte Häuptling, der »Schwarze Falke«, war ebenfalls dort anwesend und bot einen bemitleidenswerten Anblick dar. Mit einem alten Leibrock und einem braunen Hute bekleidet und mit einem Stocke in der Hand stand er nebst seinen Söhnen, seinem ehemaligen Adjutanten Nah-pope und dem Propheten, während der Verhandlungen schweigend außerhalb der Gruppe; es wurde ihm und seinen Begleitern nicht gestattet, zu sprechen und den Vertrag zu unterzeichnen. Nah-pope erhob sich zwar und fing an über die Mäßigkeit zu sprechen, allein der Gouverneur Dodge gebot ihm, sich zu setzen, und dies ersparte ihm eine weit ernstere Zurechtweisung von seiten Kih-o-kuk's, der sich bereits mit einem Gesichte erhoben hatte, das den Teufel selbst hätte erschrecken mögen.


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